Dentition
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
Loslegenvon lateinisch: dentire - Zahnen, Zähne bekommen
Synonym: Zahnen, Zahndurchbruch
Englisch: tooth eruption
Definition
Hintergrund
Sowohl der Mensch, als auch die meisten Säugetiere, vollziehen während ihres Lebens zwei Dentitionen. Etwa sechs bis neun Monate nach der Geburt beginnt beim Säugling die 1. Dentition ("lacteale Dentition"). In dieser Phase brechen die Milchzähne durch. Um das 6. Lebensjahr herum beginnt die 2. Dentition ("permanente Dentition") mit dem Verlust der Milchzähne und dem Durchbruch des bleibenden Gebisses.
Ablauf
Erste Dentition
Der Zeitpunkt des Durchbruchs der Zähne des Milchgebisses kann von Mensch zu Mensch erheblich variieren. Selten (1:2.000) können bereits bei der Geburt Zähne sichtbar sein. Es brechen typischerweise als erstes die Schneidezähne (Inzisivi) der Mandibula mit einem durchschnittlichen Alter von 8 Monaten durch. Gefolgt werden sie von den maxillären Schneidezähnen. Erst anschließend brechen die Backen- (Molaren) und Eckzähne (Canini) aus. Die Zahnung ist erst mit dem Durchbruch der zweiten Molaren vollständig, die durchschnittlich in einem Alter von 29 Monaten erfolgt.
Die von der Dentition verursachten Symptome wie Unruhe, Schmerzen und vermehrter Speichelfluss fasst man unter dem Begriff Dentitio difficilis zusammen.
| Lebensmonat ø | Intervall | Zähne |
|---|---|---|
| 8 | 6-10 | untere mittlere Inzisivi |
| 10 | 8-12 | obere mittlere Inzisivi |
| 11 | 9-13 | obere seitliche Inzisivi |
| 13 | 10-16 | untere seitliche Inzisivi |
| 16 | 13-19 | erste obere Molaren |
| 16 | 14-18 | erste untere Molaren |
| 19 | 16-22 | obere Canini |
| 20 | 17-23 | untere Canini |
| 27 | 23-31 | zweite untere Molaren |
| 29 | 25-33 | zweite obere Molaren |
Zweite Dentition
Das bleibende Gebiss entsteht i.d.R. zunächst an den ersten Molaren im Alter von 6-7 Jahren. Anschließend folgen die Schneidezähne. Nach Durchbruch der Prämolaren folgen im Alter von 11-14 Jahren die zweiten Molaren. Die dritten Molaren ("Weisheitszähne") erscheinen meist im Alter von 17-21 Jahren. Wenn sie nicht oder nur unvollständig in die Mundhöhle durchbrechen, bezeichnet man sie als retinierte Weisheitszähne. Je nach verfügbarem Platz im Ober- oder Unterkiefer können sie Beschwerden verursachen und müssen bei manchen Patienten entfernt werden.
| Lebensjahr | Zähne Unterkiefer | Zähne Oberkiefer |
|---|---|---|
| 6-7 | Erste Molaren | |
| 6-8 | Erste Inzisivi | |
| 7-9 | Zweite Inzisivi | |
| 10-13 | Canini | Erste Prämolaren |
| 10-12 | Erste Prämolaren | Zweite Prämolaren |
| 11-13 | Zweite Prämolaren | Canini |
| 11-14 | Zweite Molaren | |
| > 16 | Dritte Molaren | |
Klinik
Vorzeitige Dentition
In seltenen Fällen können schon zum Zeitpunkt der Geburt Zähne in der Mundhöhle vorhanden sein (Dentes natales). Dabei unterscheidet man zwischen:
- Dentes praelactales: zahnähnliche Rudimente aus einer vor der Milchzahnentwicklung liegenden prälaktalen, inkompletten Zahnbildung
- Dentitio praecox: vorzeitig durchgebrochene Zähne der ersten Dentition
Assoziierte Grunderkrankungen sind beispielsweise:
- Dentofaziales Syndrom
- Hallerman-Streiff-Francois-Syndrom
- Ellis-van-Creveld-Syndrom
- Hyperthyreose
- Hyperpituitarismus
- Sotos-Syndrom
Verzögerte Dentition
Eine verzögerte Dentition (Dentitio tarda) des Milchgebisses kann verschiedene Ursachen haben. Sie tritt familiär auf, kann aber auch Folge einer Mangelernährung sein. Sie wird außerdem im Rahmen verschiedener Grunderkrankungen beschrieben, so z.B. bei:
- Trisomie 21
- Hypopituitarismus
- Hypothyreose
- ektodermaler Dysplasie
- Achondroplasie
- Epidermolysis bullosa
- Osteopetrose
- Winchester-Syndrom
Weitere Störungen der Zahnentwicklung
- Anodontie: Ein vollständiges Ausbleiben einer Zahnentwicklung nennt man Anodontie. Sie kann auf einzelne Zähne beschränkt sein oder das ganze Gebiss betreffen. Die Anodontie tritt am häufigsten im Rahmen von genetischen Syndromen auf.
