Plozasiran
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Englisch: plozasiran
Definition
Plozasiran ist ein GalNAc-konjugierter, siRNA-basierter Arzneistoff, der die hepatische Bildung von Apolipoprotein C-III (ApoC-III) hemmt. Er wird als Ergänzung zu einer fettarmen Ernährung zur Senkung stark erhöhter Triglyceridspiegel bei erwachsenen Patienten mit familiärem Chylomikronämie-Syndrom (FCS) eingesetzt.
Wirkmechanismus
Plozasiran wirkt über den Mechanismus der RNA-Interferenz. Es besteht aus einer doppelsträngigen small interfering RNA (siRNA), die mit einem tri-antennären N-Acetylgalactosamin (GalNAc)-Liganden konjugiert ist. Über die Bindung an den Asialoglykoproteinrezeptor (ASGPR) wird der Wirkstoff selektiv in Hepatozyten aufgenommen. Im Zytoplasma wird die siRNA in den RNA-induzierten Silencing-Komplex (RISC) eingebaut und bindet dort spezifisch die mRNA des APOC3-Gens, die daraufhin abgebaut wird (Gen-Silencing).
Durch die reduzierte hepatische und serologische ApoC-III-Konzentration steigt die Aktivität der Lipoproteinlipase sowie die hepatozytäre Aufnahme triglyceridreicher Lipoproteinreste. In der Folge sinkt der Triglyceridspiegel im Serum, während HDL-Cholesterin und LDL-Cholesterin geringfügig ansteigen können.[1]
Pharmakokinetik
Nach einmaliger subkutaner Injektion wird die maximale Plasmakonzentration nach median 6 Stunden erreicht (Cmax ca. 68,5 ng/ml). Plozasiran verteilt sich überwiegend in die Leber und liegt im Plasma zu 22 % ungebunden vor. Die Metabolisierung erfolgt durch Nukleasen zu kürzeren, inaktiven Oligonukleotiden. Eine Beteiligung von Cytochrom-P450-Enzymen oder Transportproteinen besteht nicht. Die terminale Plasma-Halbwertszeit beträgt etwa 3 bis 4 Stunden, wobei die pharmakodynamische Wirkung aufgrund der intrahepatozytären Aktivität deutlich länger anhält als die Plasmaverweildauer. Etwa 16 bis 19 % der Dosis werden renal eliminiert. Bei leichter bis mittelschwerer Nierenfunktionsstörung sowie bei leichter Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung erforderlich. Für schwere Nieren- oder Leberfunktionsstörungen liegen keine Daten vor.[1]
Indikationen
Plozasiran ist als Ergänzung zur Diät zur Senkung des Triglyceridspiegels bei erwachsenen Patienten mit familiärem Chylomikronämie-Syndrom indiziert. Die Diagnose muss entweder genetisch gesichert oder anhand definierter klinischer Kriterien gestellt werden, z.B. Nüchtern-Triglyceridwerte ≥ 10 mmol/l trotz leitliniengerechter lipidsenkender Therapie sowie eine entsprechende Pankreatitis-Anamnese. Im Unterschied zu anderen APOC3-gerichteten Therapien erfordert Plozasiran keinen zwingenden genetischen Nachweis der Erkrankung, sodass auch klinisch diagnostizierte FCS-Patienten behandelt werden können.[1]
Darreichungsformen
Plozasiran wird als Injektionslösung in einer Fertigspritze (25 mg/0,5 ml) subkutan appliziert. Geeignete Injektionsstellen sind der Bauch, der Oberschenkel und – bei Verabreichung durch eine Pflegeperson – der Oberarm. Nach entsprechender Schulung können Patienten oder deren Betreuungspersonen die Injektion selbstständig durchführen.[1]
Dosierung
Die empfohlene Dosis beträgt 25 mg Plozasiran als einmalige Injektion alle 3 Monate.[1]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
- Hyperglykämie
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Reaktionen an der Injektionsstelle
- Erhöhung der Lebertransaminasen (meist asymptomatisch und vorübergehend)
Unter Plozasiran wurde zudem ein Anstieg des LDL-Cholesterins beobachtet, der sich im Studienverlauf im Allgemeinen stabilisierte.[1] Zur Anwendung in der Schwangerschaft liegen keine kontrollierten Daten am Menschen vor.[1]
Zulassung
In einer randomisierten placebokontrollierten Phase-III-Studie an 75 erwachsenen Patienten mit genetisch bestätigtem oder klinisch diagnostiziertem FCS senkte Plozasiran (25 mg alle 3 Monate) den medianen Nüchtern-Triglyceridspiegel nach 10 Monaten um 80 % gegenüber 17 % unter Placebo; der ApoC-III-Spiegel sank um 93 % gegenüber Baseline.[2] Die Inzidenz akuter Pankreatitis-Episoden war unter Plozasiran gegenüber Placebo signifikant reduziert (Odds Ratio 0,17).
Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA erteilte Plozasiran am 18. November 2025 die Zulassung zur Behandlung des familiären Chylomikronämie-Syndroms.[3] In der EU sprach der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) im April 2026 eine positive Zulassungsempfehlung aus; die Europäische Kommission erteilte die zentrale Zulassung am 19. Juni 2026.[4]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Fachinformation Redemplo 25 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze. Arrowhead Pharmaceuticals Ireland Limited. Stand Juni 2026. Fachinfo.de.
- ↑ Watts GF, Rosenson RS, Hegele RA, et al. Plozasiran for Managing Persistent Chylomicronemia and Pancreatitis Risk. N Engl J Med. 2024;392(2):127-137.
- ↑ Iapoce C. FDA Approves Plozasiran for Adults With Familial Chylomicronemia Syndrome. HCPLive. 18.11.2025.
- ↑ Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Redemplo, INN-Plozasiran – Übersicht über Redemplo. EMA/106201/2026. EPAR-Übersicht.