Hypomanie
Englisch: hypomania
Definition
Die Hypomanie ist eine Form der affektiven Störung und stellt eine abgeschwächte Ausprägung der Manie dar. Hypomanische Episoden treten typischerweise im Rahmen einer bipolaren Störung Typ II auf.
Symptome
Charakteristische Symptome einer hypomanen Episode sind:
- Gehobene oder dysphorisch-gereizte Stimmung
- Gesteigerter Antrieb und erhöhte Aktivität
- Vermindertes Schlafbedürfnis
- Gesteigerte Gesprächigkeit (Logorrhoe)
- Erhöhte Ablenkbarkeit
- Erhöhtes Selbstwertgefühl oder gesteigerte Selbsteinschätzung
- Reduzierte Selbstkritik und eingeschränkte Krankheitseinsicht
- Vermehrtes risikobehaftetes Verhalten, z.B. gesteigerter Sexualtrieb oder Geldausgaben
Im Gegensatz zur Manie bleibt die Funktionsfähigkeit meist erhalten, sodass Betroffene die Episode häufig als angenehm oder leistungssteigernd erleben. Dies kann die klinische Erkennung erschweren.
Diagnose
Die Diagnose einer hypomanen Episode erfolgt anhand klinischer Kriterien gemäß DSM-5 oder ICD-11. Voraussetzung ist eine über mindestens vier Tage anhaltende, deutlich veränderte Stimmungslage, die mit dem Auftreten mehrerer typischer hypomaner Symptome einhergeht. Dabei darf es weder zu einer ausgeprägten sozialen oder beruflichen Beeinträchtigung noch zu psychotischen Symptomen kommen. Zudem muss ausgeschlossen sein, dass die Symptomatik durch Substanzen oder Medikamente verursacht ist.
Zur orientierenden Erfassung hypomaner Symptome kann der Mood Disorder Questionnaire (MDQ) eingesetzt werden. Er dient dem Screening, ersetzt jedoch keine klinische Diagnostik.
Differenzialdiagnosen
- Manischen Episode
- Unipolare Depression
- ADHS
- Substanzgebrauchsstörungen
- Persönlichkeitsstörungen
Therapie
Bei isolierten, milden hypomanen Episoden kann zunächst auf eine medikamentöse Behandlung verzichtet werden. Hier stehen die Psychoedukation der Betroffenen bzw. der Partner und Angehörigen sowie psychotherapeutische Interventionen (z.B. kognitive Verhaltenstherapie) im Vordergrund.
Bei einer Hypomanie kann sich jedoch auch um das Frühwarnzeichen einer nachfolgenden manischen Phase, einer bipolaren Störung oder Zyklothymie handeln. Besteht eine bipolare Störung, kommen je nach Verlauf Stimmungsstabilisierer (z.B. Lithium) oder atypische Antipsychotika zum Einsatz. Ziel ist die Reduktion der Episodendauer, die Verhinderung eines Übergangs in eine Manie sowie die Rückfallprophylaxe.
Quellen
- Benazzi, Challenging DSM-IV criteria for hypomania: diagnosing based on number of no-priority symptoms, European Psychiatry, 2007