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Gabunviper

(Weitergeleitet von Bitis gabonica)

Synonym: Bitis gabonica (zool.)
Englisch: gaboon viper

1 Definition

Die Gabunviper ist eine aus Subsahara-Afrika stammende, giftige Schlangenart aus der Familie der Vipern (Viperidae). Sie zählt zur Gattung der Puffottern (Bitis). Die zoologische Bezeichnung lautet Bitis gabonica. Die Art wird in Europa und den USA relativ häufig in Gefangenschaft gehalten.

2 Merkmale

2.1 Habitus

Die Gabunviper weist einen massigen Körperbau auf, erreicht eine Körperlänge zwischen 130 und 150 (selten über 200 cm) und gilt als weltweit schwerste Giftschlange. Sie besitzt einen großen und bei Aufsicht dreieckigen Kopf, der sich deutlich vom Hals absetzt. Zwischen den Nasenöffnungen befinden sich zumeist zwei Hornschuppen. Das Auge weist eine bei Lichteinfall vertikal geschlitzte Pupille auf. Der Schwanz ist relativ kurz, insbesondere bei Weibchen. Die Körperfärbung ist oberseits gelblich, grünlich oder bräunlich gefärbt und weist ein Farbmuster mit hellen Linien und rhombischen Flecken auf. Die Färbung wirkt auffällig, dient jedoch im natürlichen Habitat (Laub des Waldbodens) einer optimalen, formauflösenden Tarnung.

Die Schlangenbeschuppung (Pholidose) weist folgende Merkmale auf:

  • 12 bis 17 Supralabialia (Oberlippenschilde),
  • 16 bis 21 Sublabialia (Unterlippenschilde),
  • 35 bis 43 Reihen gekielter Rumpfschuppen (Scuta dorsalia),
  • 125 bis 140 Scuta ventralia (Bauschschilde),
  • 17 bis 33 paarige Scuta subcaudalia (Unterschwanzschilde) und
  • 1 ungeteiltes Scutum anale (Analschild).

2.2 Giftapparat

Typisch für alle Vertreter der Viperidae ist der Giftapparat: Vipern haben von allen Giftschlangen den evolutionär am weitest entwickelten Giftapparat. Die Giftdrüsen, die sich seitlich des Schädels befinden und von umgebildeten Speicheldrüsen dargestellt werden, stehen in Verbindung mit den Gift- bzw. Fangzähnen. Diese befinden sich im vorderen Oberkiefer, sind bei geschlossenem Maul eingeklappt und werden beim Zubeißen aufgestellt. Die Giftzähne sind röhrenartig aufgebaut und ermöglichen eine Injektion des Giftsekretes wie durch die Kanüle einer Spritze. Einige Exemplare der Gabunviper besitzen mit bis über 5 cm die längsten bekannten Fangzähne aller Giftschlangen.

3 Lebensweise

Bitis gabonica besiedelt tropische und bewaldete Gebiete, von Tiefebenen bis zu 2.300 Höhenmetern. Sie führt eine bodenbewohnende, weitgehend nachtaktive Lebensweise und ist zumeist träge, kann jedoch bei Bedrohung unerwartet schnell agieren. Als Ansitzjäger wartet sie auf vorbeikommende Beutetiere, die durch einen raschen Giftbiss getötet werden. Zum Beutespektrum zählen vor allem Säugetiere geeigneter Größe, vermutlich auch Vögel. Die Fortpflanzung erfolgt durch Ovoviviparie (ei-lebendgebärend), ein Wurf kann 20 bis über 40 Jungschlangen umfassen, die bei Geburt zwischen 26 und 30 cm lang sind. Gegenüber dem Menschen verhält sich die Art nur bei Störung oder Provokation aggessiv. Da sie im Freiland bei Gefahr regungslos auf ihre Tarnung vertraut, kommt es gelegentlich zu Bissunfällen mit dem Menschen, wenn das Tier auf dem Boden übersehen wird.

