Mittelbauchschmerz
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LoslegenSynonym: periumbilikaler Schmerz
Englisch: mid-abdominal pain, periumbilical pain
Definition
Der Mittelbauchschmerz ist ein Schmerz im zentralen Bereich des Abdomens, insbesondere um den Nabel (periumbilikale Region). Die Beschwerden können akut oder chronisch auftreten.
siehe auch: Bauchschmerz und akutes Abdomen
Anatomie
Der Mittelbauch entspricht funktionell dem Versorgungsgebiet des embryonalen Mitteldarms, der von der Arteria mesenterica superior versorgt wird. Viszerale Schmerzafferenzen dieser Organe projizieren über die Head-Zonen in Höhe des Dermatoms Th10 in die Periumbilikalregion. Da viszerale Schmerzen schlecht lokalisierbar sind, werden sie zunächst diffus um den Nabel wahrgenommen. Greift eine Entzündung auf das Peritoneum über, entsteht ein somatischer, gut lokalisierbarer Schmerz mit umschriebener Druckempfindlichkeit und Abwehrspannung.
Zum Mitteldarm und damit zur Mittelbauchregion gehören:
- Dünndarm (ab der distalen Pars descendens des Duodenums)
- Appendix vermiformis und Caecum
- Colon ascendens sowie die proximalen zwei Drittel des Colon transversum (bis zum Cannon-Böhm-Punkt)
- mesenteriale Gefäße und Mesenteriallymphknoten
Ursachen
Mittelbauchschmerzen können zahlreiche Ursachen haben, die sich nach betroffenem Organsystem einteilen lassen:
- Gastrointestinaltrakt: Gastroenteritis, Appendizitis (periumbilikaler Frühschmerz), Ileus, Lymphadenitis mesenterialis, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, inkarzerierte Nabelhernie
- Gefäßerkrankungen: Mesenterialischämie, rupturiertes oder symptomatisches Bauchaortenaneurysma
- Harnwege: Harnwegsinfekt, Harnsteine
- Funktionell: Reizdarmsyndrom
Diagnostik
Die Diagnostik richtet sich nach Schweregrad, Verlauf und klinischem Bild. Anamnestisch werden Beginn, Dauer und Charakter des Schmerzes – viszeral-diffus oder somatisch-lokalisiert, kolikartig oder als Dauerschmerz – sowie Begleitsymptome, Stuhl- und Windverhalt und Voroperationen erfasst.
Die körperliche Untersuchung umfasst Inspektion, Auskultation der Darmgeräusche (klingend-hochgestellt beim mechanischen Ileus, fehlend bei Paralyse) und Palpation mit Prüfung auf Abwehrspannung, Loslassschmerz und pulsierende Resistenzen.
Laborchemisch sind Blutbild, CRP und Laktat (Hinweis auf Ischämie) sowie eine Urinuntersuchung zielführend.
In der Bildgebung steht die Sonographie des Abdomens an erster Stelle; bei unklarem Befund oder Verdacht auf ein akutes Abdomen schließt sich die Computertomographie – gegebenenfalls als CT-Angiographie – an. Endoskopische Verfahren bleiben meist der elektiven Abklärung chronischer Beschwerden vorbehalten.
Warnzeichen
Einige Konstellationen weisen auf eine potenziell lebensbedrohliche Ursache hin und erfordern eine sofortige Abklärung, z.B.:
- Zeichen des akuten Abdomens (z.B. bretthart gespannte Bauchdecke, Abwehrspannung, Loslassschmerz) sprechen für eine Peritonitis
- pulsierende abdominelle Resistenz mit Schmerzausstrahlung in Rücken und Flanke ist verdächtig auf ein (rupturiertes) Bauchaortenaneurysma
- Missverhältnis zwischen starker Schmerzangabe und blandem Palpationsbefund ist typisch für eine mesenteriale Ischämie
- Stuhl- und Windverhalt mit Meteorismus und Erbrechen deuten auf einen Ileus hin
Weitere Alarmzeichen sind Hämatochezie, Fieber mit reduziertem Allgemeinzustand sowie eine Kreislaufinstabilität bis zum Schock.
Therapie
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Mögliche Maßnahmen sind:
- Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich
- Analgesie
- antiinfektive Behandlung bei Infektionen
- Ernährungstherapie
- antiphlogistische oder spasmolytische Therapie
- operative Intervention, z.B. bei Ileus oder Appendizitis
Literatur
- Herold G et al. Innere Medizin. Eigenverlag; 2023.
- Henne-Bruns D, Dürig M, Kremer B. Duale Reihe Chirurgie. 5. Aufl. Thieme; 2020.