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Niere (Wiederkäuer)

Synonyme: Ren, Nephros
Englisch: kidney

1 Definition

Die Nieren der Wiederkäuer arbeiten als Ausscheidungsorgane von Stoffwechselprodukten und nicht-abbaubaren exogenen Substanzen. Sie regulieren den Wasser- und Elektrolythaushalt sowie das Säure-Basen-Gleichgewicht.

2 Anatomie

2.1 Morphologie

2.1.1 Rind

Die Nieren des Rindes sind gefurcht, mehrwarzig und braun-rot gefärbt. Die rechte Niere ist platt und unregelmäßig oval geformt. Die linke Niere hingegen zeigt einen verdickten kaudalen und einen spitzen kranialen Pol, sodass sie als pyramidenförmig beschrieben werden kann. Sie erinnernt in ihrer Form an einen länglich bis eiförmigen Körper, dessen beide Pole gegenläuftig auf den Hilus renalis zulaufen.

2.1.2 Kleine Wiederkäuer

Die Nieren der Schafe und Ziegen sind glatt und einwarzig. Sie sind sich gegenseitig äußerst ähnlich und können rein makroskopisch kaum voneinander unterschieden werden. In ihrer Ausprägung ähneln sie äußerst stark der Niere der Fleischfresser. Die Nieren sind gedrungen böhnenförmig und zeigen einen rundlichen Querschnitt mit deutlichem und flach ausgebildetem Hilus renalis. Sie sind rotbraun gefärbt, bei gut genährten Tieren hellbraun. Die Fettkapsel, insbesondere jene der linken Niere, ist sehr umfangreich.

2.1.3 Exterieur

An der Niere können - wie bei den übrigen Haussäugetieren - die organüblichen Exterieurbeschreibungen durchgeführt werden. Grundsätzlich unterscheidet man eine Facies dorsalis von einer Facies ventralis, wobei der kraniale Nierenpol als Extremitas cranialis, der kaudale als Extremitas caudalis beschrieben wird. Die einzelne Niere weist zudem einen Margo lateralis und einen Margo medialis auf, die den Organrand in Beziehung zur Körperachse beschreiben. Der Margo medialis trägt einen (beim Rind weiten) Hilus renalis, der in den buchtigen Sinus renalis hineinführt. Dieser dient als Eintritts- und Austrittspforte von Leitungsbahnen sowie Harnleiter.

An der Wiederkäuerniere kann noch eine zusätzliche Fläche beschrieben werden, die lateral an der Niere liegt. Sie ist abgeflacht und stößt großflächig an den dorsalen Pansensack an, weshalb sie auch als Facies ruminalis bezeichnet wird.

2.2 Rechte Niere

Die rechte Niere der Wiederkäuer liegt nach sagittal ausgerichtet und mit dem Hilus renalis nach medial weisend im Retroperitonealraum. Sie reicht von der 13. Rippe bis zum 3. (Rind) bzw. 2. (kleine Wiederkäuer) Lendenwirbel und fügt sich mit ihrem kranialen Pol in die Impressio renalis der Leber ein. Dorsal ist die rechte Niere mit dem Zwerchfellpfeiler sowie der Lendenmuskulatur verbunden. Ventralseitig ist sie mit dem Pankreas, dem Colon und dem Blinddarm in Kontakt.

2.3 Linke Niere

Die linke Niere der Wiederkäuer hängt an ihrem fettreichen Gekröse, eingehüllt in der Capsula adiposa renis, frei in die Bauchhöhle hinein. Aufgrund der massiven Ausdehnung des Pansens wird sie von dessen dorsalen Anteil nach rechts über die Medianebene geschoben. Dabei legt sie sich dem Darmkonvolut an und reicht vom 2. oder 3. bis zum 5. Lendenwirbel, weshalb sie größtenteils kaudal der rechten Niere anzutreffen ist. Da die linke Niere im Zuge der Embryonalentwicklung nach rechts verschoben wird, erfährt sie auch eine Drehung um ihre Längsachse um ca. 25° und mehr, sodass ihr Hilus renalis nach dorsal verlagert wird.

Eine markante Bauchfellfalte bildet die Fortsetzung des Bauchfellüberzugs der Fettkapsel nach kaudal. Diese Bauchfellfalte erreicht in ihrer Maximalausdehnung eine beträchtliche Höhe und geht kaudolateral und links in das Bauchfell der Flankengegend über. Da sie sich auch gleichzeitig mit dem breiten Gebärmutterband des linken Uterushorn verbindet, entsteht zwischen der Bauchfellfalte und der lateralen Bauchwand eine Nische. In diese Nische schiebt sich von kranial der kaudodorsale Blindsack des Pansens (Saccus caecus caudodorsalis) ein.

Die Fettkapsel beider Nieren erreicht beim gut genährten Rind beträchtliches Ausmaß, wobei das Fett selbst eine feste Konsistenz besitzt (Rindertalg).

2.4 Aufbau

Die Niere des Rindes besteht aus 12 bis 25 unterschiedlich großen Lobi renales, die äußerlich anhand der markanten Furchung sichtbar sind. Der ursprünglich gebräuchliche Name Renculi für diese äußerlich sichtbaren Furchen sollte anzeigen, dass hier unterschiedlich große Verschmelzungsbezirke von Lappen vorliegen. Dies kann man auch deutlich an der Gestalt der Markpyramiden erkennen, deren Spitzen einzeln oder zu mehreren (2 bis 5) vereint wulstartig als Nierenwarzen in den Sinus renalis hineinragen. Die Rinderniere besitzt durchschnittlich 18 bis 22 solcher Papillen, die je ein entsprechendes Porenfeld (Area cribrosa) mit Mündungen des Ductus papillares tragen.

Die einfachen bzw. zusammengesetzten Nierenwarzen werden von sogenannten Nierenkelchen (Calices renales minores bzw. majores) becherförmig umfasst. Diese sitzen unterschiedlich langen Röhren (Kelchstielen) auf, die wiederum zu je einem kranialen und kaudalen größeren Sammelrohr zusammenfließen. Aus dem Zusammenfluss beider Hauptzweige entsteht schließlich der Harnleiter.

Die Niere der Rinder besitzt kein Nierenbecken.

2.5 Gefäßversorgung

Die Niere wird wie bei allen Haussäugetieren über die Arteria renalis mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Die weitere Verästelung weicht jedoch in mancher Beziehung von der anderer Tiere ab.

In einen Nierenlappen treten meist 3 bis 6 Arteriae interlobares ein. Aus diesen wiederum gehen die Arteriolae glomerulares afferentes hervor, die sich teilweise weiter stark verästeln, bevor sie Glomerula bilden.

Die abführenden Rindenvenen bilden in der subkapsulären Schicht sogenannte Venulae stallatae. In der Nähe des Hilus renalis münden diese Kapselvenen direkt in die Äste der Vena renalis ein. Die tief liegenden Rindenschichten werden über kürzere und längere Venae interlobulares drainiert.

Der Lymphabfluss sowie die Innervation kann mit der Niere der Fleischfresser verglichen werden:

siehe auch: Niere (Fleischfresser)

3 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band II: Eingeweide. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.

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