Impetigo contagiosa
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
Loslegenvon lateinisch: impetere - angreifen; contagiosus - ansteckend
Synonyme: Borkenflechte, Grindflechte
Englisch: impetigo
Definition
Die Impetigo contagiosa ist eine häufige, hochkontagiöse, oberflächliche bakterielle Infektion der Haut, die vorwiegend im Kindesalter auftritt.
Epidemiologie
Die nicht-bullöse Form macht etwa 70 % aller Impetigo-Fälle aus, die bullöse Form etwa 30 %.[1] Aus europäischen hausärztlichen Versorgungsdaten werden Inzidenzen von ca. 10 bis 20 Fällen pro 1.000 Personenjahre bei Kindern berichtet, mit deutlichen Schwankungen nach Land, Zeitraum und Klima.[2][3]
Ätiologie
Bei dieser Dermatose werden zwei klinische Formen unterschieden:
- die nicht-bullöse Form (kleinblasige Form, Impetigo vulgaris): sie wird in Europa und Nordamerika überwiegend durch Staphylococcus aureus verursacht, während in tropischen Regionen weiterhin beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (Streptococcus pyogenes) dominieren[1]
- die bullöse Form (großblasige Form, Impetigo bullosa): sie wird durch toxinbildende (Exfoliatin A/B) Stämme von Staphylococcus aureus ausgelöst[1]
Die Übertragung erfolgt sowohl direkt durch Schmierinfektion, als auch durch Tröpfcheninfektion aus einer Nasen-Rachen-Besiedlung. Infektionsquellen sind asymptomatische Keimträger oder bereits bestehende Impetigoherde bei Kontaktpersonen, vor allem andere Kinder in Kindergarten oder Schule. Begünstigende Faktoren sind eine vorbestehende Störung der Hautbarriere (z.B. bei atopischem Ekzem oder Bagatelltraumata) sowie ein feuchtwarmes Klima.
Pathophysiologie
Bei der bullösen Form spalten von Staphylococcus aureus gebildete exfoliative Toxine (Exfoliatin A/B) das Desmosomenprotein Desmoglein 1, wodurch es zur subkornealen Blasenbildung kommt. Bei der nicht-bullösen Form entstehen die Effloreszenzen durch direkte Gewebeinvasion nach Bagatelltraumata der Haut.
Symptome
Bevorzugt beginnt die Impetigo im Nasen-Mund-Bereich und an den Händen. Zuerst entwickeln sich ein umschriebenes Erythem sowie kleine Bläschen und Pusteln, die rasch aufplatzen. Im Verlauf entstehen asymmetrische, scharf begrenzte Herde mit honiggelben Krusten. Durch Schmierinfektion kann sich die Impetigo weiter ausbreiten, eine verminderte Immunabwehr begünstigt diesen Vorgang. Fieber tritt in der Regel nicht auf.
Bleibt die Impetigo auf die Haarfollikel beschränkt, spricht man von einer Impetigo folliculosa.
Komplikationen
- regionäre Lymphangitis
- Lymphadenitis
- postinfektiöse Glomerulonephritis (bei Streptokokken-Genese)
- selten: Staphylococcal scalded skin Syndrom (v.a. bei Neugeborenen und Immunsupprimierten)
Diagnostik
Das charakteristische klinische Bild ist meist wegweisend. Ein mikrobiologischer Erregernachweis aus Hautabstrich ist in der Regel nur bei ausgeprägtem, rezidivierendem oder therapierefraktärem Verlauf indiziert. Bei Verdacht auf eine zurückliegende oder anhaltende Streptokokken-Genese ist der Anti-DNase-B-Titer aussagekräftiger als der Antistreptolysintiter, da Hautinfektionen im Gegensatz zu pharyngealen Infektionen häufig keinen relevanten Anstieg des Antistreptolysintiters auslösen.[4]
Differentialdiagnostik
Differentialdiagnostisch muss in erster Linie eine superinfizierte Herpes-simplex-Infektion ausgeschlossen werden. Gerade postnatal ist es oftmals schwierig, eine Impetigo von einem Neugeborenenexanthem (Erythema toxicum neonatorum) abzugrenzen, einem ungefährlichen Hautausschlag, der ebenfalls Bläschen mit Flüssigkeit verursachen kann.
Therapie
Bei lokal begrenztem Befall sind topische Antibiotika wie Fusidinsäure Mittel der ersten Wahl.[1] Die Wirksamkeit topischer Antibiotika bei begrenztem Befall (<2 % der Körperoberfläche) über 5–7 Tage ist belegt, wobei die zunehmende Resistenzentwicklung – insbesondere gegenüber Fusidinsäure – bei der Auswahl berücksichtigt werden sollte.[1] Bei der Präparatewahl spielen neben Wirksamkeit und Verträglichkeit auch pharmakologische und galenische Eigenschaften eine Rolle, um eine gute Therapieadhärenz zu gewährleisten.[5]
Der Stellenwert topischer Antiseptika (z.B. Octenidin, Povidon-Iod) als alleinige Behandlung wird uneinheitlich beurteilt: Ein italienisches Expertenkonsensus-Panel sieht Antiseptika aktuell nicht als eigenständige, gleichwertige Behandlungsoption, sondern allenfalls als Ergänzung zur Standardtherapie zur Rezidivprophylaxe.[1] Andere nationale Leitlinien (z.B. NICE in Großbritannien) empfehlen dagegen bei gering ausgeprägtem, lokalisiertem, nicht-bullösem Befund ohne systemische Risikofaktoren primär topische Antiseptika (z.B. Wasserstoffperoxid-Creme) vor topischen Antibiotika, um Resistenzselektion zu vermeiden.[6]
Eine systemische Therapie sollte bei stärkerer Ausbreitung, Rezidiven oder ausgeprägter Allgemeinsymptomatik erfolgen.[7] Hygienemaßnahmen (Händehygiene, kein gemeinsames Benutzen von Handtüchern/Kleidung) unterstützen die Eindämmung.
Prognose
Die Impetigo heilt in der Regel narbenlos ab. Auch ohne antibiotische Therapie kommt es bei einem Teil der Patienten innerhalb einer Woche zur spontanen Besserung. Rezidive innerhalb von 12 Monaten sind mit bis zu 50 % häufig.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Galli et al., Pediatric impetigo: an expert panel opinion about its main controversies, J Chemother, 2022
- ↑ Koning et al., Impetigo: incidence and treatment in Dutch general practice in 1987 and 2001--results from two national surveys, Br J Dermatol, 2006
- ↑ Barbieri et al., Non-bullous Impetigo: Incidence, Prevalence, and Treatment in the Pediatric Primary Care Setting in Italy, Front Pediatr, 2022
- ↑ Kaplan et al., The influence of the site of infection on the immune response to group A streptococci, J Clin Invest, 1970
- ↑ Neri et al., Ideal Features of Topical Antibiotic Therapy for the Treatment of Impetigo: An Italian Expert Consensus Report, Curr Ther Res Clin Exp, 2022
- ↑ National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Impetigo: antimicrobial prescribing. NICE guideline [NG153]. 2020.
- ↑ DGPI: Ambulante Therapie der Impetigo contagiosa. Kinderärztliche Praxis: Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin. 23.07.2024.
Literatur
- Suerbaum et al., Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, 9. Auflage, Springer, 2020