Trinkkur
Synonyme: Heilwassertherapie, Brunnenkur, Heilquellenkur, balneologische Trinktherapie
Definition
Eine Trinkkur ist eine balneologische Therapieform mit regelmäßiger oraler Aufnahme von natürlichem Heilwasser über einen definierten Zeitraum. Sie erfolgt überwiegend in anerkannten Kurorten mit staatlich geprüften Heilquellen. Die Anwendung ist Bestandteil der klassischen Kurmedizin.
Hintergrund
Heilwässer sind natürliche Wässer mit definiertem Gehalt an Mineralstoffen, Spurenelementen oder gelösten Gasen. Die Zusammensetzung bleibt über längere Zeit konstant. Relevante Inhaltsstoffe sind unter anderem Hydrogencarbonat, Sulfat, Calcium, Magnesium, Natrium, Eisen und Kohlendioxid. Die Wirkung wird über resorptive, sekretorische und motilitätsmodulierende Effekte im Gastrointestinaltrakt vermittelt.
Die Trinkkur ist historisch seit dem 19. Jahrhundert in der europäischen Bäder- und Kurtradition verankert. Rechtliche Grundlage in Deutschland ist das Arzneimittelgesetz für als Arzneimittel zugelassene Heilwässer. Die Anerkennung als Heilquelle erfolgt durch landesrechtliche Regelungen nach hydrogeologischer und medizinischer Prüfung.
Indikationen
Indikationen sind z.B.
- funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen, chronische Obstipation und funktionelle Dyspepsie
- Erkrankungen der ableitenden Harnwege mit Neigung zu Harnsteinbildung
- leichte Hyperurikämie eingesetzt
Durchführung
Die Trinkkur erfolgt über mehrere Wochen mit täglich mehrfacher Einnahme definierter Mengen Heilwasser. Die Dosierung richtet sich nach Indikation, Mineralisation und individueller Verträglichkeit. Die Einnahme erfolgt meist nüchtern oder zu festgelegten Zeitpunkten vor Mahlzeiten. Die Anwendung ist häufig in ein kurärztlich begleitetes Gesamtkonzept eingebunden.
Kontraindikationen
Kontraindikationen sind dekompensierte Herzinsuffizienz und schwere Niereninsuffizienz. Bei ausgeprägter Hypertonie oder Ödemen ist eine zurückhaltende Indikationsstellung erforderlich. Stark mineralisierte Wässer können bei bestimmten Stoffwechselstörungen kontraindiziert sein.
Evidenz
Die Evidenz zur Trinkkur ist indikationsabhängig und insgesamt begrenzt. Für magnesium- und sulfathaltige Heilwässer bestehen randomisierte Studien mit moderatem Evidenzniveau zur Verbesserung der chronischen Obstipation. Für Dyspepsie und metabolische Indikationen überwiegen Beobachtungsstudien mit heterogener Qualität. Leitlinien führen bei Obstipation magnesiumreiches Mineralwasser als supportive Maßnahme auf, sprechen jedoch keine generelle Empfehlung für strukturierte Trinkkuren aus
Literatur
- Heilbäder Verband: Die Trinkkur
- Deutsche Heilbrunnen: Heilwasser-Trinkkur