Temocillin
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LoslegenHandelsname: Temopen®
Definition
Temocillin ist ein parenteral angewendetes, bakterizides Betalaktamantibiotikum aus der Gruppe der Penicilline. Es besitzt ein schmales, vorwiegend gegen aerobe gramnegative Bakterien gerichtetes Wirkspektrum und ist gegenüber zahlreichen Extended-Spectrum-Betalaktamasen (ESBL) und AmpC-Betalaktamasen stabil.
Chemie
Bei Temocillin handelt es sich um 6-Methoxy-Ticarcillin. Die Summenformel lautet C16H18N2O7S2. Die molekulare Masse beträgt 414,45 g/mol.
Wirkmechanismus
Temocillin hemmt wie andere Betalaktamantibiotika die Zellwandsynthese von Bakterien. Der α-Methoxyrest von Temocillin blockiert den Eintritt eines Wassermoleküls in das aktive Zentrum der Betalaktamase und verhindert so die Aktivierung von Serin und damit die Hydrolyse.
Die Bindung von Temocillin an viele Penicillin-bindende Proteine (PBP) ist beeinträchtigt, was eine mangelnde Aktivität gegen grampositive Bakterien erklärt.
Wirkspektrum
Das Wirkspektrum von Temocillin ist weitgehend auf aerobe gramnegative Bakterien, insbesondere Enterobacterales, beschränkt. Auch zahlreiche ESBL- und AmpC-produzierende Stämme können empfindlich sein. Gegen grampositive Bakterien, Anaerobier, Pseudomonas aeruginosa und Acinetobacter spp. besteht keine klinisch relevante Wirksamkeit. Bei einzelnen Spezies, darunter der Burkholderia-cepacia-Komplex, kann erworbene Resistenz häufig auftreten. Die Anwendung sollte daher auf Grundlage einer Empfindlichkeitsprüfung erfolgen.
Indikation
Temocillin ist bei Erwachsenen und Kindern zur Behandlung folgender, durch empfindliche gramnegative Bakterien verursachter Infektionen zugelassen:[1]
- komplizierte Harnwegsinfektionen und akute Pyelonephritis
- Infektionen der unteren Atemwege einschließlich nosokomialer Pneumonien
- akute Haut- und Weichteilinfektionen
- Bakteriämien, die mit einer der genannten Infektionen in Zusammenhang stehen oder bei denen ein solcher Zusammenhang vermutet wird
Die offiziellen Empfehlungen zum sachgerechten Einsatz von Antibiotika sind zu berücksichtigen. Die S3-Leitlinie zu unkomplizierten Harnwegsinfektionen nennt Temocillin als Mittel der zweiten Wahl bei schweren Verläufen einer akuten unkomplizierten Pyelonephritis bei prämenopausalen Frauen ohne sonstige Begleiterkrankungen.[2]
Darreichungsformen
Temocillin liegt als Pulver zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung vor.
Dosierung
Bei Erwachsenen mit normaler Nierenfunktion beträgt die Standarddosis 4 g pro Tag, aufgeteilt auf zwei Verabreichungen. Insbesondere bei schwer kranken Patienten kann eine Hochdosis von 6 g pro Tag in drei Verabreichungen oder als intravenöse Dauerinfusion eingesetzt werden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist eine Dosisanpassung anhand der Kreatinin-Clearance erforderlich.[3]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Pharmakokinetik
Temocillin weist nach intravenöser Injektion eine Eliminationshalbwertszeit von etwa 4,5 Stunden auf. Die Bindung an Plasmaproteine ist konzentrationsabhängig und beträgt bei einer Plasmakonzentration von 16 mg/l ungefähr 85 %.[4] Es wird kaum metabolisiert und überwiegend unverändert renal ausgeschieden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion verlängert sich die Halbwertszeit deutlich.
Nebenwirkungen
Zu den möglichen unerwünschten Arzneimittelwirkungen zählen:
- allergische Reaktionen bis zur Anaphylaxie
- Phlebitis und Thrombophlebitis nach intravenöser Gabe
- Krampfanfälle beziehungsweise neurotoxische Reaktionen, insbesondere bei hoher Dosierung oder Niereninsuffizienz
- antibiotikaassoziierte Diarrhö und pseudomembranöse Kolitis
Zulassung
Temocillin wurde in den 1980er Jahren von Beecham Pharmaceuticals in Großbritannien entwickelt und zum ersten Mal unter dem Namen Negaban® vermarktet. Sein Einsatz war jedoch limitiert, da es gegen grampositive Bakterien, Anaerobier und Pseudomonas aeruginosa nur gering wirksam ist.
Aufgrund der wachsenden Resistenzlage gewinnt Temocillin jedoch wieder zunehmend an Bedeutung. Daher wurde Temocillin sowohl von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) als auch von der Food and Drug Administration (FDA) ein Orphan Drug-Status zuerkannt für die Behandlung von Infektionen, die durch Burkholderia cepacia bei Patienten mit Mukoviszidose verursacht werden. Seit 1. Oktober 2019 ist Temocillin in Deutschland unter dem Namen Temopen® von der Firma Eumedica im Handel.
Quellen
- ↑ Fachinformation Temopen 2 g, Stand Mai 2025, Abschnitt 4.1, abgerufen am 09.09.2026
- ↑ S3-Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen, Version 3.0, Empfehlung 11.14, abgerufen am 09.09.2026
- ↑ Fachinformation Temopen 2 g, Stand Mai 2025, Abschnitt 4.2, abgerufen am 09.09.2026
- ↑ Fachinformation Temopen 2 g, Stand Mai 2025, Abschnitt 5.2, abgerufen am 09.09.2026