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Blutungsanämie

Englisch: acute blood loss anemia

1 Definition

Eine Blutungsanämie ist eine Anämie, die als Folge eines akuten Blutverlusts entsteht. Sie ist durch eine Verminderung der Hämoglobin-Konzentration und des Hämatokrits gekennzeichnet.

  • ICD-10-Code: D62 Akute Blutungsanämie

2 Pathophysiologie

Verliert der Körper mehr als etwa 500 ml Blut in kurzer Zeit, hat dies erkennbare pathophysiologische Folgen. Den Verlauf kann man idealisiert in drei Stadien einteilen.

2.1 Erste Phase

Initial entstehen Zeichen der Hypovolämie, wobei insbesondere Organe mit hohem Blutbedarf bedroht sind (z.B. Gehirn, Niere). Typische Symptome sind Blässe, Sehstörungen, Ohrensausen, Schwindel, (Prä-)Synkope oder Hypotonie. Mögliche Komplikationen sind Vigilanzstörungen und ein akutes Nierenversagen. In dieser Phase verursacht ein akuter Blutverlust keine Anämie, da die Hämoglobin-Konzentration noch nicht beeinträchtigt ist.

2.2 Zeite Phase

In der zweiten Phase führt die Aktivierung von Barorezeptoren und Dehnungsrezeptoren zur Freisetzung von Vasopressin und anderen Peptiden. Folglich kommt es zur Flüssigkeitsverschiebung aus dem Extravasalraum in den Intravasalraum. Dies mündet in einer Hämodilution, sodass sich die Hypovolämie langsam in eine normochrome normozytäre Anämie umwandelt. In dieser Phase beklagen die Patienten häufig einen extremen Durst. Als Faustregel lässt sich merken: Liegt der Hämoglobinwert drei Tage nach einer Blutung bei 7 g/dl, ist ungefähr die Hälfte des gesamten Blutvolumens verloren gegangen.

2.3 Dritte Phase

In einer dritten Phase, im Falle eines Sistierens des Blutverlustes, wird die Anämie durch kompensatorische Steigerung der Erythropoese im Knochenmark schrittweise wieder ausgeglichen. Erkennbar wird dies durch die ansteigende Retikulozytenzahl meist nach zwei bis drei Tagen, wobei das Maximum erst nach sechs bis zehn Tagen erreicht wird. Bei chronischen Blutungen entsteht durch den anhaltenden Eisenverlust eine hypochrome mikrozytäre Eisenmangelanämie.

3 Diagnostik

Die Diagnose einer akuten Blutungsanämie kann meist anhand einer entsprechenden Anamnese und einer körperlichen Untersuchung gestellt werden. Innere Blutungen können jedoch unbemerkt verlaufen. Grundsätzlich sollte bei jedem abrupten Abfall des Hämoglobinwertes an eine akute Blutung gedacht werden. Dabei ist eine entsprechende Diagnostik, z.B. mittels Sonographie oder Endoskopie, notwendig.

4 Therapie

Die Identifikation und Behandlung der Blutungsursache hat erste Priorität. Bei den akuten Blutungen ist häufig eine zeitnahe Erythrozytentransfusion notwendig, während bei chronischen Verläufen der Körper meist gut an die niedrige Hämoglobin-Konzentration adaptiert ist.

Blutersatzmittel sind aktuell (2019) noch nicht für eine Standardtherapie geeignet. Erforscht werden derzeit synthetische Fluorkohlenstoffverbindungen (Perfluorcarbone), die reversibel Sauerstoff binden, sowie künstlich modifizierte Hämoglobine (hämoglobinbasierte Sauerstoffträger, HBOC).

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