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Leberzelladenom

Synonyme: Leberadenom, hepatozelluläres Adenom, hepatisches Adenom
Englisch: hepatic adenoma, hepatocellular adenoma, hepadenoma

1. Definition

Das Leberzelladenom ist eine seltene gutartige Neoplasie der Leber, die häufig im Zusammenhang mit erhöhten Hormonwerten auftritt, z.B. bei der Einnahme oraler Kontrazeptiva.

2. Epidemiologie und Ätiologie

Das Leberzelladenom zählt zu den selteneren Leberläsionen und wird in 90 % d.F. bei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren gefunden. Es wurde eine positive Korrelation zur Einnahme oraler Kontrazeptiva gefunden. Weiterhin gelten der Gebrauch anaboler Steroide sowie die Glykogenspeicherkrankheiten Typ 1 (Morbus von Gierke) und Typ 3 (Forbes-Syndrom) als Auslöser.[1] Zunehmend treten Leberzelladenome auch bei Männern auf, insbesondere bei Vorliegen eines metabolischen Syndroms.

3. Bordeaux-Klassifikation

Es werden vier Subtypen des Leberzelladenoms unterschieden:

4. Klinik

Das meist lange asymptomatische Leberzelladenom kann bei größerer Ausprägung durch ein lokales Druckgefühl aufgrund von Reizung der Leberkapsel auffällig werden. Zudem steigt bei größeren Tumoren die Gefahr der Hämorrhagie.[2] Eine akute Hämorrhagie eines Leberzelladenoms geht mit einer Mortalität von bis zu 10 % einher.

Sehr selten kommt eine maligne Transformation zum hepatozellulären Karzinom vor, insbesondere bei Männern.

5. Pathologie

5.1. Makroskopie

Leberzelladenome treten in 70-80 % d.F. solitär auf, am häufigsten subkapsulär im rechten Leberlappen. Zum Zeitpunkt der Diagnose sind sie meist 5 bis 15 cm groß. Durch die häufig fibröse Pseudokapsel ist der Tumor oft glatt abgrenzbar.

Ein multiples Auftreten kommt bei den Glykogenspeicherkrankheiten und bei der hepatischen Adenomatose vor.

5.2. Mikroskopie

Pathohistologisch bestehen Leberzelladenome aus neoplastischen, gut differenzierten Hepatozyten und weisen keine Glisson-Trias bzw. Gallengänge auf. Kupffer-Zellen können vorhanden sein, sind dann aber funktionslos. Die Hepatozyten weisen oft viel Glykogen auf und können mit Fett gefüllt sein. In 10 % d.F. kommen kleine Parenchymverkalkungen vor. [3]

6. Diagnostik

Leberzelladenome werden i.d.R. durch bildgebende Verfahren diagnostiziert.

6.1. Radiologie

6.1.1. Sonographie

6.1.2. Computertomographie

In der Computertomographie (CT) zeigen Leberzelladenome folgende Charakteristika:[4]

  • variable Dichte:
    • häufig isodens
    • hyperdens bei frischer Blutung. Intratumorale Blutungen sind in 25 bis 40 % d.F. erkennbar.
    • hypodens bei hohem Fettgehalt (eher diffus verteiltes Fett, während Fett bei größeren HCC eher fokal und fleckig angeordnet ist)
  • relativ homogenes Enhancement in arterieller Phase
  • frühes Wash-Out: isodens in portalvenöser und spätvenöser Phase
  • Bei Vorliegen einer diffusen Steatosis hepatis können die Adenome hyperdens erscheinen
  • in ehemals eingebluteten Arealen können Verkalkungen entstehen (5 bis 10 %)

6.1.3. Magnetresonanztomographie

In der Magnetresonanztomographie (MRT) weist das Leberzelladenom folgende Charakteristika auf:

  • T1w: in 35 bis 77 % hyperintens, seltener iso- oder hypointens
  • T2w: leicht hyperintens (47 bis 74 %)
  • IP/OOP: Signalverlust in Out-of-Phase
  • T1w-KM: frühes arterielles Enhancement und frühes Wash-Out (isointens nach ca. 1 Minute)
  • T1w mit Hepatozyten-spezifischem Kontrastmittel: verminderte Aufnahme im Vergleich zum normalen Lebergewebe, daher hypointens in hepatobiliärer Phase (20 Minuten post injectionem)
  • bei Blutung: heterogenes Signal in allen Sequenzen

6.2. Nuklearmedizin

Da die Kupffer-Zellen zahlenmäßig vermindert und überwiegend dysfunktional sind, lässt sich in mindestens 77 % d.F. keine Aufnahme von Technetium-99m-Schwefelkolloid innerhalb des Tumors nachweisen. Die Aktivität im HIDA-Scan ist erhöht. Im Gallium-Scan lässt sich keine vermehrte Aufnahme von Gallium nachweisen.

7. Differentialdiagnosen

  • Hepatozelluläres Karzinom (HCC): frühes Wash-Out führt eher zu einem hypointensen Signalverhalten gegenüber dem restlichen Leberparenchym. Randständiges Enhancement der Pseudokapsel kann in der Spätphase erhalten bleiben. Unterschiedliche Risikofaktoren (z.B. Leberzirrhose). Infiltration von Gefäßen.
  • Fibrolamelläres hepatozelluläres Karzinom: zentrale Narbe. Häufiger Verkalkungen. Oft Lymphadenopathie am Leberhilus.
  • Fokale noduläre Hyperplasie (FNH): zentrale Narbe in T2w mit Kontrastmitttelenhancement in der Spätphase. Anreicherung von Hepatozyten-spezifischem Kontrastmittel in der Spätphase.
  • Lebermetastasen: oft nicht solitär, meist hypointens in T1w und mäßig hyperintens in T2w. Fett und Blutungen seltener.
  • Leberhämangiom: diskontinuierliches peripheres noduläres Enhancement mit allmählicher zentripetaler (irisblendenartigen) Füllung. Sog. Flash-Filling-Hämangiome sind in allen Phasen isodens/isointens zum Blutpool.
  • Peripheres intrahepatisches cholangiozelluläres Karzinom (CCC): oft mit erweiterten Gallengängen. Infiltration der Pfortader möglich. Meist hypodens/isodens im Nativbild. In arterieller Phase und portalvenöser Phase meist hypodens. Ringförmiges Enhancement und fortschreitende zentrale Anreicherung in der Spätphase.

8. Therapie

Bei kleinen, nicht-subkapsulären Läsionen kann nach Absetzen des Kontrazeptivums abgewartet werden, ob sich das Adenom zurückbildet. Falls sich die Läsion nicht zurückbildet, kommt bei einer Größe von < 5 cm eine Biopsie in Frage. Bestätigt diese die radiologische Verdachtsdiagnose eines Leberzelladenoms, sollten klinische und radiologische Verlaufskontrollen bis zur Menopause erfolgen. Bei Größenprogredienz bzw. einer Größe von ≥ 5 cm wird eine Resektion, eine Thermoablation oder eine arterielle Embolisation empfohlen.

9. Quellen

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