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Großer Strongylide

1 Definition

Die Bezeichnung große Strongyliden stammt aus dem klinischen Sprachgebrauch und fasst verschiedene im Dickdarm der Pferde parasitierende Nematoden der Familie Strongylidae zusammen.

2 Nomenklatur

Die Bezeichnung große Strongyliden bezieht sich nicht auf die Länge der Parasiten. Die Gruppierung schließt vielmehr Parasiten zusammen, die im Wirt eine ausgeprägte parenterale Wanderung durchlaufen. Neben dem Entwicklungszyklus unterscheiden sich die großen Strongyliden daher auch noch durch die Präpatenz, die Pathogenese sowie die Arzneimittelresistenz von den kleinen Strongyliden.

3 Vertreter

Gruppe Unterfamilie Gattung Arten
Große Strongyliden Strongylinae Strongylus

Einige Autoren zählen nicht nur die Gattung Strongylus, sondern alle Gattungen, die zur Unterfamilie Strongylinae gehören, zu den großen Strongyliden (Bidentostomum, Craterostomum, Oesophagodontus und Triodontophorus). Beim Pferd besitzen jedoch hauptsächlich die Spezies der Gattung Strongylus eine medizinische Bedeutung.

4 Epidemiologie

Strongylus vulgaris, Strongylus edentatus und Strongylus equinus kommen kosmopolitisch vor. Im Gegensatz dazu ist Strongylus asini weniger weit verbreitet (Afrika, Asien und Südamerika).

Die Häufigkeit klinisch manifester Infektionen hängt stark vom Bekämpfungsmanagement der Herde ab. Während eine gute Parasitenprophylaxe nur mit einer geringen Durchseuchung einhergeht (z.B. 0,8 %), können unbehandelte Bestände nahezu 100 % befallen sein.

5 Morphologie

Vertreter der Gattung Strongylus sind zwischen 1 und 5 cm lang, bindfadendick und bräunlich bis gelb gefärbt. Sie besitzen eine große und tonnenförmige Mundkapsel, die am Grund der Mundkapsel mit speziesspezifischen zahnartigen Fortsätzen besetzt ist:

  • Strongylus vulgaris besitzt 2 zahnartige Fortsätze
  • Strongylus equinus besitzt 4 zahnartige Fortsätze
  • Strongylus edentatus besitzt keine Fortsätze

6 Entwicklung

Große Strongyliden durchlaufen während ihrer Entwicklung eine externe (präparasitische) und eine interne (parasitische) Phase.

Die Wirte scheiden mit dem Kot die dünnschaligen Eier aus, die zu diesem Zeitpunkt meist 8 Furchungszellen enthalten. Binnen kurzer Zeit entwickeln sich in diesen die Erstlarven (L1), die ausschlüpfen und sich von Fäkalbakterien ernähren. Während sie heranwachsen, häuten sie sich zur Zweitlarve (L2) weiter. Die L2 nehmen ebenfalls Nahrung auf, aus der wiederum Vorratsstoffe (v.a. Lipide) gebildet und in den Mitteldarmzellen abgelagert werden. Anschließend kommt es zu einem starken Wachstum, zu einer Differenzierung und zu einer Häutung zur Drittlarve (L3), die durch die Uvea (Scheide) gegen Umwelteinflüsse geschützt ist. Die L3 stellt das infektiöse Stadium dar, das auf der Wiese wochen- bis monatelang überleben kann (ohne Nahrung aufzunehmen). Dabei verlassen sie den Kot entweder aktiv oder werden passiv verbreitet. Bei ausreichender Feuchtigkeit wandern sie schließlich auf Pflanzen und werden so von weidenden Pferden aufgenommen.

Nach peroraler Infektion schlüpfen die L3 unter Einfluss physiologischer Faktoren (pH-Wert, Gallensalze u.ä.) im Darmkanal der Pferde aktiv aus der Scheide. Mit dem Schlupf beginnt die interne Entwicklungsphase. Die L3 dringen in die Darmwand ein, um sich dort zur Viertlarve (L4) weiter zu häuten. Die juvenilen Stadien begeben sich dann auf eine ausgedehnte parenterale Wanderung. Sie dringen in die Arterien ein, um dann zur Arteria mesenterica cranialis zu gelangen. Dort häuten sie sich erneut zu den präadulten Stadien (P). Anschließend kehren sie wieder über die arteriellen Gefäße in die Darmwand zurück, um wieder in das Darmlumen einzuwandern.

Die Präpatenz beträgt 6,5 bis 11 Monate. Die Patenz wird bei Strongylus vulgaris mit 1,5 Jahren angegeben.

7 Pathogenese

Pferde infizieren sich vorwiegend bei der Nahrungsaufnahme während der Weideperiode mit den infektiösen Drittlarven. Übertragungen im Stall sowie in Ausläufen sind möglich, jedoch von untergeordneter Rolle. Ebenso selten kommt es zu Infektionen durch kontaminiertes Grünfutter oder Heu.

8 Klinik

Infektionen mit großen Strongyliden verursachen das klinische Bild der Strongylidose. Die Symptome hängen dabei maßgeblich von der Befallsstärke und der Organmanifestation ab.

Aufgrund der ausgeprägten somatischen Wanderung in der kranialen Mesenterialarterie sowie in den naheliegenden Arterien, durch die Leber zum subperitonealen Bindegewebe sowie in die Pankreas- und Nierenregion, kommt es zu unterschiedlichen Läsionen. Die durch die Wanderlarven hervorgerufenen Schäden haben schwerwiegende pathologische Folgen, u.a. thromboembolische Kolik, Diarrhö, Schwäche, Abmagerung, Anämie, nicht-strangulierende Darminfarkte, Fieber, Peritonitis, Nekrosen und Darmrupturen.

9 Diagnostik

Ein Nachweis patenter Infektionen kann mittels in vitro-Anzüchtung (Larvenkultur) der Drittlarven erfolgen.

Die Kotkulturen zur Anzucht von Drittlarven können mithilfe von Glasgefäßen durchgeführt werden. Die Proben müssen bei 25 bis 27 °C und einer relativen Feuchtigkeit von 80 bis 100 % inkubiert werden. Nach 14 Tagen lassen sich die L3 anhand morphologischer Merkmale unter Verwendung entsprechender Schlüssel (z.B. Anzahl der Mitteldarmzellen) auf Gattungs- bzw. Speziesebene bestimmen.

10 Quellen

11 Literatur

  • Deplazes P, Joachim A, Mathis A, Strube C, Taubert A, von Samson-Himmelstjerna G, Zahner H. 2020. Parasitologie für die Tiermedizin. 4., überarbeitete Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG. ISBN: 978-3-13-242138-7

Diese Seite wurde zuletzt am 2. November 2021 um 09:22 Uhr bearbeitet.

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