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Colon (Wiederkäuer)

Synonyme: Grimmdarm, Kolon
Englisch: colon

1 Definition

Das Colon der Wiederkäuer hebt sich morphologisch deutlich vom Colon der übrigen Haussäugetiere ab, geht jedoch der selben Funktion nach und stellt somit einen wichtigen Abschnitt des Verdauungstraktes dar.

2 Anatomie

Ähnlich dem Colon anderer Haussäuger, kann es beim Wiederkäuer in folgende Abschnitte untergliedert werden:

  • Colon ascendens
  • Colon transversum
  • Colon descendens

Die einzelnen Kolonabschnitte unterscheiden sich im Aufbau deutlich, weshalb sie eindeutig dem Wiederkäuer zugeordnet werden können.

2.1 Abschnitte

2.1.1 Colon ascendens

Das Colon ascendens ist beim Wiederkäuer in charakteristischen Schleifen- und Spiralfiguren angeordnet. Hier werden drei verschiedene Schlingenabschnitte unterteilt:

  • Anfangsschleife: Ansa proximalis coli
  • Grimmdarmspirale: Ansa spiralis coli
    • Gyri centripetales
    • Gyri centrifugales
  • Endschleife: Ansa distalis coli

Direkt im Anschluss an das Caecum beginnt das Colon ascendens mit einer Anfangsschleife, die als Ansa proximalis coli bezeichnet wird. Hierbei zieht der erste Schenkel dieser S-förmigen Flexur nach kranial, wobei unterhalb der rechten Niere dieser Schenkel eine 180°-Kurve über dorsal nach kaudaolateral einnimmt. Dabei nimmt er seine Fortsetzung im zweiten Schenkel, der an der rechten Bauchwand zu finden ist und verläuft anschließend in Richtung Becken. Hier geht er in einer dorsomedial gerichteten Kurve in den dritten Schenkel über, der wiederum nach kranial zieht. Während seines Verlaufs verengt sich sein Lumen jedoch deutlich.

Aufgrund der besonderen Gestalt des folgenden Darmabschnitts, der einer Doppelspirale gleicht, wird dieser Teil auch als Grimmdarmspirale (Ansa spiralis coli) bezeichnet. Dieser Kolonabschnitt ist von links der Gekröseplatte aufgelagert und hängt dabei in sagittaler Ausrichtung im so genannten Recessus supraomentalis. Die Grimmdarmspirale besteht beim Rind aus 1,5 bis 2, beim Schaf aus 3 und bei der Ziege aus 4 in das Zentrum hinein verlaufende Windungen. Ebenso viele Windungen laufen vom Zentrum wieder in die Peripherie, sodass man hier die Windungen als Gyri centripetales bzw. Gyri centrifugales bezeichnet. Die Flexura centralis markiert im Zentrum der Spirale den Übergang von den zentripetalen in die zentrifugalen Windungen. Aufgrund der komplizierten Gestalt wird die Grimmdarmspirale auch als Grimmdarmlabyrinth bezeichnet, die in der Seitenansicht eine dorsoventral abgeplattete Gestalt einnimmt. Beim Rind sind hierbei alle Gyri dicht nebeneinander angeordnet, die beim kleinen Wiederkäuer etwas anders ausgeprägt sind. Hier befindet sich zwischen der letzten halben zentrifugalen Windung und dem Rest der Spirale einen größeren Abstand.

Auf Höhe des 1. Lendenwirbels geht das Colon ascendens in seine Endschleife, der Ansa distalis coli, über. Dieser letzte Schleifenabschnitt verläuft dabei bis vor den Beckeneingang, wobei er dann wieder nach kranial bis zum letzten Brustwirbel zieht.

2.1.2 Colon transversum

Auf der Höhe des letzten Brustwirbels geht das Colon ascendens in das Colon transversum über. Dieser Kolonabschnitt zieht, an einem kurzen Gekröse hängend, vor der Arteria mesenterica cranialis auf die linke Körperseite. Dort angekommen, geht das querverlaufende Kolon in seinen letzten Grimmdarmabschnitt, das Colon descendens, über.

2.1.3 Colon descendens

Das Colon descendens besitzt ein sehr fettreiches Gekröse und ist über eine Plica duodenocolica mit der Pars descendens duodeni in Kontakt. Beim Wiederkäuer findet man kurz vor dem Übergang in das Rektum einen S-förmigen Bogen, der auch Colon sigmoideum genannt wird. Dieser kleine Abschnitt ist an einem längeren Gekröse befestigt, was die Bewegungsfreiheit der Hand bei der Rektalisierung begünstigt.

2.2 Gefäßversorgung

Das gesamte Colon wird über Äste der Arteria mesenterica cranialis sowie Arteria mesenterica caudalis mit sauerstoffreichem Blut versorgt.

Die Lymphgefäße führen die Lymphe des gesamten Colons an die Knoten der umliegenden Lymphzentren. Hierbei sorgen v.a. das Lymphocentrum mesentericum craniale (Colon ascendens und transversum) und caudale (Colon descendens) für die Drainage der zugeführten Lymphe.

2.3 Innervation

Das Colon wird über das vegetative Nervensystem innerviert. Die sympathischen Fasern stammen aus dem Plexus mesentericus cranialis und caudalis. Die parasympathische Innervation wird vom Bauchteil des Nervus vagus übernommen.

3 Histologie

Der histologische Aufbau des Dickdarms gleicht jenem der restlichen Abschnitten des distalen Verdauungstraktes. Im Gegensatz zum Dünndarm weist dieser jedoch keine Zotten auf.

4 Literatur

  • Salomon, Franz-Viktor, Hans Geyer, and Uwe Gille, eds. Anatomie für die Tiermedizin. Enke, 2008.
  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band II: Eingeweide. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.

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