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Übertragener Schmerz

Englisch: referred pain, reflective pain

1 Definition

Schmerzübertragung ist das klinische Phänomen, dass Schmerzen eines Menschen an einem anderen Ort als dem ihrer Entstehung beschrieben werden.
Die häufigste Form ist Schmerzübertragung in die Haut bei Erkrankungen der inneren Organe, die maßgeblich von Henry Head (Head-Zone) beschrieben wurde.
Grundsätzlich können Schmerzen jedoch von allen Segmentqualitäten in alle anderen übertragen werden. Einzig eine Schmerzübertragung aus der Haut in die anderen Qualitäten ist nicht möglich.
Das Phänomen der Schmerzübertragung kommt durch einen Lokalisationsfehler des Gehirns zustande (s.u.).

Übertragener Schmerz hat nichts mit projiziertem Schmerz zu tun, dabei handelt es sich um zwei völlig verschiedene Mechanismen (s.u.).

2 Physiologie

Bei übertragenem Schmerz handelt es sich um einen Lokalisationsfehler des Gehirns: rund 85% aller Nozisensoren sind kutan gelegen. Wegen der hohen nozizeptiven Innervationsdichte überschreiten Schmerzsignale der Haut viel häufiger die zentrale Schmerzschwelle als Schmerzsignale der Eingeweide.
Des Weiteren konvergieren nozizeptive Afferenzen der Haut und der Eingeweide auf ein und demselben Hinterhornneuron. Überschreiten Schmerzsignale aus den Eingeweiden dann doch einmal die zentrale Schmerzschwelle, missdeutet das Gehirn den Schmerz als Hautschmerz in dem bzw. den zugehörigen Spinalnervensegmenten.
Schmerzübertragung der Eingeweide in die Haut ist daher häufig, allerdings kommt auch die Übertragung des Schmerzes in die Skelettmuskulatur MacKenzie-Zone und die tiefe Bedeckung vor, genauso wie – in seltenen Fällen – auch direkter Organschmerz vorliegt.

Da es sich beim übertragenen Schmerz nicht um Nozizeptorschmerz handelt, findet sich auch keine Verstärkung durch periphere und zentrale Sensibilisierung.
Schmerzübertragung geht zudem häufig mit Hyperalgesien der Haut einher, wie es von Henry Head beschrieben wurde. Ebenso sind Hyperalgesien der tiefen Bedekcung möglich, wie von James Mackenzie beschrieben.
Kutane Hyperalgesie ist nur durch oberflächliche Palpation ermittelbar. Eine sofortige tiefe Palpation am Patienten sorgt ggf. für eine Druckhyperalgesie der tiefen Teile, welche die oberflächlichen Hyperalgesieimpulse überlagern kann.

Fast alle inneren Organe werden von mehreren Segmenten versorgt, ebenso sind viele Spinalnervensegmente mehreren Organen zugehörig. Beschreiben Patienten ihre Schmerzlokation, ist zudem fast nie die gesamte Fläche eines Dermatoms betroffen-vielmehr scheint die Ausbreitung fleckförmig zu sein. Bei unpaaren inneren Organen liegt der Schmerz zudem häufig auf der Körperseite des Organs. Herz und Magen gelten in diesem Zusammenhang als linksseitig liegend.

3 Tiefe Hyperalgesie

Die tiefe Hyperalgesie wird durch Druck aktiviert. Dies kann einerseits durch Palpation geschehen, andererseits geschieht dies jedoch auch durch die Muskulatur selbst. Jede noch so kleine Bewegung beruht auf Kontraktionen verschiedener Muskeln. Daher ist bei inneren Erkrankungen der Spontanschmerz häufig eigentlich ein übertragener Schmerz der tiefen Teile durch kontraktionsbedingte Aktivierung druckhyperalgetischer Zonen.

Palpationsschmerz bedeckt nicht unbedingt die Fläche der Körperoberfläche auf welche das Organ bedingt durch seine anatomische Lage projiziert wird, da in der Tiefe die Schmerzübertragung auf Skelettmuskeln erfolgt, welche eine von der Organlage abweichende Ausdehnung zeigen. Das ist durch unterschiedliche Wanderungsbewegungen von Organen und Skelettmuskeln während der embryologischen Entwicklung bedingt.

4 Beispiel

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