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Stimmungsstabilisierer

Synonym: Phasenprophylaktikum
Englisch: mood-stabilizer

1 Definition

Stimmungsstabilisierer bzw. Phasenprophylaktika sind Psychopharmaka, die im Rahmen der Therapie bipolarer Störungen zum Einsatz kommen, um weitere Rezidive zu verhindern.

2 Substanzen

Als Stimmungsstabilisierer finden u.a. folgende Medikamente Anwendung:

3 Wirkmechanismen

3.1 Lithium

Lithium ist wohl der bekannteste Vertreter aus der Gruppe der mood-stabilizer. Es kann manchmal jedoch Monate bis Jahre dauern, bis der volle phasenprophylaktische Effekt einsetzt. Lithium besitzt auch antidepressive Eigenschaften, die Kombination mit Antidepressiva kann zu einer Augmentation der thymoleptischen Wirkung führen. Außerdem ist Lithium das wirksamste Mittel zur Suizidprophylaxe.

Je früher eine Lithiumtherapie angesetzt wird, desto wirksamer ist sie. Nach Absetzen der Lithiumtherapie ist das Rückfallrisiko höher, als in einem Therapieregime ganz ohne Lithiumgabe. Die Beendigung einer Lithiumprophylaxe muss ausschleichend erfolgen, am besten wird die stimmungsstabilisierende Therapie mit anderen Phasenprophylaktika fortgesetzt.

3.2 Antikonvulsiva

Die therapeutische Zielscheibe der antikonvulsiv wirkenden Phasenprophylaktika ist v.a. die Manie. Substanzen wie Carbamazepin, Valproinsäure, Lamotrigin wirken neben der Blockierung spannungsabhängiger Natrium-Kanäle und der Erhöhung der Kaliumleitfähigkeit über die Verstärkung der GABAergen Neurotransmission.

GABA ist der wichtigste und am häufigsten vorkommende inhibitorische Neurotransmitter im ZNS. Pharmaka, die die zerebrale GABA-Konzentrazion erhöhen (via Agonismus an den GABA-Rezeptoren oder mittels Inhibition der Wiederaufnahme aus dem synaptischen Spalt) wirken dämpfend und dadurch auch antimanisch. Die neuronale Hyperreagibilität und zelluläre Exzitabilität werden attenuiert.

Auf der Verhaltensebene kommt es zur Linderung manischer Symptome (Reizbarkeit, psychomotorische Unruhe, Agitiertheit etc.). Die beste phasenprophylaktische Wirksamkeit unter den Antikonvulsiva ist für Carbamazepin nachgewiesen.

3.3 Antipsychotika

Unter den Antipsychotika ist Olanzapin das Mittel der ersten Wahl, in seiner antimanischen Wirksamkeit war Olanzapin in einer 12-monatigen Studie dem Goldstandard Lithium überlegen.

Konventionelle Antipsychotika sollten als Phasenprophylaktika vermieden werden. Sie haben zwar einen ausgeprägten antimanischen Effekt, können jedoch häufig Depressionen induzieren. AAPs wie Olanzapin und Quetiapin verfügen auch über eine antidepressive Wirkung. Patienten, deren manische Episoden auf AAP ansprechen, können auch prophylaktisch mit diesen weiter therapiert werden.

3.4 Antidepressiva

Antidepressiva sind Mittel der ersten Wahl zur Phasenprophylaxe unipolarer Depressionen. Aus der Gruppe der Antidepressiva sollten jedoch die TZA möglichst vermieden werden, da sie das Risiko für ein Rapid Cycling erhöhen und auch manische Episoden induzieren können. Daher sollte den SSRI Vorzug gegeben werden.

3.5 Benzodiazepine

Benzodiazepine können adjuvant zur Symptombeherrschung sowohl bei manischen, als auch bei depressiven Episoden verschrieben werden. Die beste antimanische Wirksamkeit scheint Clonazepam zu haben. Benzodiazepine sind zur Phasenprophylaxe weniger geeignet, sind aber in akuten Phasen gut wirksam.

4 Zusammenfassung

Nach Auffassung einiger Autoren sollte eine phasenprophylaktische Therapie schon nach einer ersten manischen Episode erfolgen. Bei bipolaren affektiven Störungen beträgt die Lebenszeitrückfallrisoko ca. 95%. Eine Kombination der Pharmakotherapie mit Psychotherapie ist einer Monotherapie mit Medikamenten überlegen.

Fachgebiete: Psychiatrie

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