Renoparenchymatöse Hypertonie
Definition
Die renoparenchymatöse Hypertonie ist eine sekundäre Form der arteriellen Hypertonie, die durch strukturelle oder funktionelle Erkrankungen des Nierenparenchyms verursacht wird. Sie stellt die häufigste Form der renalen Hypertonie dar und ist für ca. fünf Prozent aller Hypertoniefälle verantwortlich.
- ICD-10: I15.1 (Hypertension secondary to other renal disorders)
Ursachen
Die Ursachen der renoparenchymatösen Hypertonie umfassen eine Vielzahl chronischer Nierenerkrankungen, darunter:
- Chronische Glomerulonephritis
- Interstitielle Nephritiden
- Diabetische Nephropathie
- Chronische Pyelonephritis
- Polyzystische Nierenerkrankung
- Medikamenteninduzierte Nephropathien
- Obstruktive Uropathien
- Autoimmunerkrankungen (z. B. Lupusnephritis)
Pathogenese
Der erhöhte Blutdruck resultiert primär aus einer verminderten Natrium- und Wasserausscheidung, die zu einer Volumenexpansion führt. Zusätzlich werden RAAS und das sympathische Nervensystem aktiviert. Es kommt zur Überproduktion vasokonstriktiver Substanzen wie Endothelin und einer Reduktion vasodilatatorischer Mediatoren wie NO. Diese Prozesse begünstigen Arteriolosklerose und Nephrosklerose und etablieren einen Circulus vitiosus aus Hypertonie und weiterer Nierenschädigung.
Klinik
Die renoparenchymatöse Hypertonie ist häufig therapieresistent und zeigt sich im Rahmen einer chronischen Niereninsuffizienz. Typische klinische Zeichen sind:
- Persistierend erhöhter Blutdruck
- Proteinurie
- Ödeme
- Müdigkeit, Leistungsminderung
- Zeichen der Grunderkrankung
Diagnostik
Die Diagnostik umfasst:
- Anamnese und klinische Untersuchung
- Urinstatus (Proteinurie, Mikrohämaturie)
- Serumkreatinin, GFR-Bestimmung
- Elektrolyte, insb. Kalium
- Bildgebung: Sonographie, ggf. Doppler
- Ausschluss anderer sekundärer Hypertonieursachen
Differenzialdiagnose
- Renovaskuläre Hypertonie
- Endokrine Hypertonieformen (z. B. Hyperaldosteronismus)
- Medikamenteninduzierte Hypertonie
Therapie
Die Therapie zielt auf eine optimale Blutdruckkontrolle und Verlangsamung der Progression der Nierenerkrankung:
- ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Rezeptorblocker (unter Monitoring von Serumkalium und Nierenfunktion)
- Diuretika bei Volumenüberladung
- Kalziumantagonisten bei Bedarf
- Salzrestriktion, ggf. Proteinrestriktion
- Behandlung der Grunderkrankung
Literatur
- Taler, Initial Treatment of Hypertension, The New England journal of medicine, 2018
- Mancia et al., 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension The Task Force for the management of arterial hypertension of the European Society of Hypertension: Endorsed by the International Society of Hypertension (ISH) and the European Renal Association (ERA)., Journal of hypertension, 2023
- Springer Medizin, Renoparenchymatöse Hypertonie, abgerufen am 15.12.2025
- gesund.bund.de, abgerufen am 15.12.2025