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Medianusparese

Synonyme: Medianuslähmung, Nervus-medianus-Lähmung
Englisch: median nerve palsy

1 Definition

Die Medianusparese ist eine Lähmung (Parese) des Nervus medianus. Sie führt unter anderem zur Schwurhand.

2 Einteilung

Man unterscheidet nach der Lokalisation der Schädigung:

Einen Sonderfall stellt der isolierte Ausfall des rein motorischen Medianusastes Nervus interosseus anterior dar.

3 Ursachen

3.1 Proximale Medianusparese

Eine proximale Medianusparese tritt meist infolge einer Fraktur oder Luxation im anatomischen Verlauf des Nerven auf, z.B. bei

In einigen Fällen kann eine Lähmung auch iatrogen nach der chirurgischen Versorgung der o.a. Frakturen (Osteosynthese) entstehen.

Weitere, seltenere Ursachen sind:

3.2 Distale Medianusparese

Die häufigste Ursache der distalen Medianusparese ist die Einengung des Nervus medianus im Karpaltunnel im Rahmen eines Karpaltunnelsyndroms. Es wird meist durch eine chronische Fehlbelastung des Handgelenks ausgelöst. Begünstigend wirken rheumatische Erkrankungen sowie metabolische und endokrinologische Faktoren.

Daneben spielen Schnittverletzungen im Bereich des Handgelenks und distale Radiusfrakturen eine Rolle.

4 Symptome

Die Symptome bestehen aus Muskellähmungen und Sensibilitätsstörungen im Versorgungsgebiet des Nerven.

4.1 Proximale Medianusparese

Die proximale Medianusparese führt zu einem Ausfall der Flexoren der ersten drei Finger. Sie macht sich beim Versuch des Faustschlusses durch die sogenannte Schwurhand bemerkbar. Zusätzlich tritt eine Pronationsschwäche auf.

Der Ausfall der Thenarmuskeln Musculus abductor pollicis brevis und Musculus opponens pollicis schränkt die Opposition und Abduktion des Daumens ein und wird als Atrophie des Daumenballens sichtbar. Dadurch kommt es in Ruhestellung zu einer "Affenhand", bei der alle Finger in einer Ebene stehen.

Sensibilitätsstörungen bestehen an der radialen Handinnenfläche und an der Dorsalseite der Fingerkuppen des Daumens, des Zeige- und Mittelfingers sowie der radialen Hälfte des Ringfingers.

4.2 Distale Medianusparese

Die Symptome der distalen Medianusparese entsprechen mit Ausnahme der Schwurhand und der Pronationsschwäche denen der proximalen Parese. Die Fingerbeuger sind nicht betroffen, da die entsprechenden Nervenfasern vor dem Karpaltunnel aus dem Nervus medianus abgehen.

Der isolierte Ausfall des Nervus interosseus anterior führt zum Kiloh-Nevin-Syndrom, bei dem keine Sensibilitätsausfälle auftreten.

5 Diagnostik

Die Medianusparese lässt sich bereits durch eine klinische Untersuchung mit großer Sicherheit diagnostizieren. Wegweisend sind:

Bei Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom können zusätzlich das Hoffmann-Tinel-Zeichen und das Phalen-Zeichen aufgerufen werden.

Darüber hinaus hat man die Möglichkeit, gezielt einzelne Muskelfunktionen zu überprüfen, unter anderem durch

Apparativ kann die Diagnose durch eine Elektroneurographie (ENG) und/oder Elektromyographie (EMG) gesichert werden.

6 Therapie

Je nach Ursache lässt sich eine Medianusparese konservativ oder chirurgisch behandeln.

6.1 Konservative Therapie

Liegt als Ursache ein Engpasssyndrom zugrunde, kann ggf. durch die Ruhigstellung des Handgelenks, gezielte Physiotherapie und die Gabe von NSAR eine Besserung erreicht werden.

6.2 Chirurgische Therapie

Eine traumatische Schädigung mit Durchtrennung des Nerven erfordert einen operativen Eingriff mit mikrochirurgischer Rekonstruktion der Faserbahnen. Bei erhaltener Kontinuität kann eine Neurolyse erfolgreich sein. Irreparable Schäden sind ggf. durch Ersatzoperationen behandelbar.

Fachgebiete: Neurologie

Diese Seite wurde zuletzt am 15. September 2022 um 00:15 Uhr bearbeitet.

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