Salmonella Strathcona
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenSynonyme: S. Strathcona, Salmonella enterica subsp. enterica Serovar Strathcona
Englisch: Salmonella Strathcona, Salmonella enterica serovar Strathcona
Definition
Salmonella Strathcona ist ein Serovar von Salmonella enterica subsp. enterica. Es gehört zu den Enteritis-Salmonellen und verursacht eine Salmonellose. Das früher sehr seltene Serovar ist seit 2011 Auslöser wiederkehrender, saisonaler und länderübergreifender lebensmittelbedingter Ausbrüche in Europa.[1] Als Infektionsvehikel gelten kleine Tomaten aus Sizilien.[2]
Taxonomie
- Domäne: Bacteria
Nach dem Kauffmann-White-Schema lautet die Antigenformel 6,7:l,z13,z28:1,7. Salmonella Strathcona gehört damit zur Serogruppe O:7 (C1). Das Serovar wurde 1988 erstmals bei einem Patienten in Kanada isoliert und nach dem dortigen Herkunftsort benannt.[3]
Der in Europa zirkulierende Ausbruchsstamm gehört zum Sequenztyp ST2559.[4]
Morphologie
Salmonella Strathcona weist die typischen Merkmale der Gattung Salmonella auf:
- gramnegative Stäbchenbakterien
- peritriche Begeißelung und damit aktive Beweglichkeit
- fakultativ anaerober Stoffwechsel
- Oxidase-negativ und Katalase-positiv
Vorkommen
Bis 2011 wurde Salmonella Strathcona in Europa nur sehr selten nachgewiesen. Seitdem treten europaweit wiederholt Ausbrüche auf, deren Umfang über die Jahre zugenommen hat.[1] Zwischen 2011 und 2024 wurden in 17 europäischen Ländern 662 Infektionen identifiziert. Davon wurden 469 Fälle als bestätigte Ausbruchsfälle eingestuft. Fast die Hälfte aller Fälle (47,5 %) wurde in den Jahren 2023 und 2024 gemeldet.[2] Die Erkrankungen treten saisonal gehäuft auf. Die meisten Fälle beginnen zwischen Spätsommer und Spätherbst, mit einem Schwerpunkt von August bis Dezember.[1]
Der Ausbruch der Saison 2025/2026 umfasste in Deutschland 116 Fälle in 13 Bundesländern, mit Erkrankungsbeginn zwischen Juni 2025 und März 2026 und einem Höhepunkt Ende Oktober 2025. Bei den im Ausland exponierten Fällen war in 84 % Italien das Expositionsland, und seit Juni 2026 wurden bereits erneut 39 dem Ausbruchscluster zugeordnete Fälle erfasst (Stand Oktober 2026).[1]
Nachweis
Der Erregernachweis erfolgt in der Regel aus einer Stuhlprobe mittels kultureller Anzucht. Danach folgt die biochemische Identifizierung und die Serotypisierung nach dem Kauffmann-White-Schema. Bei invasiven Verläufen kann der Erreger auch aus Blutkulturen isoliert werden.
Die Zuordnung zum Ausbruchsgeschehen gelingt nur über eine Ganzgenomsequenzierung. Dabei wird die Feintypisierung mittels Core Genome Multilocus Sequence Typing (cgMLST) durchgeführt.
In Deutschland werden Salmonellen-Isolate im Rahmen der Integrierten Genomischen Surveillance (IGS) am Nationalen Referenzzentrum für Salmonellen am Robert Koch-Institut sequenziert. So lassen sich Erkrankungsfälle auch über große räumliche und zeitliche Distanzen einem gemeinsamen Ausbruch zuordnen.[1]
Der Nachweis von Salmonellen ist in Deutschland nach § 7 IfSG meldepflichtig.
Anzucht
Die Anzucht erfolgt nach den Standardverfahren für Enteritis-Salmonellen. Dazu gehören eine Voranreicherung und eine selektive Anreicherung, etwa in Rappaport-Vassiliadis-Bouillon. Anschließend wird der Erreger auf Selektiv- und Differenzialnährböden wie XLD-Agar ausgestrichen. Wegen der Laktosefermentation des Ausbruchsstamms sollten verdächtige Kolonien auch bei atypischer Morphologie weiter abgeklärt werden.
