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Seewespe

Synonym: Würfelqualle
Englisch: Australian box jellyfish, Sea wasp

1 Definition

Die Seewespe ist ein in manchen tropischen Gewässern vorkommendes Nesseltier aus der Gruppe der Würfelquallen und gilt als eines der giftigsten Meerestiere. Die zoologische Bezeichnung lautet Chironex fleckeri.

2 Biologie

Die gallertartige Schirmglocke ist würfelartig geformt und schimmert bläulich. Sie ist teiltransparent. Der Schirm besitzt keine Nesselzellen und erreicht eine Höhe von circa 16 cm und wird bis zu 13 cm breit. Jeder der vier Ecken des Schirms entspringen bis zu 15 Tentakel, die im entspannten Zustand (zur Nahrungssuche) mehrere Meter lang sein und auf weniger als ein Viertel ihrer Länge zusammengezogen werden können. Die Tentakel sind sehr dicht mit mikroskopisch kleinen Nesselzellen besetzt. Zur Beute gehören vor allem Krebstiere und kleine Fische. Vor allem früh am Morgen und abends gehen die Tiere zum Teil in riesigen Scharen in der Nähe der Gewässeroberfläche auf Beuteerwerb.

3 Vorkommen

Populär ist ihr Vorkommen an der Nord- und Ostküste Australiens, wo über die Sommermonate (November bis Juni) immer wieder Strände wegen der Quallen gesperrt werden müssen. Darüber hinaus kommt die Art im westlichen Indopazifik (Papua-Neuginea, Salomonen, Borneo, Malaysia, Philippinen) vor, zumeist in Küstennähe.

4 Giftapparat

Der Giftapparat besteht aus den zahllosen Nesselzellen (Nematocyten) der Tentakel. Im Inneren jeder Zelle sitzt ein aufgerollter Nesselschlauch. Mit Sinnesgeißeln registrieren Nesselzellen eine Berührung, durch welche sie dazu veranlasst werden, schlagartig ein Stilett auszustülpen, das die Haut des Opfers durchbohrt. Gleichzeitig wird der Nesselschlauch entrollt. Dabei wird die Spitze des Schlauches durch das Stilett in das Opfer getrieben, wo sie abbricht und verbleibt. Im Inneren des Schlauches befindet sich das Toxingemisch, welches dann in das umliegende Gewebe abgegeben wird und rasch in den Blutkreislauf übergeht.

5 Toxikologie

Das Gift der Seewespe enthält verschiedene Proteine mit einer Molekularmasse von 10.000 - 30.000 Da, die als Zytolysine zur Schädigung der Zellwand und somit zum Zelltod führen. Dies betrifft besonders Erythrozyten (siehe Hämolyse). Die Wirkung setzt sofort nach Kontakt mit den Nesselzellen ein. Durch das rasche Absterben zahlreicher Blutzellen wird schlagartig eine große Menge an Kaliumionen in das Blut abgegeben. Die Folge ist eine akute Hyperkaliämie (erhöhter Serumkaliumwert), die zur Asystolie und somit binnen weniger Minuten zum Tod führen kann.

5.1 Symptome

Sofort einsetzende, starke bis massive Schmerzen, die sich wellenartig in weitere Areale ausbreiten können. Die betroffenen Hautstellen weisen deutliche Striemen durch die Tentakel auf. Hier kommt es zu Schwellungen, Blasenbildung und Narbenbildung, unter Umständen auch zu Nekrosen. Häufig bilden sich Narben. Systemisch zeigt sich durch die Hämolyse das Bild einer akuten, massiven Hyperkaliämie mit Muskelschwäche, Parästhesien, Herzrhythmusstörungen, Kammerflimmern und Asystolie. Des Weiteren können Lungenödem, Atemdepression und Atemstillstand auftreten, zum Teil durch zentralnervöse Mechanismen.

Im weiteren Verlauf sind sekundäre Nierenschäden nicht auszuschließen.

5.2 Maßnahmen bei Intoxikation

Unmittelbar nach vermeindlichem Kontakt mit einer Seewespe sollte ein Notarzt alarmiert werden. Die betroffenen Körperstellen sollten mit Haushaltsessig (5-10%ig) gespült werden, um die Nesselzellen bzw. Nesselschläuche in der Haut zu inaktivieren. Notfalls kann man Sand verwenden (auftragen, kurz trocknen lassen und mit einem Messer o.ä. aubschaben). Eventuell wird auch ein Teil der Toxine, die sich noch oberflächennah in der Haut befinden, durch den Essig denaturiert. Alkohol und Süßwasser dürfen hierzu nicht verwendet werden, da es dadurch zu einer vermehrten Ausschüttung der Toxine aus den Nesselschläuchen kommen kann.

Cave: die Anwendung von Essig empfiehlt sich nicht bei allen Spezies der Nesseltiere.

"Box Jellyfish Antivenom" (20 ml/ Amp., Produzent: Commonwealth Serum Laboratories Melbourne) ist ein Antivenin (Gegenserum), das aus dem Blut von immunisierten Schafen gewonnen wird und in erster Linie gegenüber kardiotoxischen Effekten des Giftes von Chironex fleckeri wirksam ist.

Die intravenöse Gabe von Zinkgluconat verlangsamt die Freisetzung von Kalium aus den Erythrozyten.

6 Literatur

Frei et al.: Giftige und gefährliche Meerestiere, Müller Rüschlikon Verlag, 1. Auflage 2007.

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