- Hypodontie: Fehlen weniger Zähne z.B. im Rahmen von Trisomie 21, Cockayne-Syndrom, Ellis-van-Creveld-Syndrom oder einer ektodermalen Dysplasie.
- Hyperdontie: Die Hyperdontie beschreibt einen Überschuss an Zähnen. Die zusätzlichen Zähne brechen oft zwischen zwei normalen Zähnen durch und können diese verdrängen. Sie können auch im Bereich von Gaumenspalten oder im Rahmen einer Cleidokranialen Dysplasie auftreten.
- Zahnfusion: Bei einer Zahnfusion verschmelzen zwei Zähne zu einem. Es können eine oder zwei Zahnwurzeln vorliegen.
- Makrodontie: Im Verhältnis zum Kiefer zu große Zähne, z.B. bei Trisomie 21 oder Langer-Giedion-Syndrom
- Mikrodontie: Im Verhältnis zum Kiefer zu kleine Zähne
- Amelogenesis imperfecta: Hierbei handelt es sich um eine Gruppe genetisch bedingter Zahnschmelzdysplasien. Strukturbildende Proteine im Schmelz sind fehlerhaft, sodass dieser nicht richtig synthetisiert wird. Folge sind eine erhöhte Temperaturempfindlichkeit, eine verstärkte Kariesneigung und eine gräulich-braune Verfärbung der Zähne.
- Dentinogenesis imperfecta: Eine der Amelogenesis imperfecta ähnliche, autosomal-dominant vererbliche Störung, die auch im Rahmen einer Osteogenesis imperfecta vorkommen kann.
- Dentindysplasie: seltene Störung der Dentinbildung mit atypischer Dentin- und Pulpamorphologie.
- Odontodysplasie: sehr seltene Krankheit, bei der sowohl Zahnschmelz als auch Dentin, Pulpagewebe und Wurzelzement fehlgebildet sind.
Supportive Maßnahmen
Nichtmedikamentöse Maßnahmen
Zur Linderung von Zahnungsbeschwerden bei Säuglingen oder Kleinkindern sollten zunächst nichtmedikamentöse Maßnahmen versucht werden. Dazu zählen:
- Zahnfleischmassage
- Kühlung
- Beißen auf harte Gegenstände (z.B. Beißring)
Dicke kalte Gurkenscheiben können unter Aufsicht gekaut werden. Der Kaudruck erleichtert das Zahnen, die Kälte reduziert die Schmerzen. Die in der Gurke enthaltenen Flavonoide und Cucurbitacine können zusätzlich entzündungshemmend wirken. Allerdings sind Konzentrationen relativ gering und die pharmakologische Wirkung voraussichtlich schwach.
Medikamentöse Maßnahmen
Im Rahmen der Selbstmedikation können verschiedene lokal wirksame oder symptomlindernde Präparate eingesetzt werden.
- Lokalanästhetika wie Lidocain oder Polidocanol können kurzfristig zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, beeinflussen jedoch nicht den Verlauf des Zahndurchbruchs. Lidocain sollte man vor allem bei Säuglingen aufgrund des Risikos einer Methämoglobinämie nur sehr zurückhaltend anwenden. Die FDA hat eine entsprechende Warnung herausgegeben.[1]
- Antiseptika wie Chlorhexidin, Povidon-Iod oder Dequaliniumchlorid können zwar die Keimzahl in der Mundhöhle reduzieren, zeigen jedoch keinen belegten Nutzen bei Zahnungsbeschwerden.
- Bei stärkeren Schmerzen können altersgerecht dosierte Analgetika wie Paracetamol oder Ibuprofen eingesetzt werden.
- Kamillenhaltige Zubereitungen besitzen entzündungshemmende, antibakterielle und wundheilungsfördernde Eigenschaften. Kleine klinische Studien weisen auf eine mögliche Wirksamkeit bei Zahnungsbeschwerden hin.[2]
- Myrrhen- und Ratanhiatinkturen werden traditionell bei entzündlichen Veränderungen der Mundschleimhaut angewendet. Aufgrund ihrer adstringierenden und leicht antiseptischen Eigenschaften können sie lokal symptomlindernd wirken, belastbare Wirksamkeitsnachweise bei Zahnungsbeschwerden liegen jedoch nur eingeschränkt vor.
- Die in der Volksmedizin verwendeten Veilchenwurzeln oder Eibischwurzeln zeigen keinen nachgewiesenen Zusatznutzen. Aufgrund hygienischer Risiken wird von ihrer Anwendung abgeraten.
- Bei irritierter oder verletzter Mundschleimhaut können salbeihaltige Präparate unterstützend angewendet werden.
Für homöopathische Präparate liegt keine klinische Evidenz für eine Wirksamkeit bei Zahnungsbeschwerden vor.
Quellen
- ↑ Vorsicht bei Lidocain-Präparaten für zahnende Kinder. Pharmazeutische Zeitung 02.07.2014, abgerufen am 22.5.2026
- ↑ Ebrahimi S, Ashkani S: A comparison of chamomile and placebo in relieving teething symptoms. Archives of Disease in Childhood 2008;93:pw308.