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Pyruvatdehydrogenase

(Weitergeleitet von PDH)

Synonyme: Pyruvat-Dehydrogenase, PDH, Pyruvatdehydrogenase-Komplex
Englisch: pyruvate dehydrogenase

1 Definition

Die Pyruvatdehydrogenase, kurz PDH, ist ein Enzym, das die Reaktion von Pyruvat zu Acetyl-CoA katalysiert, und damit die Glykolyse an den Citrat-Zyklus anschließt.

2 Grundlagen

Die Pyruvatdehydrogenase setzt Pyruvat unter der Freisetzung von CO2 zu Acetyl-CoA um. Während dessen wird ein NAD+ zu NADH reduziert.

Der Reaktionsverlauf der Pyruvatdehydrogenase ist irreversibel - das heißt, die Reaktion verläuft nur in eine Richtung. Somit kann Acetyl-CoA nicht in Pyruvat bzw. Glucose umgesetzt werden. Es können zwar Kohlenhydrate zu Acetyl-CoA abgebaut werden, so dass ausgehend von diesem Fettsäuren synthetisiert werden, jedoch ist es nicht möglich, aus Fettsäuren Kohlenhydrate zu bilden.

3 Aufbau

Die Pyruvatdehydrogenase ist ein sogenannter Multienzymkomplex, der aus drei unterschiedlichen Enzymen besteht und im Mitochondrium lokalisiert ist. Damit eine Katalyse ihrer Reaktionen vollständig durchgeführt werden kann, benötigt die PDH insgesamt fünf Coenzyme.

Enzymkomponente Coenzyme Beschaffenheit des Coenzyms
Pyruvat-Dehydrogenase (E1) Thiaminpyrophosphat (TPP) = aktiviertes Thiamin enzymgebunden (keine kovalente Bindung)
Dihydroliponamid-Acetyltransferase (E2) Liponsäure (Liponamid) enzymgebunden (kovalent: Amidbindung an einem Lysinrest von E2, deshalb "Liponamid"
Coenzym A löslich
Dihydroliponamid-Dehydrogenase (E3) FAD enzymgebunden (fest, aber nicht kovalent)
NAD+ löslich

Die oben aufgeführten drei Enzymkomponenten (E1, E2, E3) sind:

  • E1: Pyruvatdehydrogenase im engeren Sinne des Wortes: Dieses Enzym bindet das Pyruvat und katalysiert mit der Hilfe des Coenzyms Thiaminpyrophosphat (TPP) die Decarboxylierung von Pyruvat. Es entsteht dabei CO2.
  • E2: Dihydroliponamid-Acetyltransferase: E2 katalysiert vor allem den Transfer des Acetylrests, der vom Pyruvat übrig geblieben ist, auf das Coenzym A (CoA). Während diesem Vorgang werden zwei Schwefelatome ihres Coenzyms Liponsäure (Liponamid) zu SH-Gruppen reduziert.
  • E3: Dihydroliponamid-Dehydrogenase: Dieses Enzym nimmt mit Hilfe des Coenzyms (FAD) die Elektronen der beiden SH-Gruppen des Liponamids auf und überträgt sie anschließend auf NAD+. Dieser Vorgang ermöglicht, dass das Liponamid regeneriert.

Zusätzlich (neben diesen drei Enzym-Untereinheiten) enthält die PDH noch zwei regulatorische Untereinheiten - diese können die PDH je nach Bedarf an- bzw. abschalten.

4 Reaktionsschritte

4.1 Überblick

  • Pyruvat (Endprodukt der Glykolyse) wird unter einer Abspaltung von CO2 auf das Thiaminpyrophosphat (ist das Coenzym von E1) übertragen, wobei ein Hydroxyethylrest entsteht (= aktivierter Acetaldehyd).
  • Das entstandene Acetaldehyd wird von Thiaminpyrophosphat (E1) auf ein Liponamid (Coenzym von E2) übertragen und gleichzeitig zu einer Acetylgruppe oxidiert.
  • Das Liponamid überträgt anschließend die Acetylgruppe auf das Coenzym A, so dass Acetyl-CoA entsteht. Wichtig ist, dass dabei die Disulfidgruppe des Liponamids in zwei einzelne SH-Gruppen umgewandelt wird.
  • Da das Elektron jeder SH-Gruppe unter der Vermittlung von E3-gebundenem FAD an NAD+ abgegeben wird, regeneriert die Disulfidgruppe des Liponamids. Zuästzlich wird dabei NADH gebildet.

Pyruvatdehydrogenase ist sowohl für die Decarboxylierung des Pyruvats, als auch für die Oxidation des aktivierten Acetaldehyds als Katalysator zuständig. Deshalb wird die Gesamtreaktion als oxidative Decarboxylierung von Pyruvat bezeichnet.

4.2 Schritt 1

Das Thiaminpyrophosphat (TPP), welches als Coenzym für die Pyruvat-Dehydrogenase (E1) fungiert, weist chemisch gesehen zwei heterozyklische Ringe auf. Für die Coenzym-Funktion ist der Thiazolring entscheidend. Der Kohlenstoff, welcher im Thiazolring zwischen dem Stickstoff- und Schwefelatom liegt, tendiert dazu, leicht ein Proton abzugeben. Es entsteht somit ein negativ geladenes und sehr reaktives Carbanion. Dieses entstandene Carbanion ist dafür zuständig, die PDH-Reaktion einzuleiten, indem es sich an den Carbonylkohlenstoff von Pyruvat anlagert und folglich auf die Elektronen am Pyruvat einen kräftigen Elektronenzug ausübt. Das Resultat ist, dass sich die Carboxylgruppe in Form von CO2 ablöst. Zurück bleiben hier zwei Elektronen der Carboxylgruppe am TPP.

