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Clostridium-Infektion (Geflügel)

(Weitergeleitet von Clostridiose (Geflügel))

Synonym: Clostridiose
Englisch: clostridiosis

1 Definition

Als Clostridium-Infektion bzw. Clostridiose bezeichnet man verschiedene Infektionskrankheiten beim Geflügel, die durch unterschiedliche Clostridium-Arten ausgelöst werden und verschiedene Krankheitsbilder verursachen.

2 Ätiologie

Clostridien sind obligat anaerobe Stäbchenbakterien, die ovale oder kugelförmige Sporen bilden und dadurch spindelförmig aufgetrieben erscheinen. Die Bakterien sind 0,3 bis 2,0 x 1,5 bis 20 µm groß und oft in Paaren oder kurzen Ketten gelagert. Sie färben sich grundsätzlich grampositiv, wobei ältere Kulturen auch gramlabil oder gramnegativ sein können. Bis auf wenige Ausnahmen sind Clostridien beweglich und verursachen eine Hämolyse.

Die Erreger besitzen ausgeprägte proteolytische und/oder saccharolytische Eigenschaften, wobei keine Katalase gebildet wird. Die Virulenz beruht hauptsächlich auf der Bildung verschiedener Proteintoxinen (Exotoxinen), wobei sich jede Art durch ein charakteristisches Muster von Toxinfraktionen auszeichnet. Bei einigen Spezies können auch Toxovare definiert werden.

3 Epidemiologie

Clostridien sind ubiquitär verbreitet und können überall in der Umwelt angetroffen werden. Sie besiedeln den Darm sowohl von gesunden als auch kranken Menschen und Tieren.

4 Pathogenese

Die Erreger gelangen auf unterschiedliche Übertragungswege in den Organismus und siedeln sich dann in ihrem Zielorgan an. Von dort aus gelangen sie hämatogen in andere Organsysteme und verursachen dort teils massive Schädigungen, die zur Ausbildung der typischen Symptome führen.

5 Klinik

Abhängig von der Clostridium-Art und den damit einhergehenden Toxinen können sich intestinale, kutane oder gar zentralnervöse Störungen entwickeln, die häufig auch tödlich enden.

Erreger Wirt Erkrankung Organsystem
C. colinum Huhn, Pute, Wachtel, Fasan Ulzerative Enteritis Darm
C. perfringens Huhn, Pute, Wachtel, Fasan Nekrotisierende Enteritis Darm
C. perfrigens,
C. septicum,
C. chauvoei
Huhn, Pute, Wachtel, Fasan Gasödemerkrankung Haut, Unterhaut, Skelettmuskulatur
C. botulinum Wassergeflügel, Huhn, (Pute) Botulismus Nervensystem

6 Diagnose

Die Diagnostik besteht aus einer umfangreichen Anamnese, den histopathologischen Befunden und der mikroskopischen Untersuchung von Abklatsch-, Ausstrich- und/oder Tupferproben. Die Verdachtsdiagnose ist dann mittels direktem Erregernachweis (z.B. Bakterienkultur, PCR, direkte Immunfluoreszenz oder MALDI-TOF-System) abzusichern.

7 Therapie

Clostridien sind gegenüber unterschiedlichen Antibiotika sensibel (z. B. ß-Laktam-Antibiotika, Tetrazykline oder Makrolidantibiotika). Aufgrund der schweren Verlaufsformen ist eine Kausaltherapie bei bereits klinisch erkrankten Tieren meistens nicht erfolgversprechend, weshalb von einer Therapie abzusehen und eine tierschutzgerechte Euthanasie durchzuführen ist.

8 Literatur

  • Rautenschlein S, Ryll M. 2014. Erkrankungen des Nutzgeflügels. 1. Auflage. Stuttgart: UTB Verlag GmbH. ISBN: 978-3-8252-8565-5
  • Siegmann O, Neumann U (Hrsg.) 2012. Kompendium der Geflügelkrankheiten. 7., überarbeitete Auflage. Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. ISBN: 978-84268333-4
  • Mayr A, Rolle M. Mayr A (Hrsg.). 2007. Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. 8., überarbeite Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1060-7

Diese Seite wurde zuletzt am 13. September 2021 um 12:50 Uhr bearbeitet.

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