Legionella nagasakiensis
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Definition
Legionella nagasakiensis ist eine seltene gramnegative Bakterienspezies aus der Familie der Legionellaceae. Sie wurde erstmals aus Wasserproben in Japan isoliert und später auch bei einem Patienten mit Legionärskrankheit nachgewiesen. Damit zählt sie zu den nicht-pneumophila-Legionellen mit potenzieller humanmedizinischer Relevanz.
Eigenschaften
Taxonomie
- Domäne: Bacteria
- Phylum: Pseudomonadota (Proteobacteria)
- Klasse: Gammaproteobacteria
- Ordnung: Legionellales
- Familie: Legionellaceae
- Gattung: Legionella
- Spezies: Legionella nagasakiensis
Mikrobiologische Eigenschaften
L. nagasakiensis ist:
- gramnegativ
- aerob
- stäbchenförmig
- beweglich durch ein einzelnes polares Flagellum
- Katalase-positiv
- Oxidase-positiv
- β-Laktamase-positiv
Habitat
Die Spezies wurde bislang hauptsächlich aus aquatischen Umgebungen isoliert:
- Thermalquellen
- Brunnenwasser
- Trinkwassersysteme
- technische Wassersysteme
Ein früher Nachweis erfolgte in einer heißen Quelle der Präfektur Aomori in Japan. Wie andere Legionellen kann sich L. nagasakiensis vermutlich innerhalb von Amöben vermehren, wodurch sie Umweltstress und Desinfektionsmaßnahmen besser überlebt.
Pathogenese
Die Virulenzmechanismen sind bislang deutlich weniger untersucht als bei Legionella pneumophila. Genetische Analysen zeigen jedoch das Vorhandensein mehrerer für Legionellen typischer Virulenzfaktoren, darunter Gene, die mit der intrazellulären Persistenz in Makrophagen assoziiert sind.
Nach Inhalation kontaminierter Aerosole erfolgt vermutlich:
- Aufnahme durch alveoläre Makrophagen
- Verhinderung der Phagolysosomen-Fusion
- Intrazelluläre Vermehrung
- Zelllyse und Ausbreitung im Lungengewebe
Dieser Mechanismus ähnelt demjenigen anderer Legionellen-Spezies.
Klinik
Die klinische Relevanz von L. nagasakiensis ist bisher gering, da nur wenige humane Isolate beschrieben wurden. Dennoch wurde die Spezies bei Patienten mit Legionellen-Pneumonie nachgewiesen.
Mögliche klinische Manifestationen:
- Legionärskrankheit (schwere atypische Pneumonie)
- Fieber
- Husten
- Dyspnoe
- gastrointestinale Symptome
- selten extrapulmonale Manifestationen
Die tatsächliche Prävalenz dürfte unterschätzt werden, da Routinediagnostik häufig auf Legionella pneumophila Serogruppe 1 fokussiert ist.
Diagnostik
Kultur
- BCYE-Agar
- langsames Wachstum über mehrere Tage
Molekularbiologie
- 16S-rRNA-Sequenzierung
- mip-Gen-Analyse (macrophage infectivity potentiator)
- PCR-basierte Verfahren
Antigennachweis
Der etablierte Urin-Antigentest erkennt überwiegend L. pneumophila Serogruppe 1 und kann Infektionen mit L. nagasakiensis übersehen. Daher sind Kultur oder PCR entscheidend.
Therapie und Prävention
Spezifische Therapieempfehlungen existieren aufgrund der Seltenheit der Spezies nicht. Analog zu anderen Legionellen-Infektionen werden eingesetzt:
- Azithromycin
- Clarithromycin
- Levofloxacin
- Moxifloxacin
β-Laktam-Antibiotika zeigen aufgrund der intrazellulären Lokalisation der Erreger meist eine unzureichende Wirksamkeit.
Die Prävention entspricht den allgemeinen Maßnahmen zur Legionellenkontrolle:
- regelmäßige Überwachung von Warmwassersystemen
- Vermeidung von Stagnation
- thermische Desinfektion
- Filtration und Wasseraufbereitung
- Kontrolle von Kühltürmen und Spa-Anlagen
Da L. nagasakiensis aus Warmwasser- und Thermalquellen isoliert wurde, gelten diese Reservoirs als besonders relevant.