Übertragung
Die Übertragung erfolgt fäkal-oral über kontaminierte Lebensmittel. Als Infektionsvehikel wurden wiederholt kleine Tomaten aus Sizilien identifiziert, insbesondere Datterino- und Cherrytomaten. Grundlage dafür waren epidemiologische Studien, mikrobiologische Untersuchungen und Rückverfolgungen der Lieferketten. Dieser Zusammenhang wurde für die Ausbrüche in Dänemark 2011, Österreich 2023 und 2025 sowie Italien 2024 bestätigt.[5]
Die enge genetische Verwandtschaft der Isolate über mehr als ein Jahrzehnt und mehrere Länder hinweg spricht für eine persistierende Kontaminationsquelle in der Primärproduktion. Diskutiert wird vor allem das Bewässerungswasser.[1][5]
Pathogenitätsfaktoren
Spezifische Untersuchungen zu Virulenzfaktoren von Salmonella Strathcona liegen bislang (2026) kaum vor. Wie bei anderen Enteritis-Salmonellen spielen voraussichtlich folgende Faktoren eine Rolle:
- Typ-III-Sekretionssysteme, die auf den Salmonella-Pathogenitätsinseln SPI-1 und SPI-2 kodiert sind. Sie vermitteln die Invasion in Enterozyten und das intrazelluläre Überleben in Makrophagen.
- Fimbrien und weitere Adhäsine für die Anheftung an das Darmepithel
- Lipopolysaccharid (LPS) als Endotoxin
- Flagellen für die Beweglichkeit und die Aktivierung der angeborenen Immunantwort
Die Fähigkeit von Salmonellen, Pflanzengewebe zu besiedeln und darin zu überdauern, ist für die Übertragung über pflanzliche Lebensmittel bedeutsam.
Klinik
Eine Infektion mit Salmonella Strathcona verläuft klinisch wie eine typische Salmonellen-Gastroenteritis. Typische Symptome sind:
Daneben sind schwere invasive Verläufe möglich.[1] Die Therapie ist in erster Linie symptomatisch und besteht aus Flüssigkeits- und Elektrolytersatz. Eine antibiotische Therapie ist bei unkomplizierter Enteritis in der Regel nicht indiziert. Sie wird bei schweren Verläufen, Zeichen einer systemischen Infektion oder bei Risikogruppen erwogen, etwa bei älteren oder immunsupprimierten Patienten.[6]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Buck H, Meinen A, Pietsch M, Simon S, Spieker C, Wilking H, Flieger A. Jährlich wiederkehrende Ausbrüche durch Salmonella Strathcona in Deutschland – hohe Fallzahlen in der Saison 2025/2026. Epid Bull. 2026;39:17–23.
- ↑ 2,0 2,1 Brait V, Böff L, Zmarlak-Feher NM et al. Insights into recurring multi-country outbreaks of Salmonella Strathcona associated with tomatoes, Europe, 2011 to 2024. Euro Surveill. 2025;30(41):2500224.
- ↑ Müller L, Kjelsø C, Frank C et al. Outbreak of Salmonella Strathcona caused by datterino tomatoes, Denmark, 2011. Epidemiol Infect. 2016;144(13):2802–11.
- ↑ European Centre for Disease Prevention and Control, European Food Safety Authority. Prolonged multi-country outbreak of Salmonella Strathcona ST2559 possibly linked to consumption of tomatoes. Joint rapid outbreak assessment. 12. November 2024.
- ↑ 5,0 5,1 European Centre for Disease Prevention and Control, European Food Safety Authority. Prolonged multi-country outbreak of Salmonella Strathcona ST2559 linked to consumption of tomatoes in the European Union/European Economic Area – first update. 2025.
- ↑ AWMF. S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen. AWMF-Registernummer 021-024. 2023.