PENG-Blockade
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LoslegenSynonyme: PENG-Block, perikapsuläre Nervengruppenblockade
Englisch: pericapsular nerve group block
Definition
Die PENG-Blockade, kurz für Pericapsular Nerve Group-Blockade, ist ein ultraschallgesteuertes Regionalanästhesieverfahren zur Analgesie des Hüftgelenks. Dabei wird ein Lokalanästhetikum zwischen die Sehne des Musculus psoas major und den Ramus superior ossis pubis injiziert. So werden sensible Nervenäste blockiert, welche die vordere Hüftgelenkkapsel versorgen.
Hintergrund
Der PENG-Block wurde 2018 erstmals beschrieben. Im Gegensatz zum Femoralisblock zielt der PENG-Block auf die sensiblen Gelenkäste statt auf den Nervenstamm. Die Kraft des Musculus quadriceps femoris bleibt dadurch meist besser erhalten als beim Femoralisblock. Eine Ausbreitung des Lokalanästhetikums zum Femoralisstamm mit motorischer Blockade ist bei hohen Injektionsvolumina jedoch möglich.[1]
Anatomie
Die vordere Hüftgelenkkapsel wird von Gelenkästen dreier Nerven sensibel versorgt:
- Nervus femoralis
- Nervus obturatorius
- Nervus obturatorius accessorius (nicht bei allen Menschen angelegt)
Die Gelenkäste des Nervus femoralis und des Nervus obturatorius accessorius verlaufen zwischen Psoassehne und Ramus superior ossis pubis zur Gelenkkapsel. Dieser Bereich ist das Ziel des PENG-Blocks. Die Gelenkäste des Nervus obturatorius erreichen die Kapsel weiter inferomedial am Acetabulum und werden nur bei ausreichender Ausbreitung des Lokalanästhetikums miterfasst.[1] Die hintere Gelenkkapsel wird nicht erfasst.
Indikationen
Mögliche Indikationen sind:
- Schmerztherapie bei hüftgelenknahen Femurfrakturen (z.B. Schenkelhalsfraktur), z.B. zur schmerzarmen Lagerung für eine Spinalanästhesie
- Postoperative Schmerztherapie nach Eingriffen am Hüftgelenk, z.B. nach Implantation einer Hüfttotalendoprothese
In Metaanalysen verringerte der PENG-Block v.a. in den ersten 24 Stunden nach Hüftoperationen den Opioidverbrauch und die bewegungsabhängigen Schmerzen.[2] Da die Haut am seitlichen Oberschenkel nicht mitbetäubt wird, kann der PENG-Block mit einer Blockade des Nervus cutaneus femoris lateralis kombiniert werden.
Durchführung
Der Patient befindet sich in Rückenlage. Der PENG-Block wird ultraschallgesteuert in In-Plane-Technik durchgeführt. Verwendet wird ein Konvexschallkopf oder ein Linearschallkopf:
- die Punktionsstelle wird mit Desinfektionsmittel abgewaschen und steril abgedeckt
- Lokalanästhesie im Bereich der Einstichstelle
- der Schallkopf wird quer über der Spina iliaca anterior inferior aufgesetzt und um etwa 45° gedreht, sodass er parallel zum Ramus superior ossis pubis liegt
- im Ultraschallbild werden die Eminentia iliopubica, der Musculus iliopsoas mit der Psoassehne, der Musculus pectineus und die Arteria femoralis identifiziert
- die Kanüle wird von lateral nach medial vorgeschoben
- Punktionsziel ist die Faszienebene zwischen Psoassehne und Ramus superior ossis pubis
- nach negativer Aspiration wird das Lokalanästhetikum (z.B. 15–20 ml, z.B. Ropivacain) fraktioniert injiziert, dabei hebt sich die Psoassehne vom Knochen ab[1]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Komplikationen
Mögliche Komplikationen sind:
- Schwäche des Musculus quadriceps femoris, v.a. bei Volumina über 20 ml (Sturzgefahr)[1]
- Gefäßpunktion, Hämatom
- Lokalanästhetika-Intoxikation
- Infektion
- Nervenverletzung durch die Kanüle, u.a. des Nervus cutaneus femoris lateralis im Bereich der Einstichstelle
Kontraindikationen
Zu den Kontraindikationen zählen:
- Ablehnung durch den Patienten
- Infektion im Bereich der Punktionsstelle
- Allergie gegen Lokalanästhetika
- Relative Kontraindikation: Gerinnungsstörungen
Bei antithrombotischer Medikation ist zu beachten, dass der PENG-Block in der europäischen Leitlinie als tiefe Nervenblockade eingeordnet wird. Nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung sind grundsätzlich die substanzspezifischen Sicherheitsabstände und Gerinnungsanforderungen wie bei neuraxialen Verfahren zu berücksichtigen. Die Ultraschallführung verkürzt diese Sicherheitsabstände laut Fachgesellschaft nicht.[3]
Literatur
- Girón-Arango et al. Pericapsular Nerve Group (PENG) Block for Hip Fracture. Reg Anesth Pain Med. 2018;43(8):859-863.
- Short et al. Anatomic Study of Innervation of the Anterior Hip Capsule: Implication for Image-Guided Intervention. Reg Anesth Pain Med. 2018;43(2):186-192.
- Lin et al. Pericapsular nerve group (PENG) block provides improved short-term analgesia compared with the femoral nerve block in hip fracture surgery: a single-center double-blinded randomized comparative trial. Reg Anesth Pain Med. 2021;46(5):398-403.
- Pascarella et al. Impact of the pericapsular nerve group (PENG) block on postoperative analgesia and functional recovery following total hip arthroplasty: a randomised, observer-masked, controlled trial. Anaesthesia. 2021;76(11):1492-1498.
- Girón-Arango und Peng. Pericapsular nerve group (PENG) block: what have we learned in the last 5 years?. Reg Anesth Pain Med. 2025;50(5):402-409.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Kolli et al. How I do it: pericapsular nerve group (PENG) block. ASRA Pain Med News. 2023;48.
- ↑ Hu et al. Pericapsular nerve group block reduces opioid use and pain after hip surgery: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. PLoS One. 2024;19(11):e0310008.
- ↑ Kietaibl et al. Regional anaesthesia in patients on antithrombotic drugs: Joint ESAIC/ESRA guidelines. Eur J Anaesthesiol. 2022;39(2):100-132.