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Head-Zone

nach dem Erstbeschreiber Sir Henry Head (englischer Neurologe, 1861-1940)
Synonym: Head´sche Zone

1 Definition

Als Head-Zonen werden die nach Henry Head bezeichneten Areale kutaner Hyperalgesie bezeichnet, die bei Erkrankungen der inneren Organe im Rahmen der Schmerzübertragung durch Anamnese und klinische Untersuchung identifiziert werden können.

Die in den Lehrbüchern als Darstellungen der Head-Zonen bezeichneten Abbildungen haben nichts mit den Head-Zonen oder der Arbeit Henry Heads zu tun (siehe unten).

Bei Head-Zonen handelt es sich auch nicht um Dermatome.

2 Verhältnis der Dermatome zu den Head-Zonen

Head-Zonen sind nicht mit Dermatomen zu verwechseln. Erstere stellen Hautareale dar, die hyperalgetisch sind, was zur Pathophysiologie der Schmerzübertragung gehört, während Dermatome die zu einem Spinalnervensegment gehörigen Hautabschnitte darstellen.

Das Verteilungsmuster von Head-Zonen richtet sich nicht nach Dermatomgrenzen. Hyperalgetische Hautareale füllen praktisch nie ein Dermatom oder mehrere Dermatome vollständig aus. Vielmehr finden sich bei Erkrankungen der inneren Organe bevorzugte Manifestationsorte, die nahezu immer eher rundlich oder oval sind.
Die fälschliche Darstellung der Head-Zonen (siehe unten) verwechselt und vermengt die Begriffe Dermatom und Head-Zone.

3 Historischer Fehler

Etwa seit den 1980er Jahren findet sich eine fast identische Abbildung in allen Lehrbüchern, die angeblich die Head-Zonen zeigt. Die ist falsch.
Die heute in allen Lehrbüchern vorzufindende Darstellung geht gar nicht auf Henry Head zurück, sondern auf einen deutschen Chirurgieassistenten namens Otto Kleinschmidt. Dieser verwendete eine Zeichenvorlage, deren Inhalt James Mackenzie zugeschrieben wird. Allerdings ist diese Zuschreibung auch nicht korrekt, da aus Mackenzies Originalarbeit keine solche Abbildung erstellt werden kann.

Mackenzie wird häufig mit der Schmerzübertragung in die Muskulatur in Verbindung gebracht, woraus sich der Begriff der MacKenzie-Zonen formierte. Allerdings beschäftige sich Mackenzie ebenso mit Schmerzübertragungsphänomenen in die Haut. Der Begriff Mackenzie-Zone ist daher unscharf.

Zudem ist sie aus anatomischer und physiologischer Sicht (siehe unten) unschlüssig. Sie erweckt den Eindruck, der vom Patienten beschriebene Spontanschmerz bzw. der im Rahmen der Palpation gewonnene Schmerzbefund wäre eindeutig einem Organ zuzuordnen. Zwar gibt es klinische Häufigkeiten, sodass in einem großen Teil der Fälle die Zuordnung zutreffend ist. Jedoch ist die Grundlage dieser Häufigkeiten keine eindeutige oder gar eineindeutige Zuordnung auf Grund einer vermeintlichen 1 Segment-1 Organ-Zuordnung, sondern klinische Erfahrung.
Patienten, bei denen nicht der häufige Fall vorliegt, werden damit gegebenenfalls falsch diagnostiziert und womöglich falsch behandelt.

Schmerzzuordnung bei Erkrankungen der inneren Organe ist niemals eindeutig.
Die zu den Abbildungen häufig mitgelieferten Tabellen der Segmentzuordnung eines Organs zu einem Dermatom ist damit ebenso falsch.

Weder Head, noch Mackenzie, haben jemals eine 1 Segment-1 Organ-Zuordnung postuliert.

Die historische Richtigstellung wurde in einer Publikation beschrieben (hier klicken), diese Publikation fußte auf Erkenntnissen, die zuerst in Form eines Webprojektes veröffentlicht wurde (Doccheck berichtete).

Die Darstellung, welche die Head-Zonen zeigt, unterliegt nach wie vor dem Urheberrecht und ist nicht frei verfügbar. Sie ist unter anderem in der Publikation von Henke und Beissner zu finden, deren Volltext bei ResearchGate angefragt werden kann:
https://www.researchgate.net/publication/251082098_Illustrationen_zum_ubertragenen_Schmerz

4 Zuordnung der Organe zu den Spinalnervensegmenten

Wegen der starken Überlappungen von Spinalnervensegmenten und Organinnervation ist keine einfache Tabelle möglich, aus der eine direkte Zuordnung hervorgeht.
Eine Tabelle, welche Zuordnungen zeigt und die starke Streuung verdeutlicht, findet sich (inklusive Erläuterungen dazu) hier:
http://www.head-zonen.info/mat_map_table.shtml

5 Physiologie

Siehe Schmerzübertragung.

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