Kuhpocken
Englisch: cowpox
Definition
Kuhpocken sind eine durch das Kuhpockenvirus verursachte Zoonose. Die Infektionskrankheit betrifft heute vor allem Katzen und Nagetiere, wird jedoch auch auf den Menschen übertragen. Klinisch manifestiert sie sich primär durch charakteristische Hautläsionen.
Epidemiologie
Obwohl die Erkrankung historisch mit dem Rind assoziiert ist, spielen Kühe als Infektionsquelle in Europa heute kaum noch eine Rolle.
Das Virus persistiert in wildlebenden kleinen Nagetieren (z.B. Wühlmäusen), die als natürliches Reservoir gelten. Hauskatzen infizieren sich vermutlich über den Kontakt mit infizierten Nagetieren und gelten als Infektionsquelle für den Menschen.
Ätiopathogenese
Erreger ist das Kuhpockenvirus, ein doppelsträngiges DNA-Virus aus der Familie der Pockenviren (Poxviridae). Es weist ein breites Wirtsspektrum auf und ist genetisch eng mit anderen Orthopoxviren verwandt.
Nach Inokulation über kleinste Hautläsionen repliziert das Virus lokal im Epithel. Es kommt zur Ausbildung einer charakteristischen, meist solitären Effloreszenz an der Eintrittspforte. Eine hämatogene Streuung ist selten, kann jedoch bei immunsupprimierten Individuen auftreten.
Klinik
Die Inkubationszeit beträgt meist 9–10 Tage. Beim Menschen äußert sich eine Infektion mit Kuhpocken in der Regel durch ein örtlich begrenztes Hautexanthem. Die Hautveränderungen entwickeln sich typischerweise stufenweise von einer Papel über ein Bläschen (Vesikel) bis hin zu einer Pustel. Die Abheilung erfolgt langsam über mehrere Wochen hinweg und geht mit Krustenbildung sowie einer späteren Narbenbildung einher.
Am häufigsten sind Hände beziehungsweise andere Bereiche der Extremitäten sowie das Gesicht betroffen. Meist zeigen sich nur einzelne oder wenige Hautläsionen. Charakteristisch sind zudem eine deutliche Schwellung und Rötung im Umfeld der betroffenen Stelle sowie eine ausgeprägte Vergrößerung der regionalen Lymphknoten. Sowohl die Hautveränderungen als auch die geschwollenen Lymphknoten können schmerzhaft sein. Begleitend treten Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf. In einigen Fällen kann es außerdem zu einer Bindehautentzündung kommen. Bei immunsupprimierten Personen kann es zudem zu einer schweren systemischen Erkrankung kommen.
Veterinärmedizin
Betroffene Katzen oder Nagetiere weisen v.a. an den Pfoten und am Kopfbereich Effloreszenzen auf. Letale Verläufe wurden insbesondere bei Zootieren beobachtet.
Diagnostik
Die Diagnose erfolgt meist klinisch durch die Anamnese und den direkten Erregernachweis mittels PCR, Anzucht oder elektronenmikroskopische Untersuchung. Darüber hinaus kann ein serologischer Nachweis spezifischer Antikörper erfolgen.
Therapie
Eine kausale Therapie existiert nicht. Eine Kuhpockeninfektion wird i.d.R. symptomatisch behandelt. Bakterielle Sekundärinfektionen werden durch die Gabe von Antibiotika behandelt.
Meldepflicht
Es besteht derzeit (2026) keine Meldepflicht der Kuhpocken. In einigen Regionen wird die Erfassung und Übermittlung von Infektionsfällen dennoch empfohlen.