Fremdbeurteilung
Definition
Als Fremdbeurteilung bezeichnet man in der Medizin die strukturierte Einschätzung von Fähigkeiten, Leistungen, Symptomen oder Verhaltensweisen eines Patienten durch Dritte, z.B. durch Ärzte, Pflegepersonal, Psychologen oder Angehörige. Sie wird in der Psychologie und Medizin in großem Umfang zur Erfassung physischer (z.B. Tremor, Hautbefall) und psychischer Symptome (z.B. Depression, Demenz) eingesetzt.
Von der Fremdbeurteilung abgegrenzt wird die subjektive Selbstbeurteilung durch den Patienten.
Hintergrund
Fremdbeurteilungen basieren auf der Annahme, dass beobachtbares Verhalten und objektivierbare Befunde durch Außenstehende zuverlässig erfasst werden können. Sie kommen zum Einsatz, wenn die Beurteilung durch eine Fachperson erfolgen muss oder eine Selbstbeurteilung nicht möglich oder nur eingeschränkt valide ist (z.B. bei kognitiver Beeinträchtigung, Bewusstseinsstörungen oder bei Kindern). Wie Selbstbeurteilungen unterliegen Fremdbeurteilungen systematischen Verzerrungen, z.B. durch Erwartungen, Halo-Effekt oder unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe (Interrater-Variabilität).
Durchführung
Fremdbeurteilungen erfolgen typischerweise als klinische Beurteilung, meist in Form systematischer Assessments. Dabei kommen Schemata, Skalen und Beobachtungsbögen zum Einsatz, die als Hilfsmittel und zur Dokumentation dienen. Je nach Intention werden Fremdbeurteilungen einmalig zum Screening oder wiederholt zur Verlaufskontrolle durchgeführt.
Beispiele
Interpretation
Die Aussagekraft hängt von der Validität und Reliabilität des verwendeten Instruments sowie von der Qualifikation der Beurteilers ab. Darüber hinaus können Kontextfaktoren (Setting, Beobachtungsdauer, Beziehung zum Beurteilten) das Ergebnis beeinflussen. Weitere systematische Verzerrungen (z.B. Halo-Effekt, Erwartungseffekte, soziale Erwünschtheit auf Seiten des Beurteilten) sind vor allem bei der Fremdbeurteilung psychischer Aspekte relevant.