Alport-Syndrom
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Loslegennach dem südafrikanischen Arzt Arthur Cecil Alport (1880-1959)
Synonym: Progressive hereditäre Nephritis
Englisch: Alport syndrome, hereditary nephritis
Definition
Das Alport-Syndrom ist eine Erbkrankheit, die mit einer progredienten Verschlechterung der Nierenfunktion, sowie mit zusätzlicher Affektion von Innenohr und Auge einhergeht.
- ICD10-Code: Q87.8
Epidemiologie
Die Prävalenz des Alport-Syndroms wird auf etwa 1:5.000 bis 1:10.000 geschätzt. Männer und Frauen sind hierbei gleichermaßen Mutationsträger, jedoch verläuft die Erkrankung bei Männern aufgrund der Hemizygotie in der Regel deutlich schwerer und wird daher häufiger klinisch manifest.
Pathogenese
Die Mutationen befinden sich in den Genen COL4A3, COL4A4 und COL4A5, die für Proteinketten des Kollagen Typ IV kodieren. Somit bildet sich ein fehlerhaftes Kollagen Typ IV. Dadurch kommt es zu Funktionsstörungen von Basalmembranen. Kritisch ist dies vor allem an Glomerulum (glomeruläre Basalmembran), Innenohr und Auge.
Erbgang
Das Alport-Syndrom wird in 80% der Fälle X-chromosomal-dominant, in 15% der Fälle autosomal-rezessiv und in 5% der Fälle autosomal-dominant vererbt. Bei der X-chromosomalen Vererbung kommt es bei Männern zu einer schweren Manifestationsform, die oft in einer terminalen Niereninsuffizienz endet. Bei den betroffenen Frauen ist hingegen oft nur eine persistente Hämaturie zu beobachten.
Klinik
Bei den meisten Patienten liegt bereits im Kindesalter als Ausdruck einer beginnenden chronischen Glomerulonephritis eine Proteinurie und Mikrohämaturie vor. Intermittierend kann auch Makrohämaturie auftreten. Die Glomerulonephritis ist progredient und führt in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter zur Ausbildung einer chronischen Niereninsuffizienz.
Parallel besteht eine Innenohrschwerhörigkeit. Mit dem Alport-Syndrom assoziierte okuläre Veränderungen sind Lenticonus anterior, Cataracta subcapsularis posterior und Hornhautdystrophie.
Diagnostik
Hinweise ergeben sich aus der Familienanamnese. Die Basisdiagnostik des Alport-Syndroms basiert auf der Kombination von klinischen und laborchemischen Befunden:
- Urinuntersuchung mit Nachweis einer Hämaturie und Proteinurie
- Beurteilung der Nierenfunktion (GFR)
- Audiometrie
- Ophthalmologische Untersuchung
Die definitive Diagnosestellung erfolgt in der Regel durch eine molekulargenetische Untersuchung mit Nachweis pathogener Genvarianten.
Zur weiteren Abklärung kann eine Nierenbiopsie durchgeführt werden. Histologisch finden sich charakteristische Veränderungen der glomerulären Basalmembran mit Verdickungen, Ausdünnungen und Lamellierungen. Ergänzend können immunhistochemische Untersuchungen auf Kollagen-IV-Ketten erfolgen.
Therapie
Eine kausale Therapie steht derzeit (2026) nicht zur Verfügung. Ziel der Behandlung ist die Verlangsamung der Progression der Nierenerkrankung sowie die Behandlung extrarenaler Manifestationen.
Die frühzeitige Hemmung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) mittels ACE-Hemmern gilt als Standardtherapie. Alternativ können AT1-Antagonisten eingesetzt werden. Durch einen frühen Therapiebeginn lassen sich die Proteinurie reduzieren und das Fortschreiten zur terminalen Niereninsuffizienz deutlich verzögern.
Neue Therapieansätze umfassen unter anderem Endothelin-Rezeptor-Antagonisten sowie gen- und RNA-basierte Verfahren, die sich teilweise noch in klinischer Entwicklung befinden.
Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz können eine Hämodialyse, Peritonealdialyse oder Nierentransplantation erforderlich werden. Die Ergebnisse der Nierentransplantation sind bei Patienten mit Alport-Syndrom in der Regel gut.
Die Behandlung extrarenaler Manifestationen erfolgt symptomorientiert, beispielsweise durch Hörhilfen bei Innenohrschwerhörigkeit oder augenärztliche Maßnahmen bei okulären Komplikationen.
Betroffene und ihre Familien sollten eine humangenetische Beratung erhalten.