Flumazenil
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LoslegenHandelsname: Anexate®
Synonym: RO 15-1788
Englisch: flumazenil
Definition
Flumazenil ist ein Imidazobenzodiazepin-Derivat, das als Antidot bei einer Überdosierung mit Benzodiazepinen (akzidentell oder suizidal) eingesetzt wird. Bei einem Benzodiazepinüberhang wird es auch im Rahmen der Narkoseausleitung genutzt.
Chemie
Flumazenil ist chemisch Ethyl-8-fluor-5-methyl-6-oxo-5,6-dihydro-4H-imidazo[1,5-a][1,4]benzodiazepin-3-carboxylat mit der Summenformel C15H14FN3O3.
Wirkmechanismus
Flumazenil blockiert spezifisch als reversibler, kompetitiver Antagonist die Benzodiazepinbindungsstelle des GABAA-Rezeptors. Im Tiermodell besteht zudem je nach Rezeptor-Subtyp eine schwache agonistische Restwirkung, beim Menschen ist diese praktisch nicht nachweisbar.[1]
Pharmakokinetik
Der Wirkeintritt von Flumazenil erfolgt bei intravenöser Gabe schnell – in der Regel schon nach ca. 1 bis 2 Minuten, mit einem Wirkmaximum nach 6 bis 10 Minuten. Die Halbwertszeit des Wirkstoffs beträgt aufgrund der raschen Metabolisierung jedoch nur etwa 60 Minuten, sodass es schon nach ca. 2 Stunden zu einer Aufhebung des antagonistischen Effektes kommt. Flumazenil wird dabei in der Leber metabolisiert und zu 90 bis 95 % über die Nieren ausgeschieden. Die kurze Halbwertszeit ist vor allem bei langwirksamen Benzodiazepinen wie z.B. Diazepam zu beachten, da hier die Wirkung der Medikamente wieder eintreten kann (Rebound-Phänomen).
Indikationen
Flumazenil wird sowohl bei einer akzidentellen oder suizidalen Überdosierung von Benzodiazepinen als auch bei einer gezielten Beendigung einer Narkose mit Benzodiazepinen verwendet. Es hemmt auch die Wirkung von Medikamenten wie Zolpidem, Zopiclon oder Zaleplon, die nicht zu den Benzodiazepinen gehören, aber GABA-Rezeptoren über die gleiche Bindungsstelle besetzen.
Darreichungsformen
Flumazenil ist als Injektionslösung zur intravenösen Anwendung verfügbar (0,1 mg/ml).
Dosierung
Die Initialdosis beträgt 0,2 mg intravenös. Stellt sich innerhalb von 60 Sekunden nicht der gewünschte Bewusstseinsgrad ein, kann eine weitere Dosis von 0,1 mg verabreicht werden. Dieses Vorgehen kann im Abstand von 60 Sekunden bis zu einer Gesamtdosis von 2 mg wiederholt werden.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Wechselwirkungen
Bei gleichzeitiger Einnahme prokonvulsiv wirkender Substanzen, insbesondere trizyklischer/tetrazyklischer Antidepressiva, erhöht Flumazenil das Risiko für Krampfanfälle.[2]
Nebenwirkungen
Bei einer Benzodiazepinabhängigkeit kann die Gabe von Flumazenil zu einer ausgeprägten Entzugssymptomatik führen. Weitere Nebenwirkungen sind unter anderem:
Kontraindikationen
Flumazenil ist kontraindiziert bei Patienten, denen Benzodiazepine zur Behandlung eines potenziell lebensbedrohlichen Zustands verabreicht wurden (z.B. Status epilepticus oder erhöhter Hirndruck), sowie bei Verdacht auf eine Mischintoxikation mit zyklischen Antidepressiva – hier überwiegt das Risiko eines Krampfanfalls den Nutzen der Antagonisierung.
Quellen
- ↑ Penninga EI, Graudal N, Ladekarl MB, Jürgens G. Adverse Events Associated with Flumazenil Treatment for the Management of Suspected Benzodiazepine Intoxication - A Systematic Review with Meta-Analyses of Randomised Trials. Basic Clin Pharmacol Toxicol. 2016;118(1):37-44.
- ↑ Haverkos GP, DiSalvo RP, Imhoff TE. Fatal seizures after flumazenil administration in a patient with mixed overdose. Ann Pharmacother. 1994;28(12):1347-9.