Spermienfunktionstest
Synonym: Spermienfunktionsdiagnostik
Englisch: sperm function test(ing)
Definition
Spermienfunktionstests sind labormedizinische Verfahren, mit denen im Rahmen von Fertilitätsstörungen die Funktion der Spermien überprüft wird. Sie sind ein Teil der erweiterten Fertilitätsdiagnostik des Mannes.
Indikationen
Spermienfunktionstests kommen vor allem bei persistierender Infertilität mit unauffälligem Spermiogramm, wiederholten Implantationsversagen bei IVF oder idiopathischen habituellen Aborten zum Einsatz. Sie sind kein Bestandteil der Basisdiagnostik.
Übersicht
| Methode | Untersuchungsgegenstand |
| Kapazitationstest | Kapazitation (Reifung) |
| Hyaluronsäure-Bindungstest (HBA) Hemizona-Assay (HZA) |
Interaktion mit Zona pellucida |
| Akrosomreaktionstest (ARIC) | Akrosomreaktion |
| CatSper-Test Hamsterovumpenetrationstest (HOPT), obsolet |
Fusion von Spermium und Eizelle |
| Spermien-Chromatin-Dispersions-Assay (SCD) |
Chromatin |
| Motile Sperm Organelle Morphology Examination (MSOME) | Spermienmorphologie, Kernvakuolen |
| Acridin-Orange-Test TUNEL-Assay |
DNA-Integrität |
| Bisulfit-Sequenzierung | Epigenetik, aberrante DNA-Methylierung |
| mtDNA-Sequenzierung | mitochondriale Funktion |
| Hypoosmotischer Schwelltest (HOS) | Spermienvitalität |
| ROS-Test | Reaktive Sauerstoffspezies |
Aussagekraft
Die klassischen WHO-Kriterien des Spermiogrammes liefern nur eine unzureichende Bewertung der männlichen Fertilität. Deshalb versucht man, mithilfe von Spermienfunktionstests zusätzlich Aspekte zu klären.
Bisher (2026) haben allerdings nur wenige Spermienfunktionstest den Weg in die andrologische Routinediagnostik gefunden, da ihre Aussagekraft beschränkt ist. Ein klinischer Nutzen im Hinblick auf Lebendgeburtenraten ist für die meisten Tests nicht eindeutig belegt. Zu den Gründen gehören u.a. fehlende Standardisierungen, unterschiedliche Referenzwerte und teilweise komplexe und aufwändige Testsysteme.