Zusatzweiterbildung Balneologie und Medizinische Klimatologie
Definition
Die Zusatzweiterbildung Balneologie und Medizinische Klimatologie vermittelt Kenntnisse und Fertigkeiten zur ärztlichen Anwendung balneologischer und klimatologischer Verfahren. Dazu gehören Therapien mit Heilwässern, Peloiden, Heilgasen und klimatischen Umweltfaktoren.
Hintergrund
Die Balneologie und Medizinische Klimatologie ist im deutschen Kur- und Rehabilitationswesen als eigenständiger ärztlicher Versorgungsbereich etabliert. Sie nutzt ortsgebundene natürliche Heilmittel und klimatische Reize als Bestandteil ambulanter und stationärer Therapiekonzepte – überwiegend bei chronischen Erkrankungen. Bei Tätigkeit in einem amtlich anerkannten Kurort kann, je nach Landesärztekammer, nach Abschluss der Weiterbildung die Bezeichnung "Badearzt" oder "Kurarzt" geführt werden.
Zielsetzung
Die Zusatzweiterbildung qualifiziert zur Durchführung balneologischer und klimatologischer Therapieverfahren. Vermittelt werden Kompetenzen zur Indikationsstellung, Therapieplanung, Verordnung, Überwachung und Dokumentation kurortmedizinischer Maßnahmen sowie ihrer sozialmedizinischen Beurteilung.
Weiterbildung
Die Zusatzweiterbildung Balneologie und Medizinische Klimatologie ist in der (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 der Bundesärztekammer geregelt.
Weiterbildungsablauf
Erforderlich sind:
- Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung
zusätzlich erforderlich
- 40 Stunden Kursweiterbildung Balneologie gemäß Kursbuch der Bundesärztekammer
- 40 Stunden Kursweiterbildung Medizinische Klimatologie und Lichttherapie
In einigen Ärztekammern (z.B. Rheinland-Pfalz) ist — neben der Kursweiterbildung — lediglich eine 24-monatige Weiterbildung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung erforderlich.
Weiterbildungsinhalt
Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten insbesondere in:
- Grundlagen der Balneologie einschließlich Wirkmechanismen von Heilwässern, Peloiden, Gasen und klimatischen Reizen
- Indikationsstellung und Kontraindikationen balneologischer und klimatologischer Therapien
- Balneotherapeutische Verfahren wie Bäder, Trinkkuren, Inhalationen, mineralhaltigen Schlammpackungen und Peloidtherapie
- Grundlagen der Medizinischen Klimatologie einschließlich Höhen-, Meeres- und Reizklimatherapie
- Therapie chronischer Erkrankungen des Bewegungsapparates, insbesondere degenerative und entzündliche Gelenkerkrankungen
- Balneologische Therapie bei dermatologischen Erkrankungen wie Psoriasis, atopischer Dermatitis und chronischen Ekzemen
- Anwendung bei Atemwegserkrankungen, insbesondere Asthma bronchiale und COPD
- Grundlagen der Kurmedizin und medizinischen Rehabilitation einschließlich sozialmedizinischer Bewertung
- Therapieplanung, Verlaufskontrolle und Dokumentation balneologischer Maßnahmen
- Kenntnisse zu Nebenwirkungen, Risiken und Limitationen naturheilkundlicher Verfahren
Darüber hinaus umfasst die Weiterbildung:
- Bewertung der Evidenzlage balneologischer und klimatologischer Therapien
- Integration naturheilkundlicher Verfahren in multimodale Therapiekonzepte
- Kenntnisse der relevanten Rechtsgrundlagen, insbesondere im Kur- und Rehabilitationswesen
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Physiotherapie, Rehabilitation, Dermatologie, Pneumologie und Orthopädie
Literatur
- BÄK: Zusatzweiterbildung Balneologie und Medizinische Klimatologie
- Verband Deutscher Badeärzte: Kursinhalte Zusatzbezeichnung „Balneologie und Medizinische Klimatologie