Theodrenalin-Cafedrin
Handelsname: Akrinor®
Englisch: theodrenaline-cafedrine
Definition
Theodrenalin-Cafedrin ist ein Notfallmedikament, das die Wirkstoffkombinationen Theodrenalin (Theophyllin + Noradrenalin) und Cafedrin (Theophyllin+ Norephedrin) enthält. Es wird als Antihypotonikum in der Anästhesie und Notfallmedizin verwendet.
Wirkmechanismus
Die Einzelsubstanzen Theodrenalin und Cafedrin besitzen etwas unterschiedliche Wirkungen auf die Herz-Kreislauf-Dynamik. Theodrenalin steigert die Herzkontraktilität, den Blutdruck, das Herzschlagvolumen und gering das Herzminutenvolumen sowie den peripheren Gefäßwiderstand. Cafedrin führt zu einer langsam einsetzenden, dem Theodrenalin gleichgerichteten Wirkung, jedoch ohne Erhöhung des peripheren Gefäßwiderstandes.
Das Kombipräparat Theodrenalin-Cafedrin im Verhältnis 1:20 hat eine Theodrenalin-ähnliche, durch Cafedrin modifizierte hämodynamische Wirkung, d.h. es wirkt primär über eine Stimulation von β1 und β2-Rezeptoren. Eine Beeinflussung der alpha-Rezeptoren liegt nur kurz in der ersten Phase, danach praktisch nicht mehr vor. Der Blutdruckanstieg ist auf die positive Inotropie zurückzuführen, nicht auf einen Anstieg des peripheren Gefäßwiderstandes.
Indikation
Theodrenalin-Cafedrin wird eingesetzt zur:
- Therapie anästhesiebedingter klinisch relevanter Blutdruckabfälle bei Erwachsenen
- Therapie klinisch relevanter Hypotonien in der Notfallmedizin bei Erwachsenen
Auch der Einsatz in der Geburtshilfe ist möglich, da Theodrenalin-Cafedrin die Durchblutung der Plazenta nicht wesentlich beeinflusst.
Darreichungsformen
1 Ampulle (2 ml) enthält 10 mg Theodrenalinhydrochlorid und 200 mg Cafedrinhydrochlorid (Verhältnis 1:20). Theodrenalin-Cafedrin kann intravenös oder intramuskulär injiziert werden.
Dosierung
- bei nicht bedrohlichen Zuständen: 1/4 Ampulle langsam i.v.
- in bedrohlichen Zuständen: 1/2 bis 1 Ampulle langsam i.v. (maximum 1 ml/min)
- bei Schockzuständen/hypotonem Kreislaufversagen: Infusionslösung mit 1-2 Ampullen als Zusatz zur Infusion
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Mögliche Nebenwirkungen sind u.a. Herzklopfen, Verstärkung von pektanginösen Beschwerden bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit und ventrikuläre Rhythmusstörungen.
Wechselwirkungen
Eine gleichzeitige Anwendung von Betablockern kann eine Herzfrequenzsenkung bedingen. Blutdrucksteigernde Arzneimittel wie Phenylpropanolamin und Ephedrin können in ihrer Wirkung verstärkt werden, blutdrucksenkende wie Guanethidin in ihrer Wirkung abgeschwächt. Bei gleichzeitiger Verabreichung von Halothan kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen. Während und bis zu zwei Wochen nach Einnahme von MAO-Hemmern sollte Theodrenalin-Cafedrin nicht angewendet werden.
Kontraindikationen
Theodrenalin-Cafedrin darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Cafedrinhydrochlorid, Theodrenalinhydrochlorid oder einen sonstigen Bestandteil
- Hypertonie
- Mitralstenose
- Engwinkelglaukom
- Hyperthyreose
- Phäochromozytom
- Prostataadenom mit Restharnbildung
Außerdem darf das Arzneimittel nicht bei Bronchialasthmatikern mit Sulfitüberempfindlichkeit angewendet werden.
Schwangerschaft und Stillzeit
Theodrenalin-Cafedrin soll in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dies ist eindeutig erforderlich. Für die Anwendung in der Stillzeit liegen bisher (2026) keine klinischen Daten vor. Eine Ausscheidung der Wirkstoffe in die Muttermilch ist anzunehmen.
Überdosierung
Zur Intoxikation liegen nur sehr begrenzte Daten vor. Beschrieben wurden u.a. Erbrechen, Somnolenz, kalter Schweiß, Tachypnoe, Dehydratation, Tachykardie, ausgeprägte Hypertonie sowie leichte tonische Krämpfe. Die Therapie erfolgt symptomatisch.
Quellen
- Fachinformation – Akrinor, abgerufen am 15.04.2026
- Kloth et al. AkrinorTM, a Cafedrine/ Theodrenaline Mixture (20:1), Increases Force of Contraction of Human Atrial Myocardium But Does Not Constrict Internal Mammary Artery In Vitro. Front Pharmacol. 8:272. 2017
- Bein et al. Cafedrine/Theodrenaline (20:1) Is an Established Alternative for the Management of Arterial Hypotension in Germany—a Review Based on a Systematic Literature Search. Front Pharmacol. 8:68. 2017