Trikuspidalklappen-Clipping
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LoslegenSynonyme: Trikuspidal-TEER, T-TEER
Englisch: tricuspid transcatheter edge-to-edge repair, T-TEER
Definition
Als Trikuspidalklappen-Clipping bezeichnet man ein minimalinvasives Verfahren zur Behandlung einer Trikuspidalinsuffizienz. Dabei werden benachbarte Segel der Trikuspidalklappe mithilfe eines oder mehrerer Clips aneinandergefügt, um ihre Koaptation zu verbessern und die Regurgitation zu verringern.
Hintergrund
Das Trikuspidalklappen-Clipping zählt zu den Transkatheter-Edge-to-Edge-Repair-Verfahren (TEER) und wurde aus dem Mitralklappen-Clipping weiterentwickelt. Die Trikuspidalklappe stellt dabei besondere Anforderungen: Sie besitzt meist drei, teils auch mehr Segel, einen großen und nicht planen Anulus sowie zarte Segel. Zudem ist sie in der Echokardiographie oft schlechter darstellbar als die Mitralklappe.
In Europa stehen der TriClip® (Abbott) und das PASCAL-System (Edwards Lifesciences) zur Verfügung. In den USA sind der TriClip seit 2024 und das PASCAL-System seit Oktober 2026 für diese Indikation zugelassen.[1][2]
Indikation
Das Verfahren kommt für Patienten mit symptomatischer hochgradiger Trikuspidalinsuffizienz infrage, die trotz optimierter medikamentöser Therapie beschwerdebehaftet sind und ein erhöhtes Operationsrisiko aufweisen. Nach der europäischen Leitlinie 2025 wird eine kathetergestützte Trikuspidalklappenintervention in dieser Situation zur Verbesserung der Lebensqualität und des rechtsventrikulären Remodelings erwogen. Voraussetzung ist, dass keine schwere rechtsventrikuläre Dysfunktion und keine präkapilläre pulmonale Hypertonie vorliegen.[3]
Die Indikation stellt ein Herzteam. Dabei werden folgende Faktoren berücksichtigt:
- Schweregrad der Trikuspidalinsuffizienz
- klinische Symptomatik und funktioneller Status
- rechtsventrikuläre Funktion und Ausmaß der rechtsventrikulären Dilatation
- pulmonaler Druck
- anatomische Eignung der Trikuspidalklappe
- allgemeiner Gesundheitszustand und individuelles Operationsrisiko
Ungünstig für ein Clipping sind unter anderem:
- sehr große Koaptationsdefekte
- Verkalkungen oder Defekte im Greifbereich der Segel
- eine vorbestehende Trikuspidalklappenstenose
- transvalvuläre Schrittmachersonden, die die Clipplatzierung behindern
- unzureichende echokardiographische Darstellbarkeit der Klappe
In solchen Fällen kommen alternativ ein kathetergestützter Trikuspidalklappenersatz oder eine Operation infrage.[4]
Durchführung
Der Eingriff erfolgt in der Regel in Allgemeinanästhesie unter Steuerung durch die transösophageale Echokardiographie und die Röntgendurchleuchtung. Ein steuerbarer Führungskatheter wird über die Vena femoralis und die untere Hohlvene in den rechten Vorhof vorgeschoben. Anders als beim Mitralklappen-Clipping ist keine transseptale Punktion erforderlich.
Der Clip wird oberhalb der Klappe ausgerichtet, in den Ventrikel vorgeführt, erfasst zwei benachbarte Segel und wird nach Kontrolle des Ergebnisses verriegelt und abgesetzt. Dadurch wird die Öffnungsfläche der Klappe in mehrere kleinere Öffnungen unterteilt und die Koaptationsfläche vergrößert. Am häufigsten wird das anteriore mit dem septalen Segel verbunden. Meist sind zwei oder drei Clips erforderlich.[4]
Komplikationen
Schwere periprozedurale Komplikationen sind selten. Zu den prozedurbezogenen Risiken zählen Blutungen und Gefäßkomplikationen am Zugang, darunter Hämatome, Pseudoaneurysmen, arteriovenöse Fisteln, venöse Thrombosen und Lungenembolien. Weitere mögliche Komplikationen sind Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall oder transitorische ischämische Attacke, Perikarderguss, Herztamponade, Nierenfunktionsstörungen und Verletzungen durch die transösophageale Echokardiographie.
Klappenbezogene Komplikationen sind:
- Ablösung eines Clips von einem Segel
- Dislokation oder Embolisation des Implantats
- Verletzung oder Ruptur von Chordae tendineae
- iatrogene Trikuspidalstenose
- persistierende oder zunehmende Trikuspidalinsuffizienz
Bereits implantierte Clips können eine spätere Operation oder einen kathetergestützten Klappenersatz erschweren.[4]
Evidenz
In der randomisierten TRILUMINATE-Pivotal-Studie mit dem TriClip verbesserte das Clipping gegenüber alleiniger medikamentöser Therapie die Lebensqualität und reduzierte die Trikuspidalinsuffizienz deutlich. Nach zwei Jahren traten weniger Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz auf.
Eine Metaanalyse randomisierter und vergleichender Beobachtungsstudien bestätigt die Verbesserungen von Regurgitationsgrad, funktionellem Status und Lebensqualität sowie eine Verringerung von Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen. Ein gesicherter Effekt auf die Mortalität ließ sich darin nicht zeigen.[5] Die 2026 publizierte randomisierte TRIC-I-HF-Studie zeigte bei Patienten mit erhöhtem Risiko für Herzinsuffizienz-Ereignisse erstmals eine Reduktion des kombinierten Endpunkts aus Tod und Herzinsuffizienz-Hospitalisierung. Über 98 % der Interventionspatienten wurden mittels TEER behandelt.[6]
Quellen
- ↑ Abbott. Abbott's TriClip Becomes First Device of its Kind to Receive CE Mark for Minimally Invasive Tricuspid Valve Repair. Pressemitteilung, 09.04.2020.
- ↑ TCTMD. FDA Green-lights Pascal System for Tricuspid Valve Repair. 21.10.2026.
- ↑ Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. ESC Pocket Guidelines – Herzklappenerkrankungen, Version 2025. Veröffentlicht 2026. Abgerufen am 05.11.2026.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 U.S. Food and Drug Administration. Summary of Safety and Effectiveness Data (SSED): TriClip G4 System, PMA P230007. 2024. Abgerufen am 05.11.2026.
- ↑ Stabile F, Jaramillo S, Hakkeem B et al. Tricuspid transcatheter edge-to-edge repair for severe symptomatic tricuspid regurgitation: a systematic review and meta-analysis. J Cardiovasc Med (Hagerstown). 2025;26(9):519-526.
- ↑ Hausleiter J, Stocker TJ, Geisler T et al. Tricuspid-Valve Intervention in Heart Failure. N Engl J Med. 2026;395:1056-1065.