Spirometra: Unterschied zwischen den Versionen

 
(7 dazwischenliegende Versionen von 3 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
''von lateinisch: spira - Windung; von griechisch: μέτρα ("metra") - Gebärmutter''
==Definition==
==Definition==
Als '''Spirometra''' bezeichnet man eine [[Gattung]] an [[Parasit]]en, die zur [[Klasse]] der [[Cestoda]] (Bandwürmer) gehört und [[Erreger]] der [[Spirometrose (Fleischfresser)|Spirometrose]] bei [[Hund]] und [[Katze]] sowie [[Sparganose]] des [[Mensch]]en ist.
Als '''Spirometra''' bezeichnet man eine [[Gattung]] von [[Parasit]]en, die zur [[Klasse]] der [[Cestoda]] (Bandwürmer) gehört und [[Erreger]] der [[Spirometrose (Fleischfresser)|Spirometrose]] bei [[Hund]] und [[Katze]] sowie der [[Sparganose]] beim [[Mensch]]en sind.


==Taxonomie==
==Taxonomie==
Zeile 14: Zeile 16:


==Epidemiologie==
==Epidemiologie==
Spirometra-Arten kommen weltweit in unterschiedlicher Häufigkeit vor. Da der [[Entwicklung]]szyklus an Wasser gebunden ist, kommt es vorrangig zu [[Infektion]]en von [[Frosch|Fröschen]], [[Reptil]]ien ([[Schlange]]n, [[Schildkröte]]n), [[Nagetier]]en und anderen - in Feuchtgebieten - lebenden [[Tierart]]en.
Spirometra-Arten kommen weltweit in unterschiedlicher Häufigkeit vor. Da der [[Entwicklung]]szyklus an Wasser gebunden ist, kommt es vorrangig zu [[Infektion]]en von [[Frosch|Fröschen]], [[Reptil]]ien ([[Schlange]]n, [[Schildkröte]]n), [[Nagetier]]en und anderen in Feuchtgebieten lebenden [[Tierart]]en.


==Morphologie==
==Morphologie==
Da Spirometra- und [[Diphyllobothrium]]-Arten nahe miteinander verwandt sind, weisen sie [[morphologisch]] große Ähnlichkeiten auf. Im Gegensatz dazu unterscheiden sie sich sowohl [[genetisch]] als auch [[biologisch]] deutlich voneinander, wodurch eine klare Abgrenzung beider Gattung möglich ist.
Da Spirometra- und [[Diphyllobothrium]]-Arten nahe miteinander verwandt sind, weisen sie [[morphologisch]] große Ähnlichkeiten auf. Eine klare Abgrenzung der beiden Gattungen ist aufgrund von [[genetisch]]en und [[biologisch]]en Unterschieden möglich.


Spirometra spp. werden zwischen 10 und 100 [[Zentimeter|cm]] lang. Ihr [[Scolex]] ist mit 2 Sauggruben ausgestattet. Die in Reihen angeordneten [[Proglottis|Proglottiden]] enthalten einen in 2 bis 7 Windungen spiralig aufgewundenen [[Uterus]]. Die [[Eizelle|Eier]] sind zwischen ca. 35 x 60 [[Mikrometer|µm]] groß, oval, goldgelb gefärbt und gedeckelt.
Spirometra spp. werden zwischen 10 und 100 [[Zentimeter|cm]] lang. Ihr [[Scolex]] ist mit 2 Sauggruben ausgestattet. Die in Reihen angeordneten [[Proglottis|Proglottiden]] enthalten einen in 2 bis 7 Windungen spiralig aufgewundenen [[Uterus]]. Die [[Eizelle|Eier]] sind zwischen ca. 35 x 60 [[Mikrometer|µm]] groß, oval, goldgelb gefärbt und gedeckelt.
Zeile 24: Zeile 26:
Wichtige Vertreter von Spirometra spp. sind:
Wichtige Vertreter von Spirometra spp. sind:
* [[Spirometra mansonoides]] (Katze, Hund, wild lebende Feliden und Caniden in Nord- und Südamerika)
* [[Spirometra mansonoides]] (Katze, Hund, wild lebende Feliden und Caniden in Nord- und Südamerika)
* [[Spirometra erinaceieuropaei]] (Katze, Hund, andere Fleischfresser, Europa, Asien, Australien)
* [[Spirometra erinaceieuropaei]] (Katze, Hund, andere Fleischfresser in Europa, Asien, Australien)


