Adduktorenkanalblock
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Synonyme: Adduktorenkanalblockade, ACB, Saphenusblock im Adduktorenkanal
Englisch: adductor canal block
Definition
Der Adduktorenkanalblock, kurz ACB (von engl. adductor canal block), ist ein ultraschallgesteuertes Regionalanästhesieverfahren, bei dem ein Lokalanästhetikum in den Adduktorenkanal am Oberschenkel injiziert wird. Dabei wird vor allem der Nervus saphenus blockiert. Der Block wird überwiegend zur Schmerztherapie bei Eingriffen am Kniegelenk eingesetzt.
Hintergrund
Die ultraschallgesteuerte Blockade des Nervus saphenus im Adduktorenkanal wurde 2009 beschrieben. Der Adduktorenkanalblock ist überwiegend sensibel. Im Vergleich zum Femoralisblock bleibt die Kraft des Musculus quadriceps femoris nach Knie-TEP besser erhalten, bei vergleichbarer Schmerzlinderung. Je nach Punktionshöhe wird zwischen einer proximalen Injektion im Trigonum femorale und dem eigentlichen Adduktorenkanalblock weiter distal unterschieden.
Anatomie
Der Adduktorenkanal verläuft an der Innenseite des Oberschenkels von der Spitze des Trigonum femorale bis zur Kniekehle. Er enthält die Arteria femoralis, die Vena femoralis und den Nervus saphenus und wird ventral vom Musculus sartorius bedeckt. Neben dem Nervus saphenus kann auch der Nervenast zum Musculus vastus medialis mitblockiert werden.
Indikationen
Mögliche Indikationen sind:
- postoperative Analgesie nach Eingriffen am Kniegelenk, z.B. Knie-TEP oder Kreuzbandplastik
- in Kombination mit einem Poplitealblock bei Eingriffen am Unterschenkel, Sprunggelenk und Fuß
Die S3-Leitlinie „Prävention und Therapie der Gonarthrose“ berücksichtigt den Adduktorenkanalblock als motorisch schonendere Alternative zum Femoralisblock zur perioperativen Analgesie bei Knieendoprothesenimplantation.[1]
Vorgehen
Der Patient befindet sich in Rückenlage, das Bein ist leicht nach außen gedreht. Der Block wird ultraschallgesteuert in In-Plane-Technik durchgeführt. Verwendet wird ein Linearschallkopf. Das Vorgehen umfasst folgende Schritte:
- die Punktionsstelle wird mit Desinfektionsmittel abgewaschen und steril abgedeckt
- im Bereich der Einstichstelle erfolgt eine Lokalanästhesie
- der Schallkopf wird quer an der Innenseite des Oberschenkels etwa auf Höhe der Oberschenkelmitte aufgesetzt; die Spitze des Trigonum femorale wird am Zusammentreffen der medialen Ränder von Musculus sartorius und Musculus adductor longus identifiziert. Die Injektionsstelle für den Adduktorenkanalblock liegt distal davon und proximal des Hiatus adductorius.[2]
- im Ultraschallbild werden der Musculus sartorius, darunter die Arteria femoralis sowie der Musculus vastus medialis identifiziert
- die Kanüle wird von lateral nach medial vorgeschoben, bis die Spitze unterhalb des Musculus sartorius neben der Arteria femoralis liegt
- nach negativer Aspiration wird das Lokalanästhetikum (ca. 10 bis 20 ml[3], z.B. Ropivacain) fraktioniert injiziert
Komplikationen
Mögliche Komplikationen sind:
- Schwäche des Musculus quadriceps femoris, v.a. bei proximaler Punktion oder großen Volumina (Sturzgefahr)
- Gefäßpunktion, Hämatom
- Lokalanästhetika-Intoxikation
- Infektion
- Nervenverletzung (selten)
Kontraindikationen
Kontraindikationen sind:
- Ablehnung durch den Patienten
- Infektion im Bereich der Punktionsstelle
- Allergie gegen Lokalanästhetika
- relative Kontraindikation: Gerinnungsstörungen
Einschränkungen
Der Adduktorenkanalblock erfasst posterior gelegene Schmerzanteile am Knie nur unzureichend; für eine suffiziente Analgesie nach Knieeingriffen kann daher eine Ergänzung durch ein weiteres Verfahren erforderlich sein.[4] Die Wirksamkeit kann zudem durch anatomische Variationen und eine unzureichende Ausbreitung des Lokalanästhetikums eingeschränkt sein, wodurch Blockversager oder nur partielle Blockaden möglich sind.[5] Die motorische Schonung ist nicht in jedem Fall vollständig; sie hängt von der Punktionshöhe und vom Injektionsvolumen ab, da bei proximaler Lage oder größeren Volumina eine proximale Ausbreitung mit Mitblockade motorischer Fasern des Quadrizeps auftreten kann.[6][7]
siehe auch: Femoralisblock, Poplitealblock, Nervus saphenus
Literatur
- Manickam B, Perlas A, Duggan E et al. Feasibility and efficacy of ultrasound-guided block of the saphenous nerve in the adductor canal. Reg Anesth Pain Med, 2009
- Jæger P et al. Adductor Canal Block Versus Femoral Nerve Block for Analgesia After Total Knee Arthroplasty: A Randomized, Double-blind Study. Reg Anesth Pain Med, 2013
Quellen
- ↑ DGOU: S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Gonarthrose, AWMF-Registernummer 187-050, Version 5.0, Stand 12.07.2024, abgerufen am 14.10.2026
- ↑ El-Boghdadly et al., Standardizing nomenclature in regional anesthesia: an ASRA-ESRA Delphi consensus study of upper and lower limb nerve blocks, Reg Anesth Pain Med, 2024
- ↑ Moon und Lin, Adductor Canal Block, OpenAnesthesia, 2025, abgerufen am 14.10.2026
- ↑ Lv, Adductor canal block combined with local infiltration analgesia versus isolated adductor canal block in reducing pain and opioid consumption after total knee arthroplasty: a systematic review and meta-analysis, Journal of Orthopaedics and Traumatology, 2020
- ↑ Clinical Implications of Anatomical Variations in Nerves and ..., PMC, 2025
- ↑ Subsartorial (Adductor Canal Block), Subsartorial (Adductor Canal Block), abgerufen am 14.10.2026
- ↑ The implications of local anesthetic volume in adductor canal blockade: An integrative review, The implications of local anesthetic volume in adductor canal blockade, abgerufen am 14.10.2026