Patient Health Questionnaire-15
Synonym: Somatisierungsskala des PHQ
Englisch: PHQ-15 somatic symptom severity scale
Definition
Der Patient Health Questionnaire-15, kurz PHQ-15, ist ein Selbstbeurteilungsinstrument zur Erfassung der Schwere somatischer Symptome. Er bildet die somatische Subskala des Patient Health Questionnaire (PHQ) und bewertet 15 körperliche Beschwerden auf einer dreistufigen Likert-Skala. Der Gesamtscore reicht von 0 bis 30.
Hintergrund
Der PHQ-15 wurde 2002 von Kroenke, Spitzer und Williams aus dem längeren PHQ entwickelt und validiert. Ausgangspunkt war der Bedarf nach einem ökonomischen Instrument zur Somatisierungserfassung in der Primärversorgung, wo somatoforme bzw. funktionelle Beschwerden einen erheblichen Anteil des Patientenguts ausmachen, jedoch selten systematisch quantifiziert werden. Der Fragebogen ist lizenzfrei verfügbar und in zahlreichen Sprachversionen validiert, darunter Deutsch.
Der PHQ-15 wurde ursprünglich auf Basis der DSM-IV-Kategorie der somatoformen Störungen entwickelt. Im DSM-5 wurde diese durch die Somatic Symptom Disorder (SSD) abgelöst, die das Vorliegen medizinisch unerklärter Symptome nicht mehr als diagnostisches Kriterium voraussetzt. Der PHQ-15 wird weiterhin zur Schweregradeinschätzung im SSD-Kontext eingesetzt. Einheitliche störungsspezifische Cut-offs für das DSM-5 sind bislang (2026) nicht etabliert.
Aufbau
Die 15 Items beruhen auf 13 der häufigsten somatischen Beschwerden in der Primärversorgung zuzüglich zweier gynäkologischer Items (Menstruationsbeschwerden, Dyspareunie). Inhaltlich abgedeckt sind:
- gastrointestinale Beschwerden (z.B. Bauchschmerzen, Übelkeit, Verdauungsprobleme)
- kardiorespiratorische Symptome (z.B. Herzrasen, Brustschmerzen, Dyspnoe)
- muskuloskelettale Beschwerden (z.B. Rücken-, Gelenk-, Gliederschmerzen)
- neurologische Symptome (z.B. Schwindel, Kopfschmerzen, Taubheitsgefühle)
- unspezifische Allgemeinsymptome (z.B. Erschöpfung, Schlafstörungen)
Die Items werden auf einer dreistufigen Likert-Skala (0 = „nicht beeinträchtigt", 1 = „wenig beeinträchtigt", 2 = „stark beeinträchtigt") bewertet.
Anwendung
Der PHQ-15 wird in der Primärversorgung, der Psychosomatik und der psychiatrischen Versorgung eingesetzt. Er gilt als Bestandteil standardisierter Screeningbatterien, häufig in Kombination mit PHQ-9 und GAD-7 im Rahmen des modularen PHQ-Systems, das eine simultane Erfassung somatischer, depressiver und Angstsymptomatik ermöglicht. Neben Screening und Verlaufskontrolle eignet er sich als Outcomemaß in klinischen Studien. Die Bearbeitungszeit beträgt ca. zwei bis drei Minuten. Validiert ist der Fragebogen für Erwachsene ab 18 Jahren. Für Jugendliche existiert die adaptierte Version PHQ-A.
Auswertung
Der Summenscore erlaubt eine kategoriale Schweregradeinteilung:[1]
- 0–4: minimal
- 5–9: niedrig
- 10–14: mittel
- 15–30: hoch
In einer primärversorgungsbasierten Validierungsstudie zeigte der PHQ-15 bei ≥ 3 schwer beeinträchtigenden Einzelitems – was nicht mit den oben genannten Summenscore-Cut-offs gleichzusetzen ist – eine Sensitivität von 78 % und eine Spezifität von 71 % für das Vorliegen einer somatoformen Störung nach DSM-IV.[2] Diese Kennwerte sind populationsabhängig und nicht auf alle klinischen Settings übertragbar.
Gütekriterien
Die interne Konsistenz liegt mit Cronbachs α ≈ 0,80 im guten Bereich. In anderen Stichproben wurden Werte bis 0,87 berichtet. Die Retest-Reliabilität ist moderat (ICC 0,60 über zwei Wochen).[2] Deutliche Korrelationen mit PHQ-9 und GAD-7 spiegeln die klinisch bekannte Komorbidität depressiver, ängstlicher und funktioneller Beschwerden wider. Konvergente Validität wurde gegenüber strukturierten klinischen Interviews sowie dem SF-20 (Short Form Health Survey) belegt.[1][3]
Limitationen
Der PHQ-15 ist ein Screening- und Schweregradmaß, kein diagnostisches Instrument, daher kann er eine klinische Diagnostik nicht ersetzen. Er erfasst subjektive Beschwerdeschwere ohne ätiologische Aussagekraft und differenziert nicht zwischen organisch und funktionell bedingten Symptomen. Bei komorbiden organischen Erkrankungen kann der Score systematisch erhöht sein. Als Selbstbeurteilungsmaß ist der PHQ-15 zudem anfällig für verschiedene Formen des Response Bias: Recall Bias bei der retrospektiven Symptomeinschätzung sowie Negativity Bias und Symptomamplifikation – insbesondere bei Patienten mit ausgeprägter somatischer Selbstfokussierung oder im Kontext somatischer Belastungsstörungen.
Weblink
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-15)
Literatur
- ↑ 1,0 1,1 Kroenke K, Spitzer RL, Williams JB. The PHQ-15: validity of a new measure for evaluating the severity of somatic symptoms. Psychosom Med. 2002;64(2):258-266.
- ↑ 2,0 2,1 van Ravesteijn H, Wittkampf K, Lucassen P, et al. Detecting somatoform disorders in primary care with the PHQ-15. Ann Fam Med. 2009;7(3):232-238.
- ↑ Kroenke K, Spitzer RL, Williams JB, Löwe B. The Patient Health Questionnaire Somatic, Anxiety, and Depressive Symptom Scales: a systematic review. Gen Hosp Psychiatry. 2010;32(4):345-359.