==Entwicklung==
==Entwicklung==
[[Adult]]e Spirometra spp. führen zu einem [[intestinal]]en Befall bei ihren [[Wirt]]en.
[[Adult]]e Spirometra spp. führen zu einem [[intestinal]]en Befall ihrer [[Wirt]]e.


Die Entwicklung läuft ähnlich wie bei Diphyllobothrium spp. mit [[Krebs|Kleinkrebsen]] (Copepoden) als 1. [[Zwischenwirt]] ([[Prozerkoid]]) sowie Amphibien, Reptilien, Vogel- und [[Säugetier]]arten als 2. Zwischenwirte ([[Plerozerkoid]]) ab. Nehmen nun ungeeignete [[Vertebrata|Vertebraten]] - die als Endwirte fungieren (z.B. [[Nagetier]], [[Schwein]], [[Affe]]n, Mensch) - plerozerkoidhaltige 2. Zwischenwirte auf, durchwandern diese Plerozerkoide (dann auch als Spargana genannt) die [[Darm]]wand. Anschließend siedeln sie sich in [[serös]]en Höhlen, in inneren [[Organ]]en, im intermuskulären [[Bindegewebe]] oder in der [[Subkutis]] an. Die [[Infektion]] mit Plerozerkoiden wird im [[klinisch]]en Sprachgebrauch als Sparganose bezeichnet und kommt gelegentlich auch bei Endwirten (Hund, Katze und andere [[Fleischfresser]]) vor.
Die Entwicklung läuft ähnlich wie bei Diphyllobothrium spp. mit [[Krebs|Kleinkrebsen]] (Copepoden) als 1. [[Zwischenwirt]] ([[Prozerkoid]]) sowie Amphibien, Reptilien, Vogel- und [[Säugetier]]arten als 2. Zwischenwirt ([[Plerozerkoid]]) ab. Nehmen nun ungeeignete [[Vertebrata|Vertebraten]] (z.B. [[Nagetier]], [[Schwein]], [[Affe]]n, Mensch) als Endwirte  plerozerkoidhaltige 2. Zwischenwirte auf, durchwandern diese Plerozerkoide (dann auch [[Spargana]] genannt) die [[Darmwand]]. Anschließend siedeln sie sich in [[serös]]en Höhlen, in inneren [[Organ]]en, im intermuskulären [[Bindegewebe]] oder in der [[Subkutis]] an. Die [[Infektion]] mit Plerozerkoiden wird im [[klinisch]]en Sprachgebrauch als Sparganose bezeichnet und kommt gelegentlich auch bei Endwirten (Hund, Katze und andere [[Fleischfresser]]) vor.


Endwirte infizieren sich in der Regel durch den Verzehr plerozerkoidhaltiger Zwischenwirte oder [[Paratenischer Wirt|paratenischer Wirte]]. Die [[Präpatenz]] liegt zwischen 2 und 3 Wochen.
[[Endwirt]]e infizieren sich in der Regel durch den Verzehr plerozerkoidhaltiger Zwischenwirte oder [[Paratenischer Wirt|paratenischer Wirte]]. Die [[Präpatenz]] liegt zwischen 2 und 3 Wochen.


==Pathogenese==
==Pathogenese==
Infektionen treten durch die [[peroral]]e Aufnahme von Wasser auf, das mit Prozerkoiden infizierte Kleinkrebse enthält. Alternativ können die Parasiten auch durch den Verzehr Spargana-haltiger [[Gewebe]]n aus Zwischen- oder Transportwirten in den [[Organismus]] gelangen.
Infektionen treten durch die [[peroral]]e Aufnahme von Wasser auf, das mit Prozerkoiden infizierte Kleinkrebse enthält. Alternativ können die Parasiten auch durch den Verzehr von Spargana-haltiger [[Gewebe]] aus Zwischen- oder Transportwirten in den [[Organismus]] gelangen.


