Spermienfunktionstest
Synonym: Spermienfunktionsdiagnostik
Englisch: sperm function test(ing)
Definition
Spermienfunktionstests sind labormedizinische Verfahren, mit denen spezifische Eigenschaften von Spermien überprüft werden. Sie dienen der Abklärung von Fertilitätsstörungen und sind Teil der erweiterten Fertilitätsdiagnostik des Mannes.
Indikationen
Spermienfunktionstests kommen vor allem bei unerklärter männlicher Infertilität zum Einsatz, z.B. bei normalem oder nur leicht eingeschränktem Spermiogramm, aber ausbleibender Schwangerschaft der Partnerin.
Weitere Indikationen sind:
- Wiederholtes Versagen reproduktionsmedizinischer Maßnahmen (IVF, ICSI)
- Niedrige Befruchtungsrate trotz scheinbar normaler Spermienparameter
- Verdacht auf spezifische Funktionsstörungen der Spermien, z. B. gestörte Akrosomreaktion, Defekte der Zona-pellucida-Bindung oder gestörte Kapazitation
- Abklärung wiederholter Fehlgeburten der Partnerin
- Verdacht auf erhöhte DNA-Fragmentation
- Varikozele
Darüber hinaus kommen Spermienfunktionstests nach Chemotherapie oder Bestrahlung zum Einsatz, um die Fertilität einzuschätzen.
Übersicht
| Methode | Untersuchungsgegenstand |
| Kapazitationstest | Kapazitation (Reifung) |
| Hyaluronsäure-Bindungstest (HBA) Hemizona-Assay (HZA) |
Interaktion mit Zona pellucida |
| Akrosomreaktionstest (ARIC) | Akrosomreaktion |
| CatSper-Test Hamsterovumpenetrationstest (HOPT), obsolet |
Fusion von Spermium und Eizelle |
| Spermien-Chromatin-Dispersions-Assay (SCD) |
Chromatin |
| Motile Sperm Organelle Morphology Examination (MSOME) | Spermienmorphologie, Kernvakuolen |
| Acridin-Orange-Test TUNEL-Assay |
DNA-Integrität |
| Bisulfit-Sequenzierung | Epigenetik, aberrante DNA-Methylierung |
| mtDNA-Sequenzierung | mitochondriale Funktion |
| Hypoosmotischer Schwelltest (HOS) | Spermienvitalität |
| ROS-Test | Reaktive Sauerstoffspezies |
Aussagekraft
Die klassischen WHO-Kriterien des Spermiogrammes liefern nur eine grobe Einschätzung der männlichen Fertilität. Deshalb versucht man, mithilfe von Spermienfunktionstests zusätzliche Aspekte zu klären.
Bisher (2026) haben allerdings nur wenige Spermienfunktionstest den Weg in die andrologische Routinediagnostik gefunden, da ihre Aussagekraft beschränkt ist. Ein klinischer Nutzen im Hinblick auf Lebendgeburtenraten ist für die meisten Tests nicht eindeutig belegt. Zu den Gründen gehören u.a. fehlende Standardisierungen, unterschiedliche Referenzwerte und teilweise komplexe und aufwändige Testsysteme.