4 Schlangengift

Bei einem Giftbiss kann Bitis gabonica eine große Menge Giftsekret abgeben. Es wurden Giftausbeuten zwischen 350 und 1000 mg Trockengewicht ermittelt.

Das Giftsekret enthält als pharmakologisch aktive Komponenten unter anderem folgende Substanzen:[1]

(* Gehalt am Proteom des Giftsekrets)

Bestandteile von geringerem Gehalt sind Bradykinin-potenzierende Peptide, Disintegrine, CRiSP (cysteine-rich secretory proteins).

5 Toxikologie

Nach Giftbiss können eine lokale Schwellung und Schmerzen an der Bissstelle sowie unspezifische Allgemeinsymptome (z.B. Kopfschmerz, Nausea, Emesis, Abdominalschmerz, Diarrhoe, Vertigo, Kollaps oder Krämpfe) auftreten. Fibrinogenasen und Antikoagulantien (Disintegrine) beeinflussen die Hämostase, Metalloproteasen können die Blutgefäße schädigen und wirken als Hämorrhagine. Signifikante toxische Effekte sind:

Ferner können sich eine Nekrose an der Bissstelle und leichte neurotoxische Effekte ausbilden. Sekundär auftretende nephrotoxische Effekte wurden beobachtet. Der Tod kann durch Kreislaufversagen eintreten. Die Wirksamkeit des Giftbisses ist nicht zuletzt aufgrund der sehr großen Giftmengen hoch. Die Letalität nicht behandelter Vergiftungen ist nicht bekannt, wird jedoch hoch eingeschätzt.

5.1 Maßnahmen bei Intoxikation

Sämtliche Bissunfälle mit Bitis gabonica sollten als lebensbedrohlich betrachtet und als Notfall behandelt werden. Gebissene sollten sich ruhig verhalten und, sofern möglich, Körper und Bissstelle wenig bewegen sowie liegend in ein Krankenhaus transportiert werden. Empfohlen wird das Anlegen eines Verbands mit leichtem Druck über der Bissstelle sowie eine Fixierung der Extremität mit Verband, Kleidung oder Stoff. Auf ein voriges Entkleiden sollte verzichtet werden, um übermäßige Bewegung zu vermeiden.

Nach einem Biss durch Bitis gabonica sollte eine intensivmedizinische Überwachung mit adäquater Kontrolle von Vitalparametern und regelmäßiger Überprüfung der hämatologischen Parameter, einschließlich der Gerinnungsfaktoren, erfolgen. Die Therapie der systemischen Intoxikation durch Giftbiss besteht in erster Linie aus der Therapie mit Antivenin. Unter Umständen sind mehrfache Dosen notwendig. Chirurgische Eingriffe sollten erst erfolgen, wenn die Gerinnungswerte dies zulassen. Die Applikation von NaCl 0,9% als Infusion ist indiziert. Weiterhin erfolgt symptomatische Therapie. Als Antivenine stehen unter anderem zur Verfügung:

  • SAIMR Polyvalent Antivenom ( South African Vaccine Producers (Pty) Ltd, Südafrika)
  • Polyvalent Snake Antivenom (National Antivenom and Vaccine Production Centre, Saudi-Arabien)
  • Antivipmyn Africa (Instituto Bioclon, Mexiko)
  • Polyvalent Snake Venom Antiserum (VACSERA, Ägypten)
  • FAV-Afrique (Sanofi-Pasteur, Frankreich)

6 Einzelnachweise

  1. Calvete et al., 2007: Snake venomics of Bitis gabonica gabonica. Protein family composition, subunit organization of venom toxins, and characterization of dimeric disintegrins bitisgabonin-1 and bitisgabonin-2. (aufgerufen am 15.06.2018)

7 Externe Linke

  • University of Adelaide, Clinical Toxinology Resources: Bitis gabonica

8 Literatur

  • Trutnau: Schlangen im Terrarium Bd. 2: Giftschlangen. Verlag Ulmer, Stuttgart 1998.

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