Mood Disorder Questionnaire
Definition
Der Mood Disorder Questionnaire, kurz MDQ, ist ein Selbstbeurteilungsinstrument zum Screening auf bipolare Störungen. Er erfasst manische und hypomanische Symptome. Der Fragebogen dient der Früherkennung und ersetzt keine klinische Diagnostik.
Hintergrund
Der MDQ wurde Anfang der 2000er-Jahre entwickelt und orientiert sich an den diagnostischen Kriterien des DSM-IV. Der Fragebogen ist international etabliert und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Er wird im ambulanten und stationären psychiatrischen Setting eingesetzt. Typische Anwendungsgebiete sind die Abklärung affektiver Störungen und das Screening auf bipolare Störungen bei depressiver Symptomatik.
Aufbau
Der MDQ umfasst insgesamt 15 Items und ist in drei Abschnitte gegliedert.
Der erste Abschnitt besteht aus 13 Ja/Nein-Fragen zu manischen/hypomanischen Symptomen (z.B. gesteigerte Aktivität, vermindertes Schlafbedürfnis, Ideenflucht).
Im zweiten Abschnitt wird erfragt, ob mehrere der bejahten Symptome gleichzeitig aufgetreten sind.
Der dritte Abschnitt erfasst den Grad der funktionellen Beeinträchtigung durch diese Symptome anhand einer vierstufigen Likert-Skala.
Durchführung
Die Bearbeitung erfolgt als Selbstbeurteilungsverfahren ohne zeitliche Vorgaben. Der Bezugszeitraum ist lebenszeitlich definiert. Eine Fremdbeurteilung ist nicht vorgesehen.
Interpretation
Ein klassisch positives Screening liegt vor, wenn:
- ≥ 7 Symptome bejaht werden,
- die Symptome gleichzeitig auftraten und
- eine mindestens moderate Beeinträchtigung angegeben wird.
In populations- oder settingabhängigen Modifikationen werden teilweise abweichende Schwellenwerte verwendet.
Gütekriterien
Der MDQ weist eine hohe Spezifität für bipolare-I-Störungen auf. Die Sensitivität ist variabel und insbesondere bei bipolaren-II-Störungen reduziert. Die psychometrischen Kennwerte unterscheiden sich zwischen klinischen und populationsbasierten Stichproben.
Limitationen
Die retrospektive Selbstauskunft ist anfällig für Erinnerungsverzerrungen. Hypomanische Symptome werden häufig nicht als behandlungsbedürftig wahrgenommen. Komorbide psychische Störungen können zudem das Antwortverhalten beeinflussen. Der Fragebogen ist nicht zur Verlaufs- oder Therapiekontrolle geeignet.
Literatur
- Hirschfeld et al., Development and validation of a screening instrument for bipolar spectrum disorder: the Mood Disorder Questionnaire, Am J Psychiatry, 2000