Parallel zu dieser Reaktion lagert sich ein Proton an den Sauerstoff der Carbonylgruppe (–C=O) an. Dadurch bildet sich eine Doppelbindung zu TPP aus und es entsteht Hydroxyethyl-TPP. Dieser Hydroxyethylrest wird traditionell auch als "aktivierter Acetaldehyd" bezeichnet, da die Oxidationsstufe des Carbonylkohlenstoffs in Hydroxyethyl-TPP der Oxidationsstufe des entsprechenden C-Atoms im Acetaldehyd entspricht.

4.3 Schritt 2

Das aktivierte Acetaldehyd wird im 2. Schritt von Thiaminpyrophosphat auf das Liponamid - eine fest gebundene prosthetische Gruppe der Dihydroliponamid-Acetyltransferase (E2) - übertragen:

  • Es öffnet sich die Disulfidgrupe des Liponamids, die auf Grund des Transfers im oxidierten Zustand vorliegt.
  • Da zwei Schwefelatome vorhanden sind, lagert sich der Acetaldehyd an eines der beiden. Das übriggebliebene Schwefelatom nimmt zusammen mit einem Proton die beiden überzähligen Elektronen auf, die während der Abspaltung (voriger Schritt) des CO2 am TPP zurück geblieben waren.

In diesem Moment wird der Acetaldehyd (C2H4O) zu einer Acetylgruppe (–C(O)CH3) oxidiert. Da in der Acetylgruppe die Oxidationsstufe des Carbonylkohlenstoffs der Oxidationsstufe des entsprechenden C-Atoms in Acetat entsprichht, kann man sagen, dass in diesem Reaktionsabschnitt ein Acetaldehyd zu Acetat oxidiert wird. Allerdings ist das Acetat nicht frei auffindbar, sondern liegt in Form eines Thioesters vor.

4.4 Schritt 3

Chemisch betrachtet ist das Liponamid ein lang gestrecktes Molekül - bildhaft als "langer Arm" vorstellbar. Dieser ausgesteckte, lange Arm hat die Funktion, die Acetylgruppe auf das Coenzym A (CoA) zu übertragen. Es entsteht also Acetyl-CoA (aktivierte Essigsäure) an der Dihydroliponamid-Acetyltransferase (E2). Anstelle der ursprünglichen Disulfidgruppe enthält das Liponamid jetzt zwei SH-Gruppen.

4.5 Schritt 4

Damit das Liponamid seine beiden SH-Gruppen oxidieren kann, um die Disulfidbindung zu regenerieren, schwenk es seinen "Arm" zur Dihydroliponamid-Dehydrogenase (E3). Durch dieses Vorgehen werden beide SH-Gruppen durch die Reaktion der prosthetischen Gruppe FAD oxidiert. Als Resultat erhält man FADH2 - dieses gibt beide übertragenen Elektronen an NAD+ weiter. Folglich enthält das Reaktionsprodukt (NADH) beide überzähligen Elektronen - beide waren ursprünglich bei der Abspaltung des CO2 am TPP zurückgeblieben. Das Liponamid steht somit einem neuen Reaktionszyklus zur Verfügung.

5 Bilanz

Während des ganzen Reaktionszyklus der Pyruvatdehydrogenase entsteht ein Molekül CO2, ein Acetyl-CoA und ein NADH.

6 Regulation

Die Pyruvatdehydrogenase befindet sich in der Matrix, d.h. im Innenraum der Mitochondrien. Dies ist auch der Grund, weshalb sie nicht in der gleichen Weise reguliert werden kann wie die Enzyme des Zytosols. Die mitochondriale Membranen ist nicht für cAMP permeabel sind - dieses reguliert nämlich viele Stoffwechselwege des Zytosols. Außerden sind Phosphorylierungen, die in den Mitochondrien ablaufen, im Vergleich zum Zytosol von geringer Bedeutung.

Die Aktivität der Pyruvatdehydrogenase wird durch eine reversible Phosphorylierung gesteuert: Sind hinreichende Mengen an Acetyl-CoA und NADH im Mitochondrium vorhanden, wir die Pyruvatdehydrogenase durch die Phosphorylierung einfach abgeschaltet. Dies geschieht, da hohe Pyruvatkonzentrationen die Phosphorylierung unterbinden - das PDH bleibt so im aktiven Zustand und das angesammelte Pyruvat kann verarbeitet werden.

Diese Hemmung kommt dadurch zustande, dass eine Kinase durch Acetyl-CoA und NADH stimuliert wird. Darauf folgt eine Phosphorylierung der E1-Untereinheit des Enzyms an einem bestimmten Serinrest. Folglich unterdrücken hohe Pyruvat-Konzentrationen die Aktivität der Kinase.

Soll das Enzym jedoch wieder aktiviert werden, wird - durch eine Phosphatase - die inaktivierende Phosphatgrumme am Serinrest der E1-Untereinheit abgespalten. Die Phosphatase ist ebenfalls ein Bestandteil des PDH-Multienzymkomplexes. Da die Phosphatase von Calcium-Ionen abhängig ist, vermutet man, dass die mitochondriale Calciumkonzentration einen Einfluss auf die Aktivität der PDH hat.

Acetyl-CoA und NADH vermitteln an der Pyruvatdehydrogenase eine klassische Produkthemmung. Sind sie in ausreichenden Mengen an den Mitochondrien akkumuliert, blockieren sie an den Untereinheiten der PDH die Bindestellen für Coenzym A und auch für NAD+.

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Fachgebiete: Biochemie

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