Bovines Torovirus
Synonym: Breda-Virus
Englisch: bovine torovirus, Breda virus
Definition
Das bovine Torovirus, kurz BoTV, ist ein Virus innerhalb der Familie der Tobaniviridae.
Geschichte
Taxonomie
- Bereich: Riboviria
- Ordnung: Nidovirales
- Unterordnung: Tornidovirineae
- Familie: Tobaniviridae
- Unterordnung: Tornidovirineae
- Ordnung: Nidovirales
Morphologie
Das Virus ist ein einzelsträngiges, behülltes RNA-Virus mit pleomorpher Morphologie. Die Virushülle trägt charakteristische Spike-Proteine. Im Inneren befindet sich ein verlängertes, röhrenförmiges Nukleokapsid, das dem Viruspartikel eine typische nierenförmige Struktur verleiht. Die Partikel messen etwa 105–140 nm in der Länge und 12–40 nm im Durchmesser und sind im Elektronenmikroskop gut sichtbar.
Veterinärmedizin
Epidemiologie
Bovine Toroviren sind weltweit verbreitet und spielen insbesondere bei Kälbern im Alter von wenigen Tagen bis zu vier Monaten eine wichtige Rolle bei Durchfallerkrankungen. Die meisten Infektionen treten zwischen dem zweiten und fünften Lebenstag auf. Der Krankheitsverlauf wird maßgeblich durch die Aufnahme von Kolostrum und die dadurch vermittelte passive Immunität beeinflusst.
Neugeborene Kälber ohne maternale Immunität sind im ersten Lebensmonat besonders empfänglich für eine Infektion.
Übertragung
Das bovine Torovirus wird überwiegend fäkal-oral übertragen, seltener findet eine Übertragung über die Atemwege statt. Nach oraler oder intranasaler Aufnahme infiziert das Virus schnell die Enterozyten der unteren Darmzotten und breitet sich bis in die Krypten von Jejunum, Ileum, Kolon und Zäkum aus. Innerhalb von 24 bis 72 Stunden nach der Infektion entwickelt sich Diarrhoe. Bereits wenige Stunden nach der Infektion zeigen die Enterozyten ausgeprägte Anzeichen von vakuoläre Degeneration, Nekrose und Abschilferung, was zu Zottenatrophie, Kryptenhyperplasie und teilweise zu verschmolzenen Darmzotten führt.
Der genaue Mechanismus der Diarrhoeentstehung ist noch nicht abschließend geklärt. Es wird angenommen, dass die wässrige Diarrhoe durch die vom Virus verursachten Läsionen im Kolon entsteht.
Klinik
Beim ersten dokumentierten Ausbruch zeigten die Kälber eine gelblich-weiße, halbfeste bis wässrige Diarrhoe, die ausgeprägt war und zu schwerer Dehydratation führte. Innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Beginn der Diarrhoe traten zusätzlich Schwäche, Apathie, Anorexie sowie Fieber auf. In einigen Ausbrüchen wurden außerdem Atemwegssymptome bei den Kälbern beschrieben.
Virusnachweis
Das bovine Torovirus kann bereits einige Stunden vor Auftreten klinischer Symptome, während der Diarrhoe sowie noch mehrere Tage nach Abklingen der Symptome im Stuhl nachgewiesen werden. Gleichzeitig ist der Virusnachweis auch in nasalen Abstrichen möglich. Da das Virus sich nicht in Zellkulturen oder anderen in vitro-Systemen vermehren lässt, sind für die Diagnostik alternative Nachweismethoden erforderlich, darunter:
- Elektronenmikroskopie bzw. Immun-Elektronenmikroskopie
- ELISA zum Nachweis von Virusantigenen und spezifischen Antikörpern
- Hämagglutination- und Hämagglutinationshemmtests (HA/HI)
- Immunfluoreszenz
- Nukleinsäurehybridisierung
- RT-PCR zur Amplifikation viraler RNA
- RNA-Extraktion aus fixierten Darmgewebeproben zur anschließenden RT-PCR
Therapie
Für das bovine Torovirus existieren derzeit keine spezifischen prophylaktischen Maßnahmen. Zur Reduktion von Ausbrüchen sind jedoch strikte Hygienemaßnahmen essenziell. Zur passiven Prophylaxe kann Antikörper-haltiges Kolostrum (ca. 500 ml/Tag) jungen Kälbern verabreicht werden, um einer Infektion vorzubeugen. Neugeborene Kälber mit klinischem Durchfall benötigen gegebenenfalls eine Flüssigkeitstherapie, während ältere Kälber die Erkrankung in der Regel selbstlimitierend überstehen. Obwohl spezifische Daten zu Desinfektionsmitteln oder Hitzesterilisation fehlen, wird angenommen, dass das Virus durch Hitze oder Desinfektion leicht inaktiviert werden kann.
Quellen
- Hoet und Saif, Bovine torovirus (Breda virus) revisited, Anim Health Res Rev, 2004
- Haschek et al. Detection of bovine torovirus in neonatal calf diarrhoea in Lower Austria and Styria (Austria), J Vet Med B Infect Dis Vet Public Health, 2006
- Gelberg, Alimentary System and the Peritoneum, Omentum, Mesentery, and Peritoneal Cavity, Pathologic Basis of Veterinary Disease, 2017