Selbstbeurteilung
Synonym: Eigenbeurteilung
Definition
Als Selbstbeurteilung bezeichnet man die strukturierte Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, Leistungen, Symptome oder Verhaltensweisen anhand subjektiver Kriterien oder standardisierter Instrumente. Sie wird in der Psychologie und Medizin z.B. zur Erfassung von Lebensqualität, Schmerzintensität oder Depressionsymptomen eingesetzt.
Von der Selbstbeurteilung abgegrenzt wird die Fremdbeurteilung durch Dritte (z.B. Ärzte, Pflegepersonal, Angehörige).
Hintergrund
Selbstbeurteilungen basieren auf der Annahme, dass Patienten ihren Zustand (z.B. Gefühle, Erschöpfung) häufig zuverlässiger berichten können als Außenstehende. Sie sind klinisch vor allem dann relevant, wenn es keine Möglichkeit der objektiven Messung eines Zustands gibt (z.B. bei Schmerzen). Selbstbeurteilungen unterliegen allerdings systematischen Verzerrungen, z.B. durch soziale Erwünschtheit, Erinnerungseffekte oder aktuelle Stimmungen.
Durchführung
Im klinischen Alltag erfolgen Selbstbeurteilungen häufig in Form standardisierter Fragebögen, in denen Skalen (z.B. Likert-Skalen, visuelle Analogskala, numerische Ratingskala) verwendet werden. Auf diese Weise können Symptome oder Funktionseinschränkungen semiquantitativ erfasst werden. Je nach Ziel können Selbstbeurteilungen als Einmalerhebung oder als Verlaufskontrolle durchgeführt werden.
Anwendungsgebiete
Selbstbeurteilungen werden in nahezu allen medizinischen Fachgebieten und bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt. Darüber hinaus sind sie fachübergreifend eine wichtige Grundlage der Messung des Patient-reported Outcome (PRO) zur Therapie- und Versorgungsbewertung.
Beispiele
Interpretation
Die Aussagekraft von Selbstbeurteilungen hängt u.a. von der Validität und Reliabilität des verwendeten Fragebogens bzw. Instruments ab. Wichtige Faktoren sind dabei die Verständlichkeit und das Setting der Durchführung sowie die aktive Kooperation des Patienten. Bei standardisierten Instrumenten sollten Cut-off-Werte, Referenzdaten und klinisch relevante Veränderungsschwellen berücksichtigt werden.