Faktor III
Synonyme: Gewebethromboplastin, CD142
Englisch: tissue factor
Definition
Der Faktor III bzw. Gewebefaktor ist ein Glykoprotein aus der Gruppe der Gerinnungsfaktoren.
Biochemie
Der Gewebefaktor gehört zur Familie der Zytokinrezeptoren. Er besteht aus drei Domänen:
- Extrazelluläre Domäne aus 2 Fibronectin-Modulen; bindet durch Protein-Protein-Interaktion an aktiviertes Proconvertin (Faktor VIIa)
- Transmembrandomäne
- Intrazelluläre Domäne mit einer Länge von 21 Aminosäuren; übernimmt die Signalübertragung in das Zellinnere
Genetik
Der Genlokus des F3-Gens befindet sich auf Chromosom 1 (p22-p21).
Physiologie
Faktor III ist Teil des extrinsischen Systems der Blutgerinnung. Er ist ein Membranrezeptor für aktiviertes Proconvertin (Faktor VIIa), der auf den Zellmembranen im subendothelialen Gewebe vorkommt. Hier wird der Rezeptor von Zellen exprimiert, die normalerweise nicht mit fließendem Blut in Verbindung stehen (glatte Muskulatur, Fibroblasten). Im Gegensatz zu vielen anderen Faktoren der Blutgerinnung, die erst aktiviert werden müssen, ist der Gewebefaktor sofort biologisch wirksam.
Der Komplex aus Faktor III und Proconvertin katalysiert die Umwandlung des inaktiven Stuart-Prower-Faktors (Faktor X) in aktivierten Faktor Xa. Faktor Xa aktiviert wiederum die Umwandlung von Prothrombin (Faktor II) zu Thrombin und leitet damit die Blutgerinnung ein. Darüber hinaus wird durch den III/VIIa-Komplex auch noch Faktor IX zu IXa aktiviert, was den so genannten Josso-Loop anstößt.
Pathophysiologie
Bei Entzündungsprozessen können auch Leukozyten und Endothelzellen Faktor III auf ihren Zellmembranen exprimieren, wenn sie in Kontakt mit TNF-alpha kommen.
Faktor III wird von vielen soliden Tumoren exprimiert, u.a. von Ovarialkarzinomen, Prostatakarzinomen, Blasenkarzinomem, Ösophaguskarzinomen, Endometriumkarzinomen und Bronchialkarzinomen. Er ist dabei in eine Reihe pathologischer Prozesse involviert, zum Beispiel in das Tumorwachstum, die Metastasierung und die Neoangiogenese. Faktor III kann beispielsweise die Angiogenese fördern, indem er die Expression des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors (VEGF) stimuliert oder an diesen bindet und dadurch die Tumorproliferation sowie die Invasivität verstärkt.
Außerdem stimuliert Faktor III die Freisetzung von Matrix-Metalloproteinasen (MMPs), welche die extrazelluläre Matrix (ECM) des umgebenden Gewebes abbauen. So wird die Invasion von Tumorzellen in benachbarte Gewebe sowie ihre Metastasierung in entfernte Organe erleichtert. Zusätzlich verstärkt Faktor III Entzündungsreaktionen im Tumormikromilieu, indem er die Aktivierung und Adhäsion von Thrombozyten fördert, was die Tumorprogression weiter beschleunigt.[1]
Darüber hinaus können Tumorzellen Gewebefaktor-positive Mikropartikel freisetzen, die im Blutkreislauf Thromboembolien auslösen.[2]
Klinik
Ein Immunkonjugat, das Faktor III auf der Oberfläche von Tumorzellen als Target für die Zytostatikatherapie verwendet, ist Tisotumab-Vedotin.
Quellen
- ↑ Wang et al., Antibody–Drug Conjugates (ADCs): current and future biopharmaceuticals, Journal of Hematology & Oncology, 2025
- ↑ Kasthuri et al., Role of tissue factor in cancer, J Clin Oncol., 2009