Hyaluronsäure-Bindungstest
Englisch: hyaluronan binding assay, HBA
Definition
Der Hyaluronsäure-Bindungstest , kurz HBA, ist ein labordiagnostisches Verfahren zur Beurteilung der funktionellen Reife von Spermien. Er dient der weiterführenden Abklärung einer männlichen Infertilität und ergänzt das konventionelle Spermiogramm.
Hintergrund
Reife, funktionell kompetente Spermien besitzen spezifische Rezeptoren für Hyaluronsäure. Diese befindet sich physiologischerweise in der Extrazellulärmatrix des Cumulus oophorus, der die Oozyte umgibt. Die Fähigkeit zur Bindung an Hyaluronsäure gilt als Marker für eine abgeschlossene Spermatogenese und ausreichende Kapazitation. Unreife oder dysfunktionelle Spermien zeigen eine verminderte oder fehlende Bindung.
Durchführung
Auf einem mit Hyaluronsäure beschichteten Testträger werden motile Spermien inkubiert. Anschließend wird mikroskopisch der Anteil gebundener (immobilisierter) Spermien im Verhältnis zu frei beweglichen Spermien bestimmt. Das Ergebnis wird meist als prozentualer Bindungsindex angegeben.
Aussagekraft
Die diagnostische Aussagekraft des HBA ist relativ gering. Es existieren keine einheitlich validierten Cut-off-Werte mit stabiler Sensitivität und Spezifität. Ein niedriger Hyaluronsäure-Bindungsindex kann, muss aber nicht auf eine funktionelle Spermienstörung hinweisen. Er wird daher nicht als Routinetest empfohlen.
Der Test wird vor assistierten Reproduktionstechniken wie der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) eingesetzt, um geeignete Spermien auszuwählen. In randomisierten Studien konnte kein konsistenter Vorteil hinsichtlich klinischer Schwangerschafts- oder Lebendgeburtenrate gezeigt werden.
Quellen
- Lepine et al. Advanced sperm selection techniques for assisted reproduction. Cochrane Database Syst Rev. 7(7):CD010461. 2019
- Avalos-Durán et al. Physiological ICSI (PICSI) vs. Conventional ICSI in Couples with Male Factor: A Systematic Review. JBRA Assist Reprod. 22(2):139-147. 2018