Trisomie 8
Synonyme: Warkany-Syndrom 2, Mosaik-Trisomie 8
Englisch: trisomy 8
Definition
Die Trisomie 8 ist eine numerische Chromosomenaberration, bei der das Chromosom 8 in dreifacher statt zweifacher Ausführung vorliegt.
Differenzierung
Die Trisomie 8, kann als sogenannte freie Trisomie vorliegen, bei der das zusätzliche Chromosom in allen Körperzellen nachweisbar ist (Karyotyp: 47,XX,+8 bzw. 47,XY,+8). Sie ist meist meiotischen Ursprungs.
Wesentlich häufiger ist die Mosaik-Trisomie 8, bei der nur ein Teil der Zellen das überzählige Chromosom trägt. Diese ist meist miotischen, d.h. postzygotischen) Ursprungs (46,XX/47,XX,+8 bzw. 46,XY/47,XY,+8).
Daneben ist auch das Phänomen des Ringchromosom-8-Syndroms beschrieben. Hierbei handelt es sich um eine strukturelle Chromosomenanomalie, bei der ein Chromosom an beiden Enden bricht und sich zu einem Ring schließt. Dies kann zu einem mosaikartigen oder nicht-mosaikartigen überzähligem Ring- oder Markerchromosom (r(8)/mar(8)) führen.
Epidemiologie
Die freie Trisomie 8 ist mit dem Leben in der Regel nicht vereinbar und führt meist zum frühen Abort. Lebendgeburten betreffen fast ausschließlich Mosaikformen. Die Prävalenz der Mosaik-Trisomie 8 wird auf etwa 1:25.000 bis 1:50.000 Lebendgeborene geschätzt, wobei männliche Neugeborene häufiger betroffen sind als weibliche.
Ätiologie
Die konstitutionelle Trisomie 8 entsteht in der Regel durch eine Non-Disjunction während der Meiose oder durch einen mitotischen Fehler in der frühen Embryonalentwicklung. Sie tritt sporadisch auf und zeigt keine familiäre Häufung. Ein höheres mütterliches Alter scheint im Gegensatz zu anderen Trisomien kein wesentlicher Risikofaktor zu sein.
Davon abzugrenzen ist die erworbene klonale Trisomie 8 hämatopoetischer Stammzellen. Sie zählt zu den häufigsten zytogenetischen Veränderungen beim myelodysplastischen Syndrom (MDS) und kann auch bei akuter myeloischer Leukämie (AML), bei myeloproliferativen Neoplasien sowie bei der chronischen myeloischen Leukämie auftreten.
Klinik
Das klinische Bild ist insbesondere bei der Mosaik-Trisomie 8 sehr variabel und korreliert grob mit dem Anteil trisomer Zellen im jeweiligen Gewebe. Bei niedrigem Mosaikanteil kann die Entwicklung weitgehend unauffällig verlaufen.
Pränatale Auffälligkeiten
Im pränatalen Ultraschall können verschiedene Hinweise auf eine Trisomie 8 zu erkennen sein:
- angeborene Herzfehler
- renale Fehlbildungen, Hydronephrose
- Fehlbildungen der Extremitäten (z.B. Polydaktylie, Syndaktylie)
- vertebrale Anomalien wie Skoliose, Kyphose, Lordose und Blockwirbel
- Klinodaktylie, Kamptodaktylie, Brachydaktylie
- mandibuläre Retrognathie
- Aplasie oder Hypoplasie der Patella
- vergrößerte Nackentransparenz
Postnatale Auffälligkeiten
Postnatal sind unter anderem folgende Befunde beschrieben:
- Arthrogryposis
- Spina bifida occulta
- tiefe Plantar- und Palmarfurchen, Sandalenfurche, Vierfingerfurche (bei etwa 75 % der Betroffenen)
- tief ansetzende, große Ohren mit hypoplastischer Anthelix
- hohe Stirn, kurzer Hals, schmale abfallende Schultern
- langer Thorax mit Anomalien der Rippenzahl und -breite
- akzessorische Mamillen
- gotischer Gaumen, Gaumenspalte
- volle, evertierte Unterlippe
- Hypotelorismus, Ptosis, Strabismus, breite Nasenwurzel
- leichte bis mittelschwere Intelligenzminderung
Diagnostik
Die definitive Diagnose erfolgt zytogenetisch durch Karyotypisierung, ggf. ergänzt durch Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) oder Array-CGH zur Quantifizierung des Mosaikanteils.
Pränatal kommen Amniozentese und Chorionzottenbiopsie zum Einsatz. Bei der Chorionzottenbiopsie ist zu berücksichtigen, dass eine Mosaik-Trisomie 8 plazentabegrenzt auftreten kann (confined placental mosaicism), sodass das Ergebnis nicht zwangsläufig den fetalen Karyotyp widerspiegelt. Ein auffälliger Befund sollte daher durch eine Amniozentese verifiziert werden.
Differentialdiagnose
Differentialdiagnostisch sind weitere Chromosomenanomalien sowie Syndrome mit ähnlichen kraniofazialen und skelettalen Auffälligkeiten abzugrenzen.
Therapie
Eine kausale Therapie ist nicht möglich. Im Vordergrund steht die symptomorientierte, multidisziplinäre Betreuung mit kardiologischer, orthopädischer, urologischer und neuropädiatrischer Mitbeurteilung sowie früher entwicklungsneurologischer Förderung.
Prognose
Die Prognose hängt entscheidend vom Mosaikanteil und vom Schweregrad der Organfehlbildungen, insbesondere kardialer und renaler Anomalien, ab. Bei niedrigem Mosaikanteil ist eine annähernd normale körperliche und kognitive Entwicklung möglich.
Literatur
- Murken J et al. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik. Thieme Verlag.
- Riccardi VM. Trisomy 8: an international study of 70 patients. Birth Defects Orig Artic Ser. 1977;13(3C):171-184.
- Orphanet – Trisomie 8 Mosaik, abgerufen am 11.05.2026