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Clostridiose (Hund)

Synonym: Clostridien-assoziierte Enteritis
Englisch: clostridiosis

1 Definition

Die Clostridiose ist eine Infektionskrankheit beim Hund, die durch Bakterien der Gattung Clostridium verursacht wird.

2 Ätiologie

Die Erkrankung wird durch die grampositiven, sporenbildenden und obligat anaeroben Stäbchenbakterien Clostridium perfringens oder Clostridium difficile ausgelöst. Clostridien sind opportunistische Bakterien, die neben der Haut auch die Schleimhäute und den Gastrointestinaltrakt (v.a. den Dickdarm) sowie den Erdboden besiedeln.

3 Pathogenese

Nachdem die Erreger oral aufgenommen werden, besiedeln sie bevorzugt den Darmtrakt. Dort werden nach Sporulation und Lyse Toxine frei, die zu einer klinisch manifesten Erkrankung führen. Die Sporulation kann durch unterschiedliche Trigger ausgelöst werden, u.a. durch Futterwechsel, lange Antibiotikagabe, Immunsuppression oder Koinfektionen mit anderen pathogenen Bakterien. Außerdem korreliert der Proteingehalt des Futters mit den im Darminhalt nachweisbaren Clostridienanzahlen und führt zu einer Steigerung der Enterotoxinbildung.

Clostridium difficile kann verschiedene Toxine produzieren, u.a. Toxin A, Toxin B und das Clostridium-difficile-Toxin. Besonders die Toxine A und B konnten mit Durchfallerkrankungen beim Hund in Verbindung gebracht werden, wobei man diese Toxine auch bei klinisch gesunden Tieren nachgewiesen kann.

Clostridium perfringens kommt in fünf verschiedenen Serotypen vor (A bis E), die wiederum verschiedene Toxine (Majortoxin α, β, ε, ι und Enterotoxin) bilden. Beim Hund kann häufig der Serotyp A nachgewiesen werden. Das Toxin bindet an die Epithelzellen, erhöht die Permeabilität der Darmwand und verursacht so eine Enteritis mit Diarrhö. Enterotoxämien kommen selten vor, können jedoch perakut verlaufen und rasch zum Tod führen. Ähnlich wie Clostridium difficile kommen Clostridium perfringens und seine Enterotoxine auch bei gesunden Hunden im Kot vor.

4 Klinik

Eine Infektion mit Clostridien löst sowohl Dünn- als auch Dickdarmdurchfall mit Tenesmus, Hämatochezie und Schleimbeimengungen aus. In einigen Fällen leiden die Hunde zusätzlich noch an Erbrechen. Während einige Erkrankungen mild und selbstlimitierend verlaufen, kommt es bei einigen Hunden zu akuten Krankheitsverläufen, die sich zu einer hochgradigen hämorrhagischen Gastorenteritis (HGE) weiter entwickeln.

5 Differenzialdiagnosen

In der Diagnostik müssen andere infektiös bedingte Dick- und Dündarmdurchfälle (viral, bakteriell, parasitär), Futtermittelallergien und Inflammatory Bowel Disease (IBD) ausgeschlossen werden.

6 Diagnose

Der Nachweis von Clostridien in der Kotkultur ist kein Beweis für eine Clostridien-assoziierte Enteritis, da sowohl Clostridium perfringens als auch Clostridium difficile die normale intestinale Mikroflora besiedeln. Im Gegensatz dazu kann eine hohe Keimkonzentration (> 106 Keime pro Gramm Kot) sowie ein hoher Gehalt an Clostridien-Sporen im Kot auf eine Infektion hinweisen.

Um die Verdachtsdiagnose zu sichern, kann zur Kotkultur sowie zur Bestimmung der Keimkonzentration ein Enterotoxinnachweis mittels ELISA durchgeführt werden.

7 Therapie

Milde Krankheitsverläufe sind symptomatisch zu behandeln (z.B. Diät mit Rohfaserzusatz). Bei schweren Formen sowie Erkrankungen mit Störungen des Allgemeinbefindens sind Antibiotika über 5 bis 7 Tage indiziert (z.B. Metronidazol 10 mg/kgKG BID, Tylosin 10 bis 20 mg/kgKG SID bis BID oder Tetrazyklin 22 mg/kgKG TID). Zusätzlich sind unterstützende Maßnahmen durchzuführen (z.B. parenterale Flüssigkeitstherapie, H2-Rezeptorantagonisten und Antiementika).

Bei der Wahl des Antibiotikums muss unbedingt die Resistenzlage berücksichtigt werden.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8 Zoonotische Bedeutung

Die Erkrankung besitzt kaum Zoonosepotenzial, da sich der Mensch in der Regel aus der Umgebung mit Clostridien infiziert und nicht durch Kontakt mit erkrankten Hunden.

9 Quellen

  • Niemand HG (Begr.). Suter PF, Kohn B, Schwarz G (Hrsg.). 2012. Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke-Verlag in MVS Medizinverlag Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1125-3.
  • Gobeli S, Berset C, Burgener I, Perreten V. 2012. Antimicrobial susceptibility of canine Clostridium perfringens strains from Switzerland. Schweiz Arch Tierheilkd 154(6):247-50. DOI: 10.1024/0036-7281/a000340

Diese Seite wurde zuletzt am 4. Februar 2021 um 15:58 Uhr bearbeitet.

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