==Klinik==
==Klinik==
Aufgrund der geringen [[Pathogenität]] verursachen Infektionen nur selten Störungen des [[Gastrointestinaltrakt]]s mit [[Durchfall]]. Die Sparganose verläuft bei Wirbeltieren ebenso oft [[inapparent]]. Je nach Ansiedlungsorgt der Spargana kann es jedoch auch zu [[Haut (Veterinärmedizin)|Hautveränderungen]] oder [[Peritonitis]] kommen (v.a. beim Hund). Bei Wildschweinen hingegen siedeln sich die Parasiten bevorzugt im Bindegewebe der Abdominal-, Schenkel- und Schultermuskulatur sowie im subperitonealen Raum an und führen zu gelblichen Herden von 1 bis 3 cm Durchmesser.
Aufgrund der geringen [[Pathogenität]] verursachen Infektionen nur selten Störungen des [[Gastrointestinaltrakt]]s mit [[Durchfall]]. Die Sparganose verläuft bei Wirbeltieren ebenso oft [[inapparent]]. Je nach Ansiedlungsort der Spargana kann es jedoch auch zu [[Haut (Veterinärmedizin)|Hautveränderungen]] oder [[Peritonitis]] kommen (v.a. beim Hund). Bei Wildschweinen hingegen siedeln sich die Parasiten bevorzugt im Bindegewebe der [[Bauchmuskulatur|Abdominal]]-, [[Oberschenkelmuskulatur|Schenkel]]- und [[Schultermuskulatur]] sowie im [[subperitoneal|subperitonealen]] Raum an und führen zu gelblichen Herden von 1 bis 3 cm Durchmesser.


==Humanpathologie==
==Humanpathologie==
Spargana siedeln sich im Menschen in verschiedenen Organen an, u.a. in der Subkutis, [[Lunge]], Peritonealhöhle, [[Genitalorgan]]e, [[Gehirn]] und [[Auge]]. Sie können zu erheblichen, z.T. auch schmerzhaften [[Entzündung|entzündlichen]] Veränderungen in den betroffenen Organen führen. Infektionen werden gehäuft in Ost- und Südostasien und nur selten in Europa beobachtet und finden v.a. durch den Verzehr von plerozerkoidhaltigen Zwischenwirten oder naturheilkundliche Praktiken der traditionellen asiatischen Medizin statt.
Spargana siedeln sich im Menschen in verschiedenen Organen an, u.a. in der Subkutis, in der [[Lunge]], in der Peritonealhöhle, in [[Genitalorgan]]en, im [[Gehirn]] und im [[Auge]]. Sie können zu erheblichen und z.T. auch schmerzhaften [[Entzündung|entzündlichen]] Veränderungen in den betroffenen Organen führen.
 
Infektionen werden gehäuft in Ost- und Südostasien und nur selten in Europa beobachtet und finden v.a. durch den Verzehr von plerozerkoidhaltigen Zwischenwirten oder durch [[Naturheilkunde|naturheilkundliche]] Praktiken der [[tradiotionelle asiatische Medizin|traditionellen asiatischen Medizin]] statt.


==Literatur==
==Literatur==

Aktuelle Version vom 26. Juli 2021, 18:15 Uhr

von lateinisch: spira - Windung; von griechisch: μέτρα ("metra") - Gebärmutter

Definition

Als Spirometra bezeichnet man eine Gattung von Parasiten, die zur Klasse der Cestoda (Bandwürmer) gehört und Erreger der Spirometrose bei Hund und Katze sowie der Sparganose beim Menschen sind.

