Pseudophakes zystoides Makulaödem
nach dem US-amerikanischen Ophthalmologen S. Rodman Irvine (1906–1999) und dem kanadisch-US-amerikanischen Ophthalmologen J. Donald M. Gass (1928–2005)
Synonyme: Irvine-Gass-Syndrom, IGS
Englisch: pseudophakic cystoid macular edema (PCME)
Definition
Das pseudophake zystoide Makulaödem, kurz PZMÖ ist ein zystoides Makulaödem, das häufig als Folge von intraokularen Operationen, insbesondere durch Kataraktchirurgie auftritt. Es zählt zu den Hauptursachen einer schmerzlosen postoperativen Visusminderung und tritt typischerweise innerhalb von vier bis sechs Wochen nach dem Eingriff auf.
Epidemiologie
Je nach Definition und Diagnostik tritt das PZMÖ bei etwa 0,1 bis 2,35 % der unkomplizierten Kataraktoperationen auf. OCT- oder Fluoreszenzangiografie-basierte Studien weisen höhere Raten auf. Durch moderne Phakoemulsifikation zeigt sich eine sinkende Inzidenz.
Pathophysiologie
Die Pathophysiologie ist multifaktoriell und umfasst insbesondere eine postoperative Entzündungsreaktion mit Freisetzung von Prostaglandinen, in Kombination mit einer Störung der Blut-Retina-Schranke und einer erhöhten Gefäßpermeabilität.
Risikofaktoren
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:
- intraoperative Komplikationen (Hinterkapselruptur, Glaskörperverlust, Iristrauma)
- hohe Phakoenergie oder verlängerte Operationsdauer
- Diabetes mellitus bzw. diabetische Retinopathie
- Uveitis, epiretinale Gliose, retinaler Venenverschluss
- epiretinale Membran
- hohes Alter, männliches Geschlecht
Klinik
Typischerweise tritt das PZMÖ einige Wochen nach der Kataraktoperation auf. Die Patienten berichten über eine schmerzlose Visusminderung, Metamorphopsien, ein vermindertes Kontrastsehen und gelegentlich über ein Zentralskotom.
Es wird zwischen akutem und chronischem PZMÖ unterschieden. Das akute tritt innerhalb von sechs Monate postoperativ auf, das chronische persistiert länger als sechs Monate. Hier besteht zudem das Risiko der Atrophie der retinalen Schichten und Müller-Zellen.
Diagnostik
Die Diagnose stützt sich auf Klinik und Bildgebung.
- Ophthalmoskopie: Mitunter zeigt sich eine foveale Verdickung, der Befund kann jedoch diskret sein.
- OCT: Die optische Kohärenztomographie zeigt zystische hyporeflektive Räume innerhalb der Makula sowie eine Zunahme der Makuladicke.
- Fluoreszenzangiographie: Typisch ist ein petaloides Leckagemuster in der Makula, häufig mit zusätzlicher Papillenleckage.
Differentialdiagnosen
Zu den Differentialdiagnosen des PZMÖ gehören folgende:
Therapie
Gemäß Stellungnahme der Deutschen Ophthalmoloischen Gesellschaft wird ein Stufenschema zur Therapie des PZMÖ empfohlen:
- Stufe: bei visusrelevantem PZMÖ werden topische NSAIDs ggf. kombiniert mit Steroiden gegeben
- Stufe: bei unzureichendem Ansprechen der 1. Stufe können ergänzend systemisches Acetazolamid oder parabulbäre/subtenoale Steroidinjektionen erfolgen
- Stufe: bei unzureichendem Ansprechen der 2. Stufe und bestehender Sehminderung kann eine intravitreale Steroidinjektion durchgeführt werden.
Die Wirkung von intravitrealen VEGF-Inhibitoren wurde in mehreren Fallserien als gering beschrieben und wird daher nicht empfohlen.
Prophylaxe
Neben der kritischen Abwägung der Indikation zur Katarakt-Operation und einem atraumatischen Operieren, sind prophylaktische lokale nichtsteroidale Antiphlogistika und ggf. Steroide empfohlen.
Prognose
In vielen Fällen kommt es zu einer Spontanremission innerhalb von 3–6 Monaten. Chronische Verläufe können jedoch zu einer dauerhaften Visusminderung führen.
Quellen
- Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, Stellungnahme: Pseudophakes zystoides Makulaödem, 2022
- Ophtha.ch, Irvine-Gass-Syndrom, 22.04.2026
- EyeWiki, Pseudophakic Cystoid Macular Edema (Irvine-Gass Syndrome)
- Orski et al., Current Management Options in Irvine–Gass Syndrome, 2021