Relatives Energiedefizit im Sport
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LoslegenEnglisch: relative energy deficiency in sports
Definition
Das Relative Energiedefizit im Sport, kurz RED-S, ist ein komplexes Syndrom bei Sportlern, das infolge einer zu geringen Energieverfügbarkeit auftritt. Ursächlich ist ein Ungleichgewicht zwischen Energiezufuhr und -verbrauch. Dies führt langfristig zu multiplen gesundheitlichen Risiken sowie zur Abnahme der sportlichen Leistungsfähigkeit. RED-S ist eine Erweiterung der athletischen Triade.
Pathophysiologie
Die Energieverfügbarkeit ist die Energiemenge, die dem Körper pro Kilogramm fettfreier Masse (FFM) unter Berücksichtigung des Energieverbrauchs durch Sport zur Verfügung steht. Sie sollte bei Athlet:innen mindestens 45 kcal/kg FFM pro Tag betragen. Bei Werten von unter 30 kcal/kg FFM spricht man von niedriger Energieverfügbarkeit (low energy availability (LEA)), welche diverse Störungen von Körperfunktionen zur Folge haben kann.
Durch die geringe Energieverfügbarkeit laufen im Körper zunehmend Prozesse ab, die die Energiebereitstellung mittels Lipolyse fördern und den Energieverbrauch reduzieren. Dabei kann es zu einer Verminderung der Leptinwerte kommen, während die Konzentationen von Ghrelin, adrenokortikotropem Hormon (ACTH), Cortisol, Peptid YY und Adiponektin ansteigen können. Zudem kommt es zu einer Inhibition der Hypothalamus-Hypophysen-Achse und somit zu einer verminderten Freisetzung von gonadotropinfreisetzendem Hormon (GnRH), was eine verringerte Ausschüttung von luteinisierendem Hormon (LH) und follikelstimulierendem Hormon (FSH) aus der Hypophyse und somit eine beeinträchtigte Produktion von Östrogen und Progesteron zur Folge haben kann. Bei männlichen Athleten zeigt sich häufig ein niedriger Testosteronspiegel. Durch eine reduzierte Freisetzung von TSH, T3 und T4 kann eine Hypothyreose entstehen.
Symptome
Somatische Symptome
- Störungen des Menstruationszyklus (anovulatorische Zyklen, Oligomenorrhöen, Amenorrhöen)
- Gewichtsverlust
- Haarausfall
- verminderte Knochendichte
- erhöhtes Verletzungsrisiko, insbesondere Stressfrakturen
- häufige Infekte
- Eisenmangelanämie
- Abnahme der Leistungsfähigkeit
- Abnahme der Muskelkraft
Psychische Symptome
- depressive Verstimmungen
- Essstörungen
- verminderte Konzentrationsfähigkeit
- Müdigkeit
- Reizbarkeit
- Libidoverlust
Diagnostik
Neben der Anamnese können spezifische Fragebögen zum Screening eingesetzt werden, wie der Low Energy Availability in Females Questionnaire (LEAF-Q).
In der Laboruntersuchung können durch ein Blutbild und die Bestimmung von Ferritin, Vitamin D und CalCium Nährstoffmängel überprüft werden. Aufgrund des erhöhten Eisenbedarfs bei Sportlern liegt der Cut-off-Wert für einen Ferritinmangel bei 50 mcg/l anstatt 30 mcg/l wie bei der Normalpopulation. Der Hormonstatus sollte durch Bestimmung von LH, FSH, Prolaktin, Östrogen, Testosteron sowie Schilddrüsenhormonen (TSH, T3) kontrolliert werden.
Aufgrund des Risikos einer verminderten Knochendichte sollte bei wiederholt auftretenden Stressfrakturen eine DXA-Messung durchgeführt werden.
Therapie
Zur Behandlung erfolgt ein Ausgleich des Energiedefizits. Primär sollte dabei die Ernährung an den Energiebedarf angepasst werden. Auch eine Reduktion des Trainingsvolumens kann sinnvoll sein. Bei Frauen kann es bis zu zwölf Monate dauern, bis die Menstruation wieder einsetzt.
Nährstoffmängel sollten, wenn notwendig, behandelt werden. Liegt bei den Betroffen eine Essstörung vor, ist eine Psychotherapie indiziert. Außerdem sollte eine Ernährungsberatung durch sporterfahrene Ernährungsberater erfolgen.
Quellen
- Deutsche Sporthochschule Köln; Relatives Energiedefizit im Sport; Stand: November 2023
- Kopp, C. Relatives Energiedefizit im Sport (RED-S). Gynäkologische Endokrinologie 19, 179–184 (2021). https://doi.org/10.1007/s10304-021-00396-5
- Baumgartner, S. Management der „female athlete triad“/RED-S. J. Gynäkol. Endokrinol. CH 24, 32–38 (2021). https://doi.org/10.1007/s41975-021-00179-y
- Dipla, K., Kraemer, R.R., Constantini, N.W. et al. Relative energy deficiency in sports (RED-S): elucidation of endocrine changes affecting the health of males and females. Hormones 20, 35–47 (2021). https://doi.org/10.1007/s42000-020-00214-w