Taxonomie

Epidemiologie

Spirometra-Arten kommen weltweit in unterschiedlicher Häufigkeit vor. Da der Entwicklungszyklus an Wasser gebunden ist, kommt es vorrangig zu Infektionen von Fröschen, Reptilien (Schlangen, Schildkröten), Nagetieren und anderen in Feuchtgebieten lebenden Tierarten.

Morphologie

Da Spirometra- und Diphyllobothrium-Arten nahe miteinander verwandt sind, weisen sie morphologisch große Ähnlichkeiten auf. Eine klare Abgrenzung der beiden Gattungen ist aufgrund von genetischen und biologischen Unterschieden möglich.

Spirometra spp. werden zwischen 10 und 100 cm lang. Ihr Scolex ist mit 2 Sauggruben ausgestattet. Die in Reihen angeordneten Proglottiden enthalten einen in 2 bis 7 Windungen spiralig aufgewundenen Uterus. Die Eier sind zwischen ca. 35 x 60 µm groß, oval, goldgelb gefärbt und gedeckelt.

Vertreter

Wichtige Vertreter von Spirometra spp. sind:

Entwicklung

Adulte Spirometra spp. führen zu einem intestinalen Befall ihrer Wirte.

Die Entwicklung läuft ähnlich wie bei Diphyllobothrium spp. mit Kleinkrebsen (Copepoden) als 1. Zwischenwirt (Prozerkoid) sowie Amphibien, Reptilien, Vogel- und Säugetierarten als 2. Zwischenwirt (Plerozerkoid) ab. Nehmen nun ungeeignete Vertebraten (z.B. Nagetier, Schwein, Affen, Mensch) als Endwirte plerozerkoidhaltige 2. Zwischenwirte auf, durchwandern diese Plerozerkoide (dann auch Spargana genannt) die Darmwand. Anschließend siedeln sie sich in serösen Höhlen, in inneren Organen, im intermuskulären Bindegewebe oder in der Subkutis an. Die Infektion mit Plerozerkoiden wird im klinischen Sprachgebrauch als Sparganose bezeichnet und kommt gelegentlich auch bei Endwirten (Hund, Katze und andere Fleischfresser) vor.

Endwirte infizieren sich in der Regel durch den Verzehr plerozerkoidhaltiger Zwischenwirte oder paratenischer Wirte. Die Präpatenz liegt zwischen 2 und 3 Wochen.

Pathogenese

Infektionen treten durch die perorale Aufnahme von Wasser auf, das mit Prozerkoiden infizierte Kleinkrebse enthält. Alternativ können die Parasiten auch durch den Verzehr von Spargana-haltiger Gewebe aus Zwischen- oder Transportwirten in den Organismus gelangen.

Klinik

Aufgrund der geringen Pathogenität verursachen Infektionen nur selten Störungen des Gastrointestinaltrakts mit Durchfall. Die Sparganose verläuft bei Wirbeltieren ebenso oft inapparent. Je nach Ansiedlungsort der Spargana kann es jedoch auch zu Hautveränderungen oder Peritonitis kommen (v.a. beim Hund). Bei Wildschweinen hingegen siedeln sich die Parasiten bevorzugt im Bindegewebe der Abdominal-, Schenkel- und Schultermuskulatur sowie im subperitonealen Raum an und führen zu gelblichen Herden von 1 bis 3 cm Durchmesser.

Humanpathologie

Spargana siedeln sich im Menschen in verschiedenen Organen an, u.a. in der Subkutis, in der Lunge, in der Peritonealhöhle, in Genitalorganen, im Gehirn und im Auge. Sie können zu erheblichen und z.T. auch schmerzhaften entzündlichen Veränderungen in den betroffenen Organen führen.

Infektionen werden gehäuft in Ost- und Südostasien und nur selten in Europa beobachtet und finden v.a. durch den Verzehr von plerozerkoidhaltigen Zwischenwirten oder durch naturheilkundliche Praktiken der traditionellen asiatischen Medizin statt.

Literatur

  • Eckert J, Friedhoff KT, Zahner H, Deplazes P. 2008. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1072-0