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Hepatitis-E-Virus-Infektion (Geflügel)

Synonyme: Aviäre Hepatitis-E-Virus-Infektion, Hepatitis-Splenomegalie-Syndrom, Hepatitis E
Englisch: hepatitis-splenomegaly-syndrome, big liver and spleen disease

1 Definition

Die Hepatitis-E-Virus-Infektion, auch Hepatitis-Splenomegalie-Syndrom genannt, ist eine Infektionskrankheit beim Geflügel, die durch Hepeviren (Hepeviridae) verursacht wird.

2 Erreger

Das Aviäre Hepatitis-E-Virus (aHEV) ist ein Virus des Genus Orthohepevirus B innerhalb der Familie der Hepeviridae.

Die Viren sind etwa 32 bis 34 nm groß, nicht behüllt und haben eine einzelsträngige RNA positiver Polarität (+ssRNA). Sie scheinen relativ resistent gegenüber niedrigen pH-Werten sowie hohen Temperaturen (bis zu 60 °C) zu sein.

3 Epidemiologie

Das aviäre Hepatitis-E-Virus ist in den USA weit verbreitet, kann aber auch in Kanada und in zahlreichen europäischen Ländern nachgewiesen werden (auch in deutschen Geflügelbeständen). Antikörper lassen sich sowohl in erkrankten als auch in gesunden Herden finden.

4 Pathogenese

Nach der Infektion befallen die Viren vorwiegend Hepatozyten. Von dort aus gelangen die Erreger in die Galle und dann in den Magen-Darm-Trakt. Es wird angenommen, dass es zu einer Erregervermehrung sowohl in der Milz als auch im Magen-Darm-Trakt kommt. Die Ausscheidung findet über den Kot statt, weshalb die Übertragung hauptsächlich fäkal-oral stattfindet. Die Inkubationszeit liegt zwischen einer und drei Wochen. Die genauen Pathomechanismen sind jedoch weitgehend unbekannt.

Eine zusätzliche vertikale Virusübertragung kann nicht ausgeschlossen werden.

5 Klinik

Zu klinisch manifesten Erkrankungen kommt es hauptsächlich bei Legehennen und Mastelterntieren. Da die Tiere meistens subklinisch infiziert sind, sind die Morbiditäts- sowie Mortalitätsraten relativ niedrig.

Betroffen sind Hühner zwischen der 30. und 72. Lebenswoche. Es kommt zu einem Einbruch der Legeleistung von bis zu 20 %. Die Eier weisen eine veränderte Eischalenstabilität sowie abweichende Pigmentierungen auf. Die restlichen Krankheitszeichen sind recht unspezifisch. Gelegentlich können blasse Kopfanhänge, verschmutztes Gefieder und pastöser Kot beobachtet werden.

6 Pathohistologie

Bei der Sektion fallen ein rückgebildetes Ovar, blutige Flüssigkeitsansammlungen im Abdomen (hämorrhagischer Aszites) sowie eine vergrößerte Milz (Splenomegalie) und Leber (Hepatomegalie) auf. Die betroffenen Organe sind hämorrhagisch verändert und zeigen multiple Nekroseherde.

Im histologischen Schnittbild sind Ansammlungen von heterophilen Granulozyten und mononukleären Zellen im Bereich des Glisson-Dreiecks sowie hepatozelluläre Nekrosen sichtbar. Im Leber- und Milzinterstitium kommt es zur Akkumulation von eosinophilem Material und Amyloid. Andere Organe können ebenfalls diese Veränderungen aufweisen.

7 Diagnose

Die Verdachtsdiagnose ergibt sich aus den klinischen Symptomen in Zusammenhang mit den makroskopischen sowie mikroskopischen Veränderungen. Der Erregernachweis erfolgt mittels RT-PCR.

Eine Virusanzüchtung in Zellkulturen ist bisher (2021) nur schwer oder gar nicht möglich und kann lediglich nach intravenöser Inokulation in embryonierte Hühnereier gelingen.

8 Therapie

Es stehen derzeit (2021) keine Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Eine Kontrolle der Erregerverbreitung ist nur durch strikte Hygienemaßnahmen möglich.

9 Quellen

  • ViralZone. Hepeviridae SIB - Swiss Institute of Bioinformatics (abgerufen am 10.08.2021)
  • Sun P, Lin S, He S, Zhou EM, Zhao Q. Avian Hepatitis E Virus: With the Trend of Genotypes and Host Expansion. Front Microbiol. 2019 Jul 24;10:1696. doi: 10.3389/fmicb.2019.01696
  • Crespo R, Opriessnig T, Uzal F, Gerber PF. Avian Hepatitis E Virus Infection in Organic Layers. Avian Dis. 2015 Sep;59(3):388-93. doi: 10.1637/11070-032215-Reg.1
  • Billam P, Huang FF, Sun ZF, Pierson FW, Duncan RB, Elvinger F, Guenette DK, Toth TE, Meng XJ. Systematic pathogenesis and replication of avian hepatitis E virus in specific-pathogen-free adult chickens. J Virol. 2005 Mar;79(6):3429-37. doi: 10.1128/JVI.79.6.3429-3437.2005

10 Literatur

  • Rautenschlein S, Ryll M. 2014. Erkrankungen des Nutzgeflügels. 1. Auflage. Stuttgart: UTB Verlag GmbH. ISBN: 978-3-8252-8565-5

Diese Seite wurde zuletzt am 19. August 2021 um 14:49 Uhr bearbeitet.

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