Thalamusblutung
Synonyme: Thalamische Blutung, thalamische intrazerebrale Blutung
Englisch: thalamic hemorrhage
Definition
Die Thalamusblutung ist eine Form der tiefen intrazerebralen Blutung (ICB), bei der die Einblutung in das Thalamusgewebe erfolgt. Sie macht etwa 10 bis 15 % aller spontanen intrazerebralen Blutungen aus.
Ätiologie
Die häufigste Ursache einer spontanen Thalamusblutung ist die hypertensive Mikroangiopathie. Durch langjährig unzureichend eingestellten arteriellen Hypertonus kommt es zu degenerativen Veränderungen (Lipohyalinose) der kleinen, den Thalamus versorgenden Gefäße (z.B. Arteriae thalami perforantes oder Arteria thalamogeniculata).
Weitere, seltenere Ursachen sind:
Pathophysiologie
Der Thalamus ist eine zentrale Integrationsstruktur für die sensorische Verarbeitung und die Vigilanz. Er liegt in direkter anatomischer Nachbarschaft zur Capsula interna (durch die die motorischen Pyramidenbahnen verlaufen) und zum dritten Hirnventrikel.
Breitet sich ein Hämatom im Thalamus aus, entstehen vor allem zwei Komplikationen: Zum einen führt die Kompression benachbarter Strukturen, insbesondere der Capsula interna, zu motorischen Ausfällen. Zum anderen kommt es aufgrund der Nähe zum Ventrikelsystem häufig zu einem Ventrikeleinbruch (über 50 % der Fälle) mit Bildung von Blutkoageln. Sie können einen akuten Verschlusshydrozephalus mit potenziell lebensbedrohlicher Hirndrucksteigerung verursachen.
Klinik und Symptome
Die Symptomatik tritt schlagartig auf. Das klinische Bild ist durch die direkte Zerstörung des Thalamus und die Kompression der Capsula interna geprägt. Es kann in Form eines Thalamussyndroms auftreten. Typische Symptome sind:
- kontralaterale Hemiparese durch Druck auf die Capsula interna
- kontralaterale Hemihypästhesie
- okulomotorische Störungen, z.B. vertikale Blickparesen, Pupillenveränderungen und/oder eine Schielstellung
- Vigilanzminderung, z.B. bei zunehmendem Hirndruck oder die direkte Mitbeteiligung des aufsteigenden retikulären aktivierenden Systems (ARAS) bis hin zum Koma
Diagnostik
Goldstandard in der Akutdiagnostik ist die native kraniale Computertomographie (cCT). Hier zeigt sich die Blutung sofort als hyperdense Raumforderung im Thalamus. Zudem kann ein eventueller Ventrikeleinbruch oder ein beginnender Hydrozephalus diagnostiziert werden. In vielen Fällen erfolgt ergänzend eine CT-Angiographie zur Beurteilung möglicher vaskulärer Ursachen sowie zur Abschätzung des Nachblutungsrisikos (z.B. "Spot Sign").
Therapie
Die Therapie erfolgt auf einer Stroke Unit oder auf einer neurologischen bzw. neurochirurgischen Intensivstation. Die konservative Therapie beinhaltet ein Blutdruckmanagement (Zielwert meist systolisch < 140 mmHg, um eine Nachblutung zu verhindern), die Antagonisierung einer eventuellen Antikoagulation sowie eine hirndrucksenkende Therapie (z.B. Oberkörperhochlagerung, Analgosedierung).
Im Gegensatz zu lobären Blutungen ist die offene chirurgische Ausräumung einer Thalamusblutung aufgrund der tiefen Lage meist nicht zielführend. Bei einem Ventrikeleinbruch mit klinisch relevantem Hydrozephalus und/oder Zeichen der intrakraniellen Drucksteigerung ist die Anlage einer externen Ventrikeldrainage (EVD) zur Ableitung des Liquors und zur Hirndrucksenkung indiziert.