Sperm Chromatin Structure Assay
Synonym: Spermienchromatin-Empfindlichkeitstest
Englisch: sperm chromatin structure assay, sperm chromatin sensitivity assay
Definition
Der Sperm Chromatin Structure Assay, kurz SCSA, ist ein Spermienfunktionstest zur Beurteilung der Chromatinstruktur und DNA-Integrität von Spermien. Er dient vor allem dem Nachweis einer erhöhten Anfälligkeit der Spermien-DNA für Denaturierung und damit der indirekten Erfassung einer DNA-Fragmentierung.
Prinzip
Der Test basiert auf einer kontrollierten Säurebehandlung des Spermapräparats, durch die instabile oder vorgeschädigte DNA bevorzugt denaturiert wird. Anschließend erfolgt eine Färbung mit Acridinorange. Dabei fluoresziert doppelsträngige DNA grün, einzelsträngige bzw. denaturierte DNA hingegen rot. Die quantitative Auswertung erfolgt in der Regel mittels Durchflusszytometrie. Aus dem Verhältnis roter zu grüner Fluoreszenz lässt sich der sogenannte DNA-Fragmentationsindex (DFI) ableiten. Zusätzlich kann der Anteil an Spermien mit unreifem Chromatin bestimmt werden.
Das Testprinzip ähnelt dem Acridin-Orange-Test (AOT), liefert aufgrund der Durchflusszytometrie allerdings besser reproduzierbare Ergebnisse.
Durchführung
Indikationen
Der SCSA wird im Rahmen der erweiterten Fertilitätsdiagnostik eingesetzt, z.B. bei pathologischem Spermiogramm , idiopathischer männlicher Infertilität , wiederholtem Versagen von IVF oder ICSI oder rezidivierenden Aborten .
Aussagekraft
Ein erhöhter DNA-Fragmentationsindex spricht für eine gestörte Chromatinqualität der Spermien. Dies kann mit einer reduzierten Fertilisationsrate, einer eingeschränkten Embryonalentwicklung und einer verminderten Schwangerschaftsrate assoziiert sein. Er erlaubt keine direkte Aussage über die Ursache der DNA-Schädigung.
Die klinische Aussagekraft ist jedoch moderat und nicht einheitlich belegt. Der SCSA ist daher kein Bestandteil der andrologischen Routinediagnostik, sondern wird vor allem in ausgewählten Fällen ergänzend eingesetzt.
Unterschiedliche Referenzwerte und Labormethoden können die Vergleichbarkeit einschränken. Die Befunde müssen daher stets im klinischen Gesamtkontext interpretiert werden.