Anilinblautest
Definition
Der Anilinblautest ist ein labormedizinischer Färbetest zur Beurteilung der Chromatin-Kondensation in Spermien. Er wird als Spermienfunktionstest in der erweiterten andrologischen Fertilitätsdiagnostik eingesetzt.
Hintergrund
Während der Spermatogenese wird das nukleäre Chromatin durch Austausch von Histonen gegen Protamine stark kondensiert. Bei unvollständiger Reifung verbleiben histonreiche Chromatinanteile, die eine erhöhte Affinität zum sauren Farbstoff Anilinblau aufweisen.
Durchführung
Aus einem Spermienausstrich wird ein Präparat angefertigt und mit Anilinblau gefärbt. Anschließend erfolgt die mikroskopische Auswertung:
- positiv: blau gefärbte Spermienköpfe (histonreiches, weniger kondensiertes Chromatin)
- negativ: schwach oder nicht gefärbte Spermienköpfe (protaminreiches, kondensiertes Chromatin)
Das Ergebnis wird üblicherweise als prozentualer Anteil Anilinblau-positiver Spermien angegeben.
Aussagekraft
Die diagnostische Aussagekraft ist begrenzt, da Methodenstandardisierung, Referenzbereiche und klinische Cut-off-Werte uneinheitlich sind. Ein erhöhter Anteil Anilinblau-positiver Spermien kann auf eine gestörte Spermienreifung hinweisen, erlaubt aber keine sichere Vorhersage des Erfolgs einer assistierten Reproduktion.