Geriatrie
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Loslegenvon altgriechisch: γέρων ("gerōn") - alt; ἰατρεία ("iatreia") - Heilkunde
Synonyme: Altersmedizin, Altersheilkunde
Definition
Die Geriatrie ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit den Krankheiten des alternden Menschen beschäftigt.
Patientengruppe
Geriatrisch behandelt werden ältere Patienten (> 70 Jahre), bei denen Frailty, Multimorbidität, Polypharmazie, funktionelle Einschränkungen oder der Verlust der Selbstständigkeit im Vordergrund stehen. Typisch sind gebrechlichkeitsassoziierte Einschränkungen, Sturzereignisse, Inkontinenz oder kognitive Defizite.[1]
Als geriatrische „I“ werden bezeichnet:
- Immobilität
- Inkontinenz
- Instabilität
- Isolation
- Insomnie
- Impotenz
- Irritables Kolon
- Immundefizite
- intellektueller Abbau
- Beeinträchtigungen ("impairment") von Augen und Ohren (Presbyopie, Presbyakusis)
- Impecunity (Armut)
- iatrogen bedingte Probleme
Diagnostik
Neben den krankheitsbezogenen diagnostischen Maßnahmen wird bei den betroffenen Patienten häufig ein geriatrisches Assessment mit anschließender individueller Ziel- und Behandlungsplanung durchgeführt. Dazu gehören unter anderem:
- Mini-Mental State Examination (MMSE)
- Mobilitätstest nach Tinetti (Gleichgewicht/Gehprobe)
- Barthel-Index zur Beurteilung der Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL)
- Geriatrische Depressionsskala (GDS)
- Timed-Up-and-Go-Test
Behandlungsziele
Im Mittelpunkt der Behandlung stehen die Lebensqualität und Selbstständigkeit der Patienten. Die Behandlung ist im Idealfall nicht krankheits- oder organzentriert, sondern orientiert sich an den für den Patienten erreichbaren funktionellen Zielen und an den Aktivitäten des täglichen Lebens.[2] Hospitalisierung und Pflegebedürftigkeit sollen solange wie möglich vermieden werden.[3][4]
Therapie und Versorgung
Die geriatrische Behandlung erfolgt interdisziplinär und verbindet medizinische Therapie mit Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Sozialdienst. Zur Versorgung gehören akutgeriatrische Behandlung, geriatrische Frührehabilitation, geriatrische Rehabilitation sowie ambulante, teilstationäre und stationäre Versorgungsformen. Bei Bedarf werden auch palliativmedizinische Aspekte berücksichtigt.[2][4]
Weiterbildung
Die Zusatzweiterbildung in Geriatrie setzt nach der (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer in der Fassung vom 03.07.2026 eine Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung sowie 24 Monate Geriatrie unter Befugnis an Weiterbildungsstätten voraus. Rechtsverbindlich ist die jeweils gültige Weiterbildungsordnung der zuständigen Landesärztekammer.[5]
Abgrenzung
Die Geriatrie ist die klinisch-medizinische Disziplin zur Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation älterer Patienten mit Krankheiten und Funktionsstörungen. Die Gerontologie ist demgegenüber die interdisziplinäre Wissenschaft vom Alter und Altern und befasst sich mit biologischen, psychologischen und sozialen Aspekten des Alterns.[6][7]
Quellen
- ↑ Empfehlungen aus der Geriatrie, abgerufen am 30.09.2026
- ↑ 2,0 2,1 Geriatriekonzept Berlin 2010, abgerufen am 30.09.2026
- ↑ Geriatrisches Zielkonzept mit Handlungsempfehlungen, abgerufen am 30.09.2026
- ↑ 4,0 4,1 Hofmann, Was ist Geriatrie?, Springer Medizin, 2021
- ↑ Bundesärztekammer: (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018, Fassung vom 03.07.2026, abgerufen am 30.09.2026
- ↑ Strehler, Eine neue Wissenschaft: Die Gerontologie, ihr Wesen und ihre Aufgaben, International Journal of Public Health, 1960
- ↑ Einführung in die Geriatrie, abgerufen am